Obergriesbach    

Unten neu, oben alt

Obergriesbach - "Ihr da draußen stellt uns immer wieder vor die größten Herausforderungen." Nach einer über einstündigen Diskussion konnte Architekt Hans Schrammel schon wieder lachen. Sein Büro baute bereits den neuen Kindergarten in Obergriesbach und hat am Dienstagabend auch den Planungsauftrag für den notwendig gewordenen Erweiterungsbau bekommen. Einstimmig. Das war allerdings nicht so einfach, wie das Ergebnis vermuten lässt.

"Beauftragung der Planung für die Erweiterung der Kita und Sanierung des Bestandsgebäudes" stand auf der Tagesordnung. Noch bevor die Sitzung richtig begonnenen hatte, meldete Hans Willer schon seine Einwände an. Nicht gegen die Kindergartenerweiterung, "die muss sein", aber gegen die Sanierung des alten Schulhauses.
"Wir müssen uns selbst erstmal im Klaren sein, was wir wollen", sagte Willer und hatte die große Mehrheit schon auf seiner Seite. Bürgermeister Josef Schwegler hob hervor, dass es ohne konkrete Planung weder Zuschüsse noch eine Baugenehmigung gebe.
Das konnte Gerhard Kinzel nicht beeindrucken. "Das ist finanziell nicht machbar", meinte Kinzel, zumal jetzt beim Straßen- und Kanalbau in Zahling auch noch eine Finanzierungslücke von 1,7 Millionen Euro aufgetaucht ist, die noch geschlossen werden muss. Schwegler versuchte zu erklären, dass diese Maßnahme auf "mindestens drei Jahre" verteilt werde, was aber bei den Räten nicht ankam. Beim Gedanken an die Schulden hatte Stefan Asam erneut "Bauchweh". Er wolle nichts "blockieren", sondern die "ganze Sache" vorsichtig angehen.
"Wir dürfen den gleichen Fehler nicht zweimal machen", erinnerte Berthold Schmitt daran, dass die Komplettsanierung des ehemaligen Schulhauses vor zehn Jahren schon mal am Bürgerentscheid scheiterte. Lorenz Mahls Bedenken gingen in die gleiche Richtung. Die geschätzten Kosten damals beliefen sich auf 1,5 Millionen Euro, heute sind 1,4 Millionen Euro im Gespräch.
Die Räte vertraten unisono die Ansicht, dass eine neue Heizung und neue Fenster als Sanierung völlig ausreichend seien. Das wiederum passte Hans Schrammel nicht. "Für halbe Sachen ist unser Architektenbüro nicht zu haben", machte er deutlich. Schrammel forderte ein Gesamtkonzept, und Schwegler warnte eindringlich, dass die Arbeiten immer teurer würden, je weiter man sie auf die lange Bank schiebe.
Hans Schrammels Vorschlag brachte schließlich den Durchbruch: "Mit einem Gesamtkonzept verbauen Sie sich nichts. Sie haben es selber in der Hand, was Sie Schritt für Schritt umsetzen wollen." Jetzt sollen die Architekten ein Gesamtkonzept erstellen. Die Maßgabe lautet also: Unten soll alles picobello werden und oben soll es vorerst bleiben, wie es ist.
Von Alfred Haas


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Veröffentlicht am 16.01.2019 23:00 Uhr




 

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