Dasing    

Western-City: Brandstifter ist nicht zu überführen

Aichach - Vor gut einem Jahr brannte die Western-City in Dasing fast vollständig ab. Den Menschen, die auf dem Gelände lebten und arbeiteten, hat sich das Ereignis buchstäblich ins Gedächtnis gebrannt. Vor diesem Hintergrund erscheint die Tat eines heute 45-Jährigen noch niederträchtiger: Der Mann, der bis vor einem Jahr selbst in dem Freizeitpark beschäftig war, verschüttete in einem der heil gebliebenen Gebäude Benzin. Er wollte eine weitere Brandstiftung vortäuschen.

western-city-brand-feuerwehrma

Das sah das Aichacher Amtsgericht gestern als erwiesen an und verurteilte ihn zu sechs Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Zusätzlich muss er 1000 Euro zahlen.
Das Gericht unter Vorsitz von Richter Walter Hell war bemüht, den Abend des 7. auf den 8. August 2017 so genau wie möglich zu rekonstruieren. Mehrere Zeugen wurden deshalb gehört. Mit leichten Abweichungen gaben sie folgende Version der Geschehnisse wieder: Seit dem Brand der Westernstadt war die Stimmung unter den Bewohnern ängstlich und verständlicherweise angespannt. Das Ereignis war für viele traumatisierend, hinzu kam, dass sämtlichen Angestellten gekündigt wurde, beziehungsweise wurden sie aufgefordert, ihre Wohnung schnellstmöglich zu räumen. Zusätzlich trieben sich offenbar immer wieder Katastrophentouristen auf dem Gelände herum. Die verbliebenen Bewohner der Westernstadt liefen mehrmals Patrouille.
In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde der Polizei am frühen Abend eine Sachbeschädigung an der Ferienanlage gemeldet. Zu dem Zeitpunkt hielten sich auf dem Gelände mehrere Personen auf - darunter Angestellte der Western-City und zwei Nachbarn, die sich mit dem Freizeitpark eng verbunden fühlen. Wie der Angeklagte selbst berichtete, will er Geräusche gehört haben, anschließend machten sich angeblich zwei Gestalten aus dem Staub.
Er selbst entdeckte in der Folge zusammen mit einer weiteren Person, dass die Werkstatt am Reitstall aufgebrochen war. In dem Gebäude befanden sich Geräte, sie waren mit rund einem halben Kanister Benzin übergossen.
Weiter ergab die Befragung der Zeugen, dass das Benzin nicht ausgelaufen sein kann, sondern absichtlich ausgebracht worden sein muss: als Brandbeschleuniger. Das bestätigte ein auf derartige Straftaten spezialisierter Beamter aus Friedberg. Angesprochen auf das Feuer, das rund eine Woche vorher in der Westernstadt wütete, erklärte der Polizist wie nebenbei: "Es war Brandstiftung. Und wir sind uns ziemlich sicher, wer es war." Alle Verdachtsmomente deuteten auf eine Person, allein: "Wir haben zu wenig Beweise." Ob es sich bei dem Angeklagten um die besagte Person handelt, wurde nicht besprochen.

Von Thomas Winter


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 04.10.2018 15:48 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief