Aichach    

Der schwierige Weg zu weniger Müll

Aichach (beh) Die Vermeidung von Plastik ist in den vergangenen Jahren zu einem besonders drängenden Umweltthema geworden. Angesichts der dramatischen Bilder von riesigen Plastikinseln im Meer, darin verendenden Tieren und nicht zuletzt auch der Gefahr für den Menschen scheint es auch kaum umstritten, dass Plastik vermieden werden sollte, wo es nur geht.


Dennoch tat sich der Kreisentwicklungsausschuss bei seiner jüngsten Sitzung mit einem Antrag der Grünen sehr schwer und rang lange um eine geeignete Formulierung. Dabei war der Antrag eigentlich klar und eindeutig. Der Kreistag solle die Leitung der Messe Augsburg auffordern, schrittweise auf eine plastikarme beziehungsweise plastikfreie Messe hin zu arbeiten. Schon das "schrittweise" und die "plastikarme" Messe als erste Etappe wurden von einigen Kreisräten aber ignoriert.
Die Reaktion reichten von schroffer Ablehnung ("Eine plastikfreie Messe gibt es nicht", Xaver Hörmann, Unabhängige) bis zu großer Skepsis ("Das wird sich nicht realisieren lassen", Wally Walkmann, SPD) bis hin zu Wohlwollen ("Wir unterstützen das grundsätzlich", Johannes Hatzold, Freie Wähler).
Auch Landrat Dr. Klaus Metzger fand den Antrag grundsätzlich richtig: "Alles, was geht, sollte man in diesem Bereich tun." Gleichwohl wollte er der Messe-Geschäftsführung lieber einen Prüfauftrag erteilen, über den die Messeleitung dann berichten muss. "So spielen wir den Ball an die Messe zurück." Auch Josef Schreier sprach sich im Namen der CSU-Fraktion für dieses Vorgehen aus. Einer der Hintergründe für die diversen Bedenken: Die Sorge, dass Aussteller abspringen und in dem hart umkämpften Gewerbe an einen anderen Messeplatz gehen, wenn in Augsburg zu viele Auflagen gemacht werden.
Marion Brüll (Grüne) konnte indes gar nicht verstehen, was daran so schwierig sein sollte, sich auf den Verzicht von Plastikgeschirr, -besteck, -bechern und anderen Produkten zu einigen. "Ich bitte Sie, wir vergeben uns doch nichts mit diesem Antrag", warb sie fast inständig um das Anliegen.
Dieses liegt offensichtlich auch Klaus Metzger am Herzen. Denn noch eine ganze Weile sondierte er, argumentierte, feilte an Formulierungen, so dass, nachdem auch Marion Brülls ihre Zustimmung signalisiert hatte, tatsächlich ein einstimmiger Beschluss gefasst wurde. In dem wird die Geschäftsführung der Messe beauftragt, gemeinsam mit den Ausstellern zu prüfen, ob auf die in einer Liste aufgeführten Plastikprodukte weiter zulässig sind. Angesichts der Ausgangslage darf man das Ergebnis ruhig als kleine diplomatische Meisterleistung betrachten.
Wie viel die wert ist, wird sich allerdings erst zeigen. Auch, weil der Landkreis Aichach-Friedberg neben Stadt und Landkreis Augsburg nur ein Gesellschafter ist, noch dazu der kleinste. Wie die beiden Partner zu einem solchen Antrag stehen, ist noch unklar.
In der Zeit, die die Diskussion dauerte, sind schätzungsweise zwischen 380 000 und 720 000 Kilogramm Plastik in die Weltmeere gelangt.


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Veröffentlicht am 11.10.2018 23:00 Uhr




 

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