Aichach    

Entenjagd im Paarer Weiher sorgt für Diskussionen

Paar - Sie schnattern laut, als sich Josef Helfer dem Paarer Weiher nähert: die Enten, etwa 50 an der Zahl. Für das kleine Gewässer ist das viel. Doch es waren schon viel mehr. Rund 180 zahme Jungenten habe man in drei Weihern um Paar und Haslangkreit ausgesetzt und sie etwas später aus "Spaß am Schießen" zum Fliegen bewegt und vom Himmel geholt, wie Josef Helfer schildert. Von "über Nacht" aufgetauchten Enten spricht der 66-jährige Paarer. "Wozu sie dienen, das konnte ich bei der vor kurzem durchgeführten Entenjagd des Jagdpächters Graf von Maldeghem beobachten", berichtet Helfer. Die Vorwürfe wiegen schwer. Der Jagdpächter weist sie zurück. Für ihn sei das eine gängige Praxis und jagdrechtlich einwandfrei. Die geschossenen Enten landen im Verkauf oder werden von den Jägern selbst verspeist.

Es war ein Donnerstag, Mitte September, wie Josef Helfer erzählt. Rund zehn Jäger bezogen am Westufer des Paarer Weihers Stellung, ein Motorboot wurde zu Wasser gelassen. Hunde und Treiber machten sich auf den Weg, die knapp 100 schwimmenden Enten zum Fliegen zu bewegen. Zuvor sei ein Großteil von ihnen eingesetzt worden. Helfer, 66-jähriger Pensionist aus Paar, ging selbst 47 Jahre zur Jagd. "Aber was dort stattfindet, ist eine Sauerei", schimpft er.
Im Regen stapft Josef Helfer am Ufer des Weihers entlang. Die etwa 50 verbliebenen Enten sind unruhig und schwimmen immer dorthin, wo Helfer nicht ist. "Die waren schon zutraulicher", erinnert er sich. Am Südufer des Weihers liegt ein Bauernhof, von dem aus ein älterer Mann auf den Weiher blickt. "Mit dem Motorboot sind sie immer wieder durch die Entenschar durch", schildert er. Die Tiere seien dann kurz aufgeflogen und wieder auf dem Wasser gelandet.
Maximilian von Maldeghem wies die Vorwürfe im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Als Hegeringleiter sei es viel mehr seine Aufgabe, nachhaltig für die Bestandsregulierung der Wildarten zu sorgen. Warum hierfür zunächst Enten ausgesetzt werden, um später zur Strecke gebracht zu werden, begründet er wie folgt: "Was wir am Paarer Weiher machen, ist eine seit Jahrhunderten übliche Praxis." Wildarten auszusetzen sei im Sinne des Bundesjagdgesetzes nicht verboten, sondern trage zur Aufrechterhaltung der Wildbestände bei. Das betrifft auch Niederwild wie die Stockente. "Im Mai werden einige junge Enten ausgewildert und im September und Oktober zweimal bejagt", erklärt von Maldeghem. Wie viele Enten im Zuge dessen genau ausgesetzt wurden, gibt er trotz wiederholter Nachfrage nicht bekannt.

Von Bastian Brummer


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.

Veröffentlicht am 13.11.2017 23:00 Uhr




 

Drucken   Speichern   Senden    Leserbrief