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BFV-Präsident Koch beim Kreistag: Amateurfußball steht vor großen Herausforderungen

Neusäß - Seit der Fußballkreis Augsburg 2006 aus der Taufe gehoben wurde, war er fast ausschließlich in weiblicher Hand. Gabriele Ullersberger war erste Kreisvorsitzende, ehe ein einjähriges Intermezzo durch den Aichacher Rudi Hoffmann folgte. 2014 übernahm Carola Haertel den größten Kreis im Fußballbezirk Schwaben. Am Montagabend wurde die 51-jährige Friedbergerin beim Kreistag in der Neusässer Stadthalle mit einer Gegenstimme in ihrem Amt bestätigt. Die Mutter von zwei fußballbegeisterten Buben bleibt somit auch in den nächsten vier Jahren Chefin der 211 Fußballklubs zwischen Neuburg und Schwabmünchen.

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Auch Haertels alte und neue Kollegen des Kreisausschusses ("Wir sind ein wunderbares Team"/Haertel) wurden mit überwältigender Mehrheit von den 321 Delegierten der anwesenden 133 Vereinen in ihren Ämtern bestätigt oder neu gewählt. Reinhold Mießl, der noch bis zum Bezirkstag am 3. März in Neusäß die beiden Bezirksligen kommissarisch leitet, kehrt als Spielleiter in den Kreis zurück. Der 62-jährige Neusässer übernahm im vergangenen Sommer die Amtsgeschäfte von Johann Wagner, der seit dem Rücktritt von Volker Wedel Chef der schwäbischen Fußballer ist. In der neuen Legislaturperiode wird es ein neues Gesicht im Kreisausschuss geben. Sebastian Eisenhut, 34, aus Merching ist anstelle von Michelle Kois der künftige Kreis-Frauen- und Mädchenbeauftragte.
Haertel freute sich über das deutliche Votum ihrer Vereine. "Gemeinsam mit meinen Mitstreitern im Kreisausschuss werde ich alles daran setzen, die Herausforderungen, die in den kommenden vier Jahren auf uns warten, zu meistern", erklärte sie.
Der Amateurfußball stehe derzeit vor enormen Herausforderungen, lautete eine der Kernbotschaften in der Grundsatzrede von Dr. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) und 1. DFB-Vizepräsident. Eine davon, so der Poinger, sei die immer weiter voranschreitende Kommerzialisierung des Profibereichs. Von den 222 Millionen Euro, die Paris Saint Germain für den Brasilianer Neymar bezahlte, könne sich ein bayerischer Amateurverein rund 400 000 Trikotsätze kaufen, zeigt Koch auf. "Ein Kontrast, der nicht jedem leicht zu vermitteln ist", sagt der Chef der 1,5 Millionen Kicker des Freistaats.
In Deutschland bildeten jedoch Profi- und Amateurfußball eine Einheit, führte Koch aus. "Ohne die Talente von der Basis ist kein Spitzenfußball möglich", sagt der 59-Jährige, "umgekehrt bekommen die Amateure bedeutende Unterstützungsleistungen aus dem Profibereich." In den vergangenen fünf Jahren hätte sich die Zahlung der Profis an die Amateure verdoppelt. So seien niedrigere Gebühren für die Vereine garantiert, die aber, eine Zustimmung des Verbandstags Anfang Mai vorausgesetzt, in der kommenden Legislaturperiode monatlich zehn Euro mehr zahlen müssen. Der jährliche Mehrbedarf des BFV (19 Millionen Euro Gesamtbudget in 2017) in Höhe von 1,5 Millionen Euro für verschiedene Projekte (u.a. umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen an der Verbandszentrale in München sowie der Sportschule in Oberhaching) soll künftig zu einem Drittel von den 4600 bayerischen Klubs gestemmt werden (wir berichteten). Die anderen zwei Drittel sollen vom BFV selbst erbracht sowie über die Gebührenanpassung bei den Trainerlizenzen erwirtschaftet werden. Dieses Finanzierungskonzept haben in den letzten Monaten auch 35 Vereinsvertreter aus allen bayerischen Regionen mit ausgearbeitet. Bei diesen Treffen hat der Verband seine Finanzen sehr transparent dargestellt.
Ein Kostenpunkt ist eine neue, zusätzliche IT, obwohl die BFV-Onlinewelt deutschlandweit führend ist. Die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft macht in den zurückliegenden Jahren auch vor dem Amateurfußball nicht halt. Nicht umsonst lautet das treffende BFV-Motto in diesem Wahljahr: "Den Ball ins Netz!" Seit 2014 wurden fast 80 000 Spiele live getickert, die BFV-App wurde inzwischen auf 400 000 Smartphones installiert - und das vom Anspielpunkt aus direkt erzielte Tor des Ingolstädters Albano Gashi bei der Regionalligapartie in Pipinsried wurde im Internet über 100 000 Mal angeklickt. "Viele Vereine haben durch Internet und soziale Medien erkannt, wie der Fußball 2018 läuft. Sie bieten dem Amateurfußball enorme Chancen, sein Image weiter zu verbessern und noch attraktiver zu gestalten", betont Koch bei seiner bereits 19. Veranstaltung in diesem Wahljahr. Im Vorfeld des Verbandstags besucht er wieder alle 22 Kreis- und sieben Bezirkstage.
Der rückläufige Zuschauerzuspruch auf den Amateurplätzen führt Koch ("Die Zahlen werden nicht mehr zunehmen") weniger auf die Flut an TV-Übertragungen zurück als vielmehr auf die "Veränderungen im täglichen Leben". Einzelne Spiele, etwa Derbys, sollten von den Vereinen besonders beworben werden. Dazu zählen für ihn die Relegationsspiele. "Außerhalb der Bundesliga sind sie das Flutlicht für den Amateurfußball", so Koch. 245 000 Besucher verfolgten 2017 die Entscheidungsspiele. "Ich setze mich für einen Ausbau der Relegation ein", sagt er. Auf Verbandsebene finden seit der Reform 2012 Hin- und Rückspiele statt, die Bezirke und Kreise entscheiden selbst, wie sie ihre Relegation abhalten. In Schwaben wird man auch künftig Entscheidungsspiele auf neutralem Platz austragen. Dennoch prognostiziert Koch dem Amateurfußball eine gute Zukunft. "Unser Plus ist es, dass Fußball die attraktivste Sportart ist", so Koch. Fast 80 000 Spiele wurden bislang live getickert

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 12.08.2018 03:33 Uhr




 

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