Fußball    

Eine Aktion entscheidet - FCP siegt bei Jahn 2 1:0

Regensburg - Es lief die Nachspielzeit im alten Regensburger Post-Stadion. Der FC Pipinsried lag durch einen Treffer von Atdhedon Lushi seit der 45. Minute in Front. Die Nachwuchs-Profis des SSV Jahn Regensburg 2 setzten alles daran, dem Aufstiegsaspiranten doch noch einen Punkt abzuknöpfen. Und der FCP wackelte bedenklich. Einen Freistoß der Oberpfälzer hatten die Pipinsrieder gerade überstanden, es folgte ein zweiter, 35 Meter halbrechts vor Reichlmayrs Kasten. Pavel Panafidin schnippte das Leder in den FCP-Strafraum, Chaos, Sebastian Semmler zog volley aus 14 Metern ab, es krachte, die Querlatte wackelte.

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Gleich darauf pfiff Referee Andreas Weichert die Partie ab. Das Glück war in der Nachspielzeit auf Seiten der Pipinsrieder - wie schon wenige Tage zuvor im Duell gegen den SV Heimstetten (2:1).
Doch FCP-Spielertrainer Fabian Hürzeler wollte hinterher von "Glück" nichts hören: "Das war die einzige Chance des Gegners aus dem Spiel heraus. Wir hätten den Sack schon viel früher zumachen müssen." Mit der zweiten Aussage hatte der Pipinsrieder Vorturner recht, mit der ersten nicht.
Eine einzige Aktion hatte den Vergleich zwischen dem Bayernliga-Dritten und dem Profi-Nachwuchs entschieden: Hürzeler und Arik schubsten sich das Spielgerät kurz vor der Pause im Jahn-Strafraum zu, gleich mehrfach und verwirrend schnell. Dann ein Hürzeler-Heber zum links lauernden Lushi. Der nahm das Leder elegant aus der Luft und zwirbelte es mit dem rechten Außenrist durch die Arme des 19-jährigen SSV-Schlussmanns Alexander Weidinger in die Maschen (0:1, 45.).
Es war nicht einzige Torgelegenheit der Gelb-Blauen in der ersten Spielhälfte: Lushi hätte schon nach fünf Minuten einnetzen können: 14 Minuten später legte der Torjäger für den lauernden Ünal Tosun auf - doch Weidinger bekam erneut eines seiner langen Gliedmaßen dazwischen. Eine Minute später legte der überaus starke Arbnor Segashi seinem Kapitän Thomas Berger einen Flankenball gefühlvoll auf den Kopf - doch wieder riss der Jahn-Keeper die Arme rechtzeitig hoch. Diese Szenen meinte Hürzeler mit "Sack zumachen." Dass Jahn-Stürmer Kaan Aygün eine Flanke von Timo Spennesberger fast über die Torlinie gedrückt hatte (15.), vergaß der FCP-Vorturner indes. Ebenso, dass Zillner ein Solo auf der rechten Seite mit einem präzisen Pass auf seinen Mittelstürmer Andreas Jünger abschließen konnte (der aber von der FCP-Abwehr abgedrängt wurde, 38.). Mehr noch: Zwischen der 20. und 45. Minute hatten die Pipinsrieder keine einzige nennenswerte Offensivaktion zu verzeichnen.
Der Grund: Das dichte Defensiv-Netz, das die jungen Jahn-Akteure vor ihrem Sechzehner gesponnen hatten. Ganz hinten standen meist fünf Mannen in einer Reihe (manchmal auch nur vier, offensiv nur drei). Einer davon heißt übrigens Kilian Seitle und ist der Enkel der Eulenrieder Lauflegende Albert Walter (MTV Ingolstadt), der das Geschehen von der Tribüne verfolgte - Seitle agierte defensiv fehlerfrei, offensiv hielt er sich zurück.
Davor bildeten seine restlichen fünf Kollegen eine Art Ziehharmonika. Beeindruckend außerdem: das blitzschnelle Umschaltspiel der Jahn-Junioren.
In der zweiten Hälfte das gleiche Bild. Die Pipinsrieder mit mehr Ballbesitz, die Regensburger aber immer gefährlich. Ihre beste Situation: Ein 22-Meter-Schuss des 19-jährigen Johannes Stingl, der im Außennetz hängen blieb (57.).
Auf der anderen Seite war deutlich mehr los, sehr oft eingeleitet von Segashi auf der linken Seite. So legte er erst für Lushi auf (50., aber abseits), dann für Berger (60., Jahn-Fußspitze dazwischen). Philip Grahammer brachte in der Schlussphase neuen Schwung: Doch weder Almir Hasanovic (für Lushi, 83.) noch Berger konnten den Ball verwerten (85.). Auch ein rasantes Solo von Andreas Liebsch verstolperte Hasanovic (88.). Dann brach die rasante Schlussphase an.
Ein Wort zur Spielstätte: Das alte Post-Stadion präsentierte sich wie eine Vorkriegsruine, die hygienischen Zustände im Inneren würden bei jeder Gaststätte zur sofortigen Schließung führen. Man kann mit den talentierten Jahn-Junioren nur Mitleid haben, dass sie an einem solchen Ort ihr Können präsentieren müssen. Von der traurigen Kulisse von 42 Zuschauern - davon mehr als die Hälfte Pipinsrieder - ganz zu schweigen.
SSV Jahn Regensburg 2: Weidinger - Panafidin (88. Semmler), Hoch (34. Zillner), Wolf, Seitle, Zitzelsberger - Spennesberger (63. Sabljo), Stingl, Kalteis - Jünger, Aygün.
FC Pipinsried: Reichlmayr - Liebsch, Achatz, Krammel, Segashi - Hürzeler, Mitterhuber (67. Grahammer) - Berger, Tosun (73. Herzig), Arik - Lushi (82. Hasanovic).
Tor: 0:1 Lushi (45.) - SR: Weichert (Waldtrudering) - Z: 42 - Gelb: Zitzelsberger, Hoch - BV: Jahn-Co-Trainer Martin Reißer musste den Innenraum verlassen, weil er seine Kritik an einer Schiedsrichter-Entscheidung zu lautstark geäußert hatte (88.).

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 24.10.2017 03:33 Uhr




 

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