Inchenhofen    

Für St. Leonhard tun sie alles

Inchenhofen – Hobby kann man Hans Schweizers Engagement für den Inchenhofener Leonhardiritt, den wohl ältesten überhaupt, eigentlich nicht mehr nennen. Manchmal weiß der 50-Jährige, der im Bauhof der Gemeinde arbeitet, selbst schon kaum noch genau, wann seine berufliche Tätigkeit endet und die „Freizeitbeschäftigung“ beginnt. In den Bauhofhallen warten derzeit die Festwagen auf ihren Einsatz.

<p>Für St. Leonhard tun sie alles </p>

Schon als Ministrant gehörte der Leonhardiritt für Hans Schweizer zum Jahresablauf wie Weihnachten oder Ostern. Damals schaukelte er noch selbst als Darsteller durch den Ort und deshalb weiß er genau, wie anstrengend es ist, so lange unbeweglich auf einem Festwagen auszuharren. „Ganz g?starrig“ sei man manchmal abgestiegen, nach den traditionellen drei Runden um die Kirche, erzählt er. Und wenn es dann noch recht kalt und greißlig war…

Inzwischen ist Hans Schweizer Hauptorganisator des Leonhardiritts und kann deshalb schon aus Zeitgründen nicht mehr als Darsteller mitfahren. „Ohne die Unterstützung meiner Familie könnte ich es nicht machen“, sagt er dankbar. Denn es steckt viel Mühe in den liebevollen Details, um die sich außer ihm noch einige andere Männer und etwa 20 Frauen kümmern. Auch wer selbst kein Darsteller ist, so wie Michael Alber, wird gebraucht. Der 80-Jährige ist mit ganzem Herzen dabei und hilft seit 1948, die Wagen zu schmücken – doch noch nie stand er selbst oben.

Hier wird ausgebessert, dort aufgebaut: Am heutigen Dienstag binden die Frauen die Girlanden, am Mittwoch werden diese und die Tücher an den Wagen befestigt, am Donnerstag staffiert man die Gefährte, die Landwirte der Umgebung zur Verfügung stellen, mit Kies oder Gras aus, am Freitag legt man die Teppiche drauf. Der Wagen, der die Taufe des heiligen Leonhards zeigt, hat eine neue Rückwand erhalten. Die Malereien stammen teils von dem Aichacher Maler Mayr, teils von Josef Friedl. Das massive, große weiße Holzpferd, weiß Schweizer, stiftete der Gasthof Voglbräu noch vor dem Krieg. Auch wenn einige „Kulissen“ im Bauhof lagern und man Jahr für Jahr ein wenig mit den Motiven abwechselt, manche Wagen gehören einfach immer dazu. Sie zeigen Stationen aus dem Leben des großen Nothelfers, die Taufe und die Verleihung der Bischofswürde beispielsweise, und natürlich darf die Wallfahrtskirche selbst nicht fehlen.

Ehrengast wird heuer Regierungspräsident Karl Michael Scheufele sein. Er fährt mit Bürgermeister Karl Metzger in der zweiten Kutsche. In der ersten sollen Weihbischof Josef Grünwald und Dekan Johannes Schmidt Platz nehmen. Erwartet werden zudem Landtagsabgeordneter Reinhard Pachner, Landrat Christian Knauer und Bundestagsabgeordneter Ulrich Lange. Der Inchenhofener Pfarrer Stefan Gast wird hoch zu Ross teilnehmen.

60 Frauen, Männer und Kinder fungieren als Darsteller auf den 13 Motivwagen, der Trachtenverein Pöttmes schickt 60 Mitglieder und zeigt mit dem Wallfahrerwagen, wie es früher war, wenn man nach Inchenhofen pilgerte. Neu ist der zwölfte Festwagen, der an den Zisterzienser St. Bernhard von Clairvaux erinnert. Diesem ist der rechte Choraltar in der Wallfahrtskirche gewidmet. Bis ins 19. Jahrhundert betreuten Zisterzienser-Mönche vom Kloster Fürstenfeldbruck die Inchenhofener Wallfahrt.

Trotz der derzeit akuten Pferdeseuche EIA (infektiöse Anämie, wir berichteten) hat Hans Schweizer noch von keinem Pferdebesitzer eine Absage erhalten. Man schätze das Ansteckungsrisiko als gering ein, zumal es keine Stechmücken mehr gebe.

Am Vorabend des Leonhardiritts, der am Sonntag, 7. November, gegen 13.30 Uhr startet und wieder viele tausend Menschen in den Markt locken wird, findet eine Lichterprozession statt. Nach der Messe, die um 19 Uhr beginnt, zieht man feierlich zum Friedhof. Die Bürger haben ihre Fenster traditionell mit roten Lichtern versehen, auch auf den Gräbern brennen Kerzen. „Das ist eine ganz besonders schöne Stimmung“, freut sich Hans Schweizer schon auf den Samstag.

<p>Für St. Leonhard tun sie alles </p>


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Veröffentlicht am 01.11.2010 17:46 Uhr




 

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