Hilgertshausen    

Sonnenenergie statt Schutt

Hilgertshausen (osj) Die Errichtung eines Solarparks im Gemeindeteil Unterdinkelhof setzt die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes voraus. Der Gemeinderat von Hilgertshausen-Tandern hat in seiner jüngsten Sitzung die Anregungen aus der frühzeitigen Bürger-und Behördenbeteiligung behandelt. Hier hat sich herausgestellt, dass sowohl Privatpersonen als auch Träger öffentlicher Belange Bedenken gegen die Freiflächenfotovoltaikanlage auf dem Gelände der ehemaligen Bauschuttdeponie äußern.

<p>Sonnenenergie statt Schutt </p>

Der Gemeinderat aber möchte dennoch zusammen mit der Energiebauern-GmbH aus Sielenbach und der Fink Recycling GmbH in Dachau auf insgesamt 32 000 Quadratmetern diesen Solarpark schnellstmöglich errichten. 8100 Quadratmeter groß ist die Fläche, die im Besitz der Gemeinde ist. Weitere 3500 Quadratmeter der ehemaligen Deponiefläche gehören einem Privatmann, der bereit sei, an die noch zu gründende Betreiber-Gesellschaft zu verpachten.

Ein mit acht Unterschriften versehenes Fax des Oberdorfer Bauernverbands-Ortsobmann Gerhard Eidelsburger zeigt auf, dass es Bürger gibt, die das Vorhaben ablehnen. „Wir sind nicht damit einverstanden, dass in geringem Abstand vom Wohnhaus Unterdinkelhof 1 ein großer Solarpark mit einer Vielzahl von Solarpanelen entsteht. Diese geradezu industrielle Anlage beeinträchtigt die Wohnqualität und den Wert unserer Immobilien ganz erheblich. Diese Anlage ist ein völliger Fremdkörper im Landschaftsbild und bewirkt gewissermaßen eine Zersiedelung der Landschaft“, heißt es in dem Schreiben von Eidelsburger.

Im Abwägungsprozess kam der Gemeinderat aber zu dem Schluss, dass von Beeinträchtigung der Wohnqualität nicht die Rede sein könne. Gerade im Vergleich zur bisherigen Nutzung als Bauschuttdeponie mit der Entwicklung von Lärm und Staub stelle die künftige Nutzung als Freiflächenfotovoltaikanlage eine deutliche Verbesserung der Wohnqualität dar. Strom für 300 bis 400 Haushalte soll hier produziert werden. Die von der Anlage ausgehenden Einwirkungen auf das Landschaftsbild werden vom Gemeinderat als erträglich erachtet. Aus Sicht der Höheren Landesplanungsbehörde wird der vorgesehene Standort als unproblematisch erachtet. Die Regierung von Oberbayern hat dennoch vorgeschlagen, mit dem Bebauungsplan Baurecht auf Zeit zu schaffen und den Rückbau der Anlage sicherzustellen. Damit hat die Gemeinde kein Problem, denn es ist ohnehin vorgesehen, die Nutzung auf 30 Jahre zu beschränken.

Es besteht die Möglichkeit, Gebäude für die technische Infrastruktur in abgesenkter Lage zu platzieren. Der Gemeinderat weist in seinem Abwägungsbeschluss darauf hin, dass Gebäude ohnehin nur maximal vier Meter hoch werden dürfen. Die Dächer seien als Flachdach auszuführen.

Das Landratsamt Dachau regte an, bei der Standortuntersuchung die Orte Oberdorf, Gartelsried und Thalmannsdorf nicht von vorne heraus auszuschließen. „Aufgrund der bewegten Topografie, der Einsehbarkeit und ökologischen Vorbehaltsflächen führt aber die Betrachtung der genannten Orte auch zu keinem anderen Ergebnis“, kontert der Gemeinderat. Aus Sicht des Umweltschutzes schreibt das Landratsamt, dass möglicherweise eine Endabdichtung des Deponiegeländes erforderlich sei, welche die mineralische Dichtung, eine Drainschicht und die abschließende Rekultivierungsschicht umfasst. „Grundsätzlich herzustellen ist allerdings eine geneigte Fläche mit einem Gefälle von fünf Prozent, die den Oberflächenabfluss weitgehend sicherstellt“, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamtes.

32 000 Quadratmeter große Fläche

Ob später noch Maßnahmen zur Sanierung wie die Errichtung von Drainageleitungen oder das Aufnehmen und Reinigen des Grundwassers nötig sein werden, lässt sich noch nicht absehen. Im Gemeinderat ist man davon überzeugt, dass zunächst die Abdeckung der als Sondergebiet in Frage kommenden Fläche mit einer 40 Zentimeter dicken Funktionsschicht bei einem Gefälle von fünf Prozent ausreicht. Auf dieser künftigen Modulfläche soll Magerrasen entwickelt werden.

Das Wasserwirtschaftsamt München macht kein Hehl daraus, dass das Landesamt für Umwelt die Situation an der Bauschuttdeponie Unterdinkelhof durchaus kritisch sieht. Nach Auffassung dieser Behörde sei bei Deponien, die keine Basisdichtung aufweisen, eine Oberflächenabdichtung mit Dichtungsschicht, Drainschicht und Mutterbodenauftrag erforderlich. Diese müsse zumindest nach Ablauf der Nutzungsdauer als Fotovoltaikanlage hergestellt werden. Auf weitere Rekultivierungsmaßnahmen nach Ablauf der zeitlichen Befristung als Solarpark stellt sich der Gemeinderat ein.

Unbekannt ist zudem, ob die Zauneidechse an der Stelle noch heimisch ist. Landschaftsplaner Hans Brugger will deren Entfaltungsmöglichkeiten auch nicht schmälern. Die Gesamtfläche soll sich zu einem Magerstandort entwickeln. In den Randbereichen können durch das Einbringen von Steinhaufen und Totholz, so glaubt Brugger jedenfalls, die besonderen Lebensraumansprüche für die Zauneidechse durchaus herstellen lassen. Die zweite Auslegung der Planung erfolgt schon in den nächsten Wochen.



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Veröffentlicht am 25.03.2011 15:55 Uhr




 

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