Altomünster    

Liebesduett mit dem Publikum

Altomünster - Sie kenne "kein schöneres Gefühl, als ein ganzes Publikum befriedigt zu haben", gestand die 18-jährige Clara Wieck im Jahre 1838 nach ihren triumphalen Konzerterfolgen in der damaligen Weltmusikhauptstadt Wien. Ähnlich mag es den sieben jungen Sängerinnen und Sängern am Freitagabend in Altomünster gegangen sein: Das 140-köpfige Publikum beklatschte sie begeistert nach dem letzten Stück des Eröffnungskonzerts des Europäischen Musikworkshops Altomünster (Eumwa). Es wurde heuer im Evangelischen Gemeindezentrum der Marktgemeinde zelebriert, weil der bisherige Austragungsort, der stimmungsvolle Barocksaal des Klosters Indersdorf, derzeit renoviert wird.

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Mindestens ebenso hoch erfreut wie die Gesangskünstler: die beiden musikalischen Mentoren des Abends, Eumwa-Gründer Markus Kreul, der die Vortragenden am Flügel sensibel begleitet hatte, und Prof. Robert Wortig, Gesangsdozent am Augsburger Leopold-Mozart-Zentrum, sowie die zwei Schauspiel-Profis Heidrun Gärtner und Daniel Friedrich, beide bestens bekannt aus diversen TV-Rollen.
Am 13. September wird die Musikwelt den 200. Geburtstag Clara Schumanns, geborene Wieck (1819 - 1896), feiern. "Wir sind vermutlich die ersten Gratulanten", leitete Kreul den Abend ein. Sein Geburtstagsgeschenk: ein literarisch-musikalischer Abend, bei dem er einige der Liebesbriefe der jungen Clara und ihres späteren Ehemanns Robert Schumann (1810 - 1856) mit einem Dutzend Lieder der beiden verwob und dem Publikum eine Bedeutungsebene anbot, die zur Identifikation einlud.
Das Eröffnungsstück des Abends, das berühmte "Du bist wie eine Blume" aus dem Myrthen-Zyklus Op. 25 mit dem Text von Heinrich Heine, sprach noch ganz für sich: Wortigs weicher Tenor entführte das Auditorium in einen Raum jenseits der schnöden Gegenwart (in der das deutsche Handball-Team vergebens um den WM-Finaleinzug kämpfte). Ein Brief Claras Wiecks aus dem Erfolgsjahr 1838 verortete die Anwesenden in den Liebeskampf, den die damals 18-Jährige mit ihrem gestrengen Übervater Friedrich Wieck und ihrem nicht minder launischen Bräutigam Robert Schumann ausfocht: "Ach, mein Gott, was muss der Mensch nicht erdulden um der Liebe willen! Frei wollen wir sein, einsam sind wir nicht, haben wir doch uns, uns!" Schumanns "Die Lotosblume" (ein weiteres Heine-Gedicht aus den "Myrthen) bebilderte Claras Klage. Wortig gab dabei den empathischen Leidensinterpreteten.
Die beiden Liebenden korrespondierten zu diesem Zeitpunkt schon seit rund acht Jahren. Heidrun Gärtner und Daniel Friedrich gelang es verblüffend gut, den neckischen Ton zu treffen, der zwischen der 13-jährigen Clara und ihrem neun Jahre älteren Verehrer herrschte.
Das Schlusslied "So wahr die Sonne scheinet" (Op.101, Nr. 8, ein Rückert-Gedicht) wirkte wie eine Hommage an Clara Schumann - nicht zuletzt, weil es von einem inspirierten Quartett (Pany, Firlus, Sauer sowie der Altistin Melanie Gleissner) aufgeführt wurde; der Rahmen eines konventionellen Liebesduetts wurde so transzendiert, das Publikum mit einbezogen. Es dankte mit Ovationen.

Von Horst Kramer Den ganzen Text lesen Sie in der Montagsausgabe der Aichacher Zeitung.


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Veröffentlicht am 27.01.2019 23:00 Uhr




 

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