Aindling    

"Die Kuh riecht, wie der Bauer aufgelegt ist"

Gaulzhofen - Der Hof ist aufgeräumt, das Wohnhaus stilecht, unterm Scheunen-Vordach stehen zwei große Schlepper und aus der offenen Stalltür schaut neugierig das Jungvieh heraus. Auf den ersten Blick ist Peter Reich aus Gaulzhofen kein kleiner Bauer, auf den zweiten auch nicht.

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Die Größe braucht der 50-Jährige, damit er seine Familie ernähren kann. Er ist kein Teilzeitbauer, der tagsüber in die Firma geht und abends den Hof bewirtschaftet. Er ist hauptberuflich Landwirt, noch einer der wenigen. Der Hof ist Lebensgrundlage für ihn, seine Frau Conny (44), die Töchter Emma (16) und Luisa (14). Die Reichs sind ein Paradebeispiel einer intakten Bauernfamilie und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Der Maschinenring Deutschland wirbt mit ihnen bundesweit. Auf allen landwirtschaftlichen Messen ist die Familie vertreten. Von einem mächtigen Plakat, das an der Scheunenwand hängt, strahlen Peter, Conny, Emma und Luisa auf das Hofgeschehen herunter. Darauf ist auch der Maschinenring Aichach-Friedberg stolz, selbstverständlich auch Peter Reich.
50 Hektar plus Wald bewirtschaftet die Familie. Im Stall stehen ständig etwa um die 50 Milchkühe. Mit der Nachzucht wollen jeden Tag an die 130 Tiere versorgt werden. Ein hartes Stück Arbeit, über die Peter Reich nicht klagt, sieben Tage die Woche. Er weiß, ohne die Hilfe seiner Frau und seiner Töchter, die kräftig mit anpacken und Gummistiefel anziehen, obwohl es manchmal lieber Stöckelschuhe sein sollten, wäre das nicht möglich. "Bauer ist kein Beruf, sondern eine Berufung", sagt der 50-Jährige. Kein Zweifel, er ist mit Leib und Seele Bauer, er liebt es. Und er ist sich im Klaren, wem er das zu verdanken hat. Seinem Vater, der 1966 den ersten Laufstall in der Gegend baute und damit den Grundstein für Sohn Peter legte. "Er leistete Pionierarbeit auf diesem Gebiet", ist der heutige Volllandwirt dankbar.
Das war nicht immer so. Peter Reich studierte zwar an der Universität Weihenstephan Agrarwissenschaften, hatte aber keinen eigenen Hof. Sein älterer Bruder sollte ihn übernehmen. So arbeitete Peter Reich zunächst als Programmierer im niederbayerischen Pfarrkirchen. Zum Glück, muss man im Nachhinein sagen, denn dort lernte er seine Frau Conny kennen. Sein Bruder überlegte es sich plötzlich anders, "und ich wurde gefragt", lacht Peter Reich. Mit 30 Jahren, 1998, wurde er der neue Bauer. "Ich habe es noch nie bereut", blickt er zurück.
Seit Robert Redford als "Pferdeflüsterer" weltweit Karriere machte, hat sich die Einstellung zu den Tieren, zumindest bei einigen Leuten, positiv geändert. Der Maschinenring Aichach-Friedberg bietet zum Beispiel das eintägige Seminar "Kuhflüsterer" an. Mit großem Erfolg übrigens. Peter Reich, er ist Zweiter Vorsitzender, war sofort dabei. "Das ist hochinteressant." Tierarztkosten spart er sich aber nicht. "Das hat damit wenig zu tun." Mit was es zu tun hat, erklärt Peter Reich. "Es geht um den Umgang mit Tieren. Was hört die Kuh, was sieht die Kuh?" Das Verhalten der Kühe soll besser verstanden werden. Dadurch werden die Tiere ruhiger. "Es riecht die Kuh, wie der Bauer aufgelegt ist, wenn er in den Stall kommt", ist der Landwirt überzeugt. Das gilt freilich auch umgekehrt. "Der Bauer fühlt, wie die Kuh drauf ist, ob sie etwas kränkelt oder rindert." Wenn die Kuh einen "Stressschiss" hinlegt, kann das mitunter hektisch im ganzen Stall werden. "Die anderen Kühe riechen das und geben den Stress weiter", weiß der ausgebildete "Kuhflüsterer" und erklärt: "Es ist sinnvoll, wenn man das Verhalten der Tiere in Erfahrung bringt und seinen Umgang mit ihnen anpasst."
Von Alfred Haas
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Veröffentlicht am 04.10.2018 15:48 Uhr




 

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