Aichach    

"Ich kann das nicht hinter mir lassen"

Lombok/Aichach - Die indonesische Insel Lombok kommt nicht zur Ruhe: Gestern ereignete sich das vierte schwere Beben innerhalb weniger Tage und mittendrin die 22-jährige Julia Linscheid aus Aichach, die seit Februar die Welt bereist. Auf der Insel Gili Air will sich die leidenschaftliche Taucherin derzeit zum "Dive-Master" ausbilden lassen. Als jedoch vor rund zwei Wochen die Erde erstmals bebte, wollte sie nur noch helfen. Auf der Nachbarinsel Lombok sind Tausende Menschen obdachlos, ihre Häuser nur noch Trümmer. Über eine Kampagne im Internet sammelt die 22-Jährige Geld, um den Menschen vor Ort mit dem Nötigsten zu helfen.

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5000 Euro sind das Ziel der Online-Kampagne auf der Crowdfunding-Seite gofundme.com. Seit vergangenem Sonntag zahlen Menschen aus aller Welt Geld auf ein dort hinterlegtes Konto ein. Über 1000 Euro wurden bereits am nächsten Tag erzielt.
Julia Linscheid ist überwältigt. Per Whatsapp telefonierte sie von der Insel Gili Air aus mit unserer Zeitung. Ebenso vernetzt ist sie über das soziale Netzwerk Instagram.
Sprung.ins.abenteuer nennt sie sich dort, postet Bilder von ihrer Weltreise und zuletzt von der Katastrophe auf der Insel Lombok. Doch auch Lichtblicke teilt sie mit der Community.
Inzwischen steht das Spendenbarometer bei knapp 3000 Euro. Auf einem Foto recken Einwohner der Inseln ein Transparent mit der Aufschrift "Danke" in die Höhe.
"Ich hätte mich schon über 500 Euro enorm gefreut", sagt Julia Linscheid. Doch die vielen Spender bewundern die 22-Jährige und sprechen ihr Lob online offen aus. "Für Julia und ihr großes Herz", schreibt einer von ihnen.
Profilieren will sie sich mit ihrer Aktion nicht. Sie sehe sich als Europäerin in der Verantwortung, den Leuten in Indonesien zu helfen. "Wenn es sein muss, lasse ich mein ganzes Geld da, bis auf die Kosten für einen Flug nach Deutschland", sagt sie. Dort finde sie als gelernte Erzieherin problemlos einen Job.
Auf Lombok ist das anders. Die Insel liegt östlich von Bali, und sie lebt, genauso wie die meisten im Westpazifik, hauptsächlich vom Tourismus. Und der liegt fürs erste auf Eis. "Keiner weiß, wie lange die Inseln für Touristen gesperrt sein werden", meint Linscheid. Doch die Menschen brauchen Geld. Häuser müssen aufgebaut und die Ernährung gesichert werden. Ersten Schätzungen zufolge kamen über 400 Menschen ums Leben. Etwa zehnmal so viele sind verletzt. Sie kommen notdürftig in Zelten unter. Lkw-Planen decken die Notbehausungen ab, in denen häufig über 20 Leute unterkommen.
Das gilt auch für die drei Lombok vorgelagerten Gili-Inseln. Die ganze Katastrophe erlebte Julia Linscheid hautnah. Sie verbrachte zuvor einige Wochen auf Gili Air und Meno. Dort wollte sie einen Tauchschein machen und sich zum sogenannten "Dive-Master" zertifizieren lassen. Am Abend des Erdbebens hatte sie sich noch einmal kurz in ihrem Bungalow schlafen legen wollen.
Zusammen mit Freunden aus der Tauchschule stand der Weg zum Abendessen bevor, als die 22-Jährige jäh aus ihrem kurzen Schlaf gerissen wurde. Die Erde bebte, und geistesgegenwärtig stürmte Julia Linscheid aus dem Gebäude, das danach hinter ihr einstürzte. Sie hätte am ganzen Leib gezittert, als sie den Schaden begutachtet habe. Mit verängstigten Einwohnern blieb sie in einem provisorisch eingerichteten Camp zurück, während Freunde aus der Tauchschule nach dem Rechten sahen. "Wir wussten nicht, ob die Erde noch einmal beben wird", erzählt Linscheid. Auch eine Tsunami-Warnung wurde ausgerufen. Die Welle blieb aus, und am nächsten Morgen reiste die 22-Jährige zusammen mit drei Freunden aus dem Tauch-Center mit einem Boot nach Bangsal auf der Insel Lombok. Ihr Ziel war die Hauptstadt Mataram. "Aber alle Touristen wollten dorthin", sagt Linscheid.

Wer Julia Linscheid dabei helfen möchte, findet ihre Kampagne online unter der Adresse gofund me.com/erdbebenhilfe-lombok. Über 3000 Euro sind schon zusammengekommen

Von Bastian Brummer
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Veröffentlicht am 19.08.2018 23:00 Uhr




 

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