Aichach    

Defekt an Biogasanlage: Tiefbraune Brühe in der Paar

Ried/Aichach - Braun gefärbt und teilweise mit Schaum bedeckt war gestern Vormittag die Paar in Aichach. Ursache dafür war ganz offensichtlich ein Betriebsunfall auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Holzburg bei Ried. Dort traten laut Auskunft des Landratsamtes bereits am Dienstagmorgen aufgrund eines defekten Schiebers an einer Biogasanlage rund 50 Kubikmeter Gärsubstrat aus und gelangten so über den Badegraben in den Eisenbach und anschließend in die Paar. In einem Weiher starben die Fische. Das Wasserwirtschaftsamt empfiehlt, in den nächsten Tagen nicht in der Paar zu baden.

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Zunächst berichtete die Polizei von mehreren Weihern, in denen es tote Fische gebe, später korrigierte das Landratsamt diese Aussage. Alle Weiher in der Umgebung von Ried seien abgefahren worden, lediglich in einem seien tote Tiere festgestellt worden. Laut Behörde war den Betreibern der Biogasanlage am Dienstag gegen 7.30 Uhr der Defekt an der Biogasanlage aufgefallen. Der Landwirt habe prompt reagiert. Er verständigte demnach die zuständigen Behörden und errichtete zwei Schutzwälle, um das weitere Auslaufen zu verhindern. Der Rest des abgehaltenen Substrats werde nun abgebaggert und auf Äckern entsorgt, da es als ideales Düngemittel gelte. Nachdem der Schieber erneuert und die gesamte Anlage gereinigt worden sei, habe die Biogasanlage ihren Betrieb wieder aufgenommen. Eine Rückhalteeinrichtung, die präventiv vor solchen Auslaufunfällen schützen soll, werde in den nächsten Wochen errichtet, kündigte das Amt an. Besonders bitter dabei sei, dass die Teile für diese Volumenrückhaltungen bereits bestellt gewesen seien und in zwei Wochen hätten geliefert werden sollen. "Die Errichtung dieser Wälle war also schon lang geplant", so das Landratsamt.
Der Vorfall geht nun an die Staatsanwaltschaft. Gegen die Betreiber wurde Anzeige wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung erstattet, erklärte die Polizei Friedberg. Anzeige erstattet hat auch Peter Thurner aus Obergriesbach. Er hat die Paar als Fischgewässer von Sulzbach bis nach Dasing gepachtet und ist gelinde gesagt stinksauer. Am Dienstagabend sei er auf dem Weg zum Fischen auf die braune Brühe in der Paar aufmerksam geworden, habe sofort Alarm ausgelöst. Passiert sei letztlich aber nicht viel, die Behörden sind aus seiner Sicht nicht mit der notwendigen Sorgfalt vorgegangen. Allein die Tatsache, dass die Paar 24 Stunden nach dem Auslaufen der Brühe immer noch braun gefärbt war, sei ein Beleg dafür, dass wesentlich mehr als 50 Kubikmeter ausgelaufen seien. "Warum wurde der Bach nicht sofort ausgepumpt? Warum wurden die Unterlieger nicht gewarnt?" Fragen, die Peter Thurner geklärt haben möchte. Nein, tote Fische habe er bisher in der Paar nicht entdeckt, teilte er im Gespräch mit unserer Zeitung mit. Allerdings könne das noch kommen. Gerade Forellen seien derzeit angesichts der hohen Wassertemperaturen geschwächt, so dass die Folgen der Verunreinigung erst noch kommen könnten. Davon abgesehen gehe es in erster Linie um die "Nährtiere" für die Raubfische, die nun in jedem Fall tot seien, womit in der Folge die größeren Fische nichts mehr zu fressen hätten.
Immer wieder gebe es Unfälle an Biogasanlagen, echauffiert sich Peter Thurner, doch noch immer seien die Sicherheitsauflagen für die Betreiber viel zu lasch. Harsche Kritik an den Behörden

Von Robert Edler


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Veröffentlicht am 30.08.2017 23:00 Uhr




 

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