Kirchweihsamstag, 5 Uhr morgens: Bei Familie Märdauer brennt bereits Licht. Wie die anderen fleißigen Bäckerinnen des Heimatvereins Inchenhofen stehen die Märdauers heute früh in der Küche, um bis zum Nachmittag insgesamt mehrere hundert Kiachla, Schmalznudeln und Quarkbällchen zuzubereiten. Für Sylvia Märdauer, Vorsitzende vom Heimatverein, und ihre Mutter Jutta ist das inzwischen Routine zu Kirchweih.
Am frühen Nachmittag treffen sich die Leahader vor der Wallfahrtskirche. Beim Interview mit atv im Glockenturm berichtet Sylvia Märdauer von der Herkunft der Bräuche. Das Schmalzgebäck war früher für Bedienstete eine Anerkennung für die erfolgreich eingeholte Ernte. Der Zweite Vorsitzende des Vereins Ludolf Karletshofer und Bernhard Reißner hängen um 15 Uhr, wenn die Kirchenglocken den Sonntag einläuten, die rot-weiße Kirchweihfahne vom Kirchturm ab. Nach Märdauers Worten erinnern die Farben der Fahne an eine Sage: Der Zöllner Zachäus, dessen Geschichte an Kirchweih im Evangelium erzählt wird, soll sich beim Sprung vom Feigenbaum, von dem er Jesus beobachtet hat, die weiße Hose aufgerissen und dabei geblutet haben. Eine andere Überlieferung berichtet von Zachäus' roter Hose und einem weißen Hemdzipfel, der durch den Riss zum Vorschein gekommen sein soll.
Unten vor dem Kirchenportal versammeln sich immer mehr Besucher, um gegen eine Spende von den zahlreichen Helferinnen frisches Schmalzgebäck und Kaffee zu holen. Auch viele Kinder mit Taschen warten auf das Drei-Uhr-Läuten. Bevor der sehnsüchtig erwartete Guatl-Regen vom Kirchturm herabrieselt, schieben Karletshofer und Reißner die Zachäusfahne zum Turmfenster heraus und rollen sie Stück für Stück aus. Schnell geht es ein paar Etagen tiefer zum untersten Turmfenster. Die Kinder jubeln, als sich das Fenster öffnet und die ersten Süßigkeiten den Weg nach unten finden. Einige Minuten später sind die Taschen der Kinder gut gefüllt und das Fenster schließt sich unter dem Applaus der jungen Besucher.

Der TV-Beitrag zum Aufziehen der Zachäusfahne in Inchenhofen ist am Mittwoch um 18.30 Uhr in der Sendung Heimatzeit auf a.tv und anschließend in der Mediathek zu sehen.