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Spielplatz in Friedberg sorgt für Ärger

Friedberg - Unterhalb des Friedberger Schlosses gibt es einen Abenteuerspielplatz, der sich sehen lassen kann: Er ist quasi ein Abbild der Stadt in Klein. Die Hauptattraktion ist ein acht Meter hoher Holzturm samt Rutschen-Röhre. Zudem gibt es Schaukeln, jede Menge Sand, und größere Kinder können klettern, hangeln und balancieren. Das macht den Spielplatz nicht nur für Friedberger attraktiv. Auch aus dem Umland kommen Besucher.


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Schilder auf dem Friedberger Abenteuerspielplatz fordern die Besucher auf, Rücksicht auf die Anwohner zu nehmen. Nur eine von mehreren Maßnahmen, um die Lage zu beruhigen. Foto: Berndt Herrmann


Die Anwohner haben auf das Spielareal indes einen anderen Blick. Seit über einem Jahr - 2019 wurde die Umgestaltung der alten Anlage fertig - beschweren sie sich über Lärmbelästigung. Dutzende Kinder und Eltern bevölkern den Spielplatz angeblich an schönen Tagen, viele kämen sogar bis aus Augsburg.
In der Folge gab es mehrere Gespräche zwischen Anwohnern und Verwaltung, der bayerische Bürgerbeauftragte versuchte zu vermitteln, der Bauausschuss nahm das Thema noch einmal auf die Tagesordnung. Wie Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) jetzt gegenüber der AICHACHER ZEITUNG erklärte, habe die Stadt nach Lösungen gesucht, den Anwohnern entgegenzukommen.
Auf Anraten von Experten des TÜV wurde die Rutsche gedämmt, sagt Eichmann, sprich: Das metallene Rutschenrohr wurde ummantelt, das sei eine absolute Seltenheit, so der Friedberger Rathauschef. Zudem sei der Spielplatz umfassend bepflanzt worden, es wurden Schilder aufgestellt, die zur Rücksichtnahme auffordern, und die Öffnungszeiten wurden von 21 auf 20 Uhr verkürzt. Und: Unterhalb des Areals wurde ein Zaun mit einem Tor errichtet. Das, erklärt Eichmann weiter, solle verhindern, dass Kinder auf die Straße rennen.
Den Vorwurf, dass der Spielplatz regelmäßig von Dutzenden von Kindern und Eltern frequentiert werde, kann er nicht bestätigen. "Ich gehe oft runter, auch an schönen Tagen." Besonders viele spielende Kinder habe er bisher noch nicht angetroffen.

Den Lärm geplagten Nachbarn  wandten sich nun mit einer Aufsichtsbeschwerde an die Regierung von Schwaben. Diese wiederum hakte bei der Stadt Friedberg nach und bat um nochmalige Überprüfung. Dabei kam heraus: Für die Erweiterung des Spielplatzes hätte es eventuell doch eine Genehmigung gebraucht, die Anlage wurde verfahrensfrei umgesetzt.
Wie der Bayerische Rundfunk vor einigen Tagen berichtete, hätte der Neubau des Spielplatzes nach der Bayerischen Bauordnung genehmigt werden müssen, ergo handle es sich um einen Schwarzbau. Diese Bezeichnung lehnt Roland Eichmann aber strikt ab. Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt er klar: Es sei hier keineswegs bewusst gegen Baurecht verstoßen worden.

Wie es nun weitergeht? In den kommenden zwei Wochen werde das Tiefbauamt einen Bauantrag erarbeiten. Der wird dann bei der städtischen Bauabteilung eingereicht. Noch nicht ganz im Klaren ist sich Roland Eichmann, in welcher Form die Anwohner beteiligt werden sollen: schriftlich, per öffentlicher Bekanntgabe oder persönlich.
Bis zum Abschluss des Genehmigungsverfahrens will die Stadt Friedberg den Spielplatz übrigens weiter nutzen. 

Von Thomas Winter



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Veröffentlicht am 29.07.2021 16:56 Uhr