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Pionierarbeit auf dem Feld

Haimhausen - Andreas und Thomas Knab aus Haimhausen wagen sich als Landwirte regelmäßig an Neues und lassen sich davon auch nicht von Rückschlägen abbringen. So gibt es nun nicht nur, wie bereits berichtet, Quinoa aus dem Dachauer Land, sondern seit neuestem auch Reis. Nach vier Versuchsjahren ist es den Brüdern Knab heuer gelungen, ihn das erste Mal erfolgreich in Haimhausen zu kultivieren.


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Die Landwirte Andreas und Thomas Knab (von links) auf ihrem Reisfeld in Haimhausen. Ende Oktober konnte sie das erste Mal ernten. Sie haben Geduld bewiesen und sich von Fehlversuchen nicht von ihrem Vorhaben abbringen lassen. Foto: privat


Die große Herausforderung dabei: "Es gibt keinen Anhaltspunkt", erklärt Andreas Knab in Bezug auf das Vorgehen. Denn Reis wird so gut wie gar nicht in Deutschland angebaut.
782 Millionen Tonnen Reis wurden 2018 produziert. Der größte Produzent in Europa ist Italien, auch in Spanien wird angebaut. Die Hauptanbaugebiete liegen aber in Südostasien. Und die Methode ist in 80 Prozent der Nassreisanbau. Der Wasserverbrauch dabei ist immens: Pro Kilogramm Reis werden zwischen 3000 und 5000 Liter benötigt.
Da es in Deutschland keine natürlichen Sumpfgebiete gibt, gilt sein Anbau hierzulande als nicht konkurrenzfähig. Die Haimhausener Brüder haben es trotzdem versucht. "Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist eine Überflutung wie sie aus dem asiatischen Raum bekannt ist, auf unseren Feldern nicht notwendig", erklären die experimentierfreudigen Landwirte auf ihrer Homepage. Im asiatischen Raum diene die Überflutung hauptsächlich der Unkrautbekämpfung, da Reis im Gegensatz zu Unkraut im Wasser sehr gut gedeihen könne. "Wir hingegen bekämpfen das Unkraut auf unseren Feldern durch den Einsatz von Striegel und Hacke", erläutern die Haimhausener.
Reis ist für knapp die Hälfte der Weltbevölkerung das wichtigste Grundnahrungsmittel. Auch in Deutschland steht er regelmäßig auf dem Speiseplan: Der durchschnittliche jährliche Konsum pro Person liegt hierzulande bei über fünf Kilogramm. Es lohnt sich also, in diesem Bereich Pionierarbeit zu betreiben - in erster Linie im Sinne der Nachhaltigkeit.
Allerdings muss man Geduld beweisen, wie Andreas und Thomas Knab wissen. Im vergangenen Jahr hatten sie drei Hektar angesät - doch der Reis ist nicht reif geworden. Ein erneuter Versuch heuer, bei dem die Brüder wieder die Rahmenbedingungen der Kultivierung geändert haben, hat nun endlich Ertrag gebracht, Ende Oktober wurde geerntet. Wie viel Reis tatsächlich in den Verkauf gehen kann, ist laut Andreas Knab bisher noch schwer zu sagen. Generell sei mit rund 40 Prozent Bruchkorn zu rechnen.
Auch die Weiterverarbeitung von Reis ist aufwändig: Nach der Ernte muss das Korn getrocknet, gereinigt, geschält, poliert und dann erneut gereinigt werden.
Beim Reis von den Knabs handelt es sich um Mittelkorn. Er ist als Beilage, aber auch für Risotto oder Sushi geeignet. Die Landwirte arbeiten derzeit an der Züchtung eigener Sorten, was sich allerdings Jahrzehnte lang hinziehen könne, wie Andreas Knab erklärt.
Mit dem Reis entstand auch eine neue Marke: Als "Dein Regiokorn" werden die Kornprodukte - Reis, Quinoa und Saatgut - aus Haimhausen fortan vertrieben. Vom "Obsthof Knab" als zweite Marke gibt es weiterhin Erdbeeren, Kürbisse, Kirschen und Spargel.
Wer rastet, der rostet, scheint das Motto der Haimhausener zu sein - ein neues landwirtschaftliches Projekt von ihnen steht schon in den Startlöchern: Sie haben Wintermohn angesät, der im Idealfall kommenden Sommer geerntet werden kann. nay



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Veröffentlicht am 30.11.2020 17:06 Uhr