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Kuschelsocke auf dem Teller und Jacke am Meeresgrund

Friedberg - "Am Ende hat man seine Kuschelsocken auf dem Teller." Eine rosa gepunktete, flauschige Socke hübsch angerichtet im Suppenteller. Kein sehr realistisches Bild, möchte man meinen. Doch, weiß die 16-jährige Leonie Prillwitz aus Friedberg. Mikroplastik ist das Stichwort. Sie hat einen Mikrofilter für Waschmaschinen entwickelt, der das Plastik aussiebt. Gestern wurden sie und ihre Schwester Zoë Prillwitz sowie ihre Freundin Aurélie Zimmermann für ihr Gesamtprojekt "Mikroplastik - Gefahr aus dem Haushalt?!" mit dem Deutschen Engagementpreis 2019 in Berlin ausgezeichnet. Sie waren in der Kategorie "Leben bewahren" nominiert und konnten mit ihren Ideen für einen effektiven Umweltschutz überzeugen.


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Leonie Prillwitz zeigt stolz ihren selbst entwickelten Filter für die Waschmaschine. Er fängt Mikrofasern auf, die die Umwelt verschmutzen. Fotos: Carla Holz


Die Gymnasiastin beschäftigt sich seit etwa zwei Jahren mit der Umweltverschmutzung durch Mikroplastik. Teil des Problems sei die heimische Waschmaschine. Wie Prillwitz erklärt, befindet sich in unseren Hosen, Jacken und auch Kuschelsocken eine Menge Plastik. Stoffe wie Polyester oder Nylon dürften vielen ein Begriff sein. Diese Plastikanteile lösen sich besonders während des Waschgangs in Form von Mikrofasern. Die Fasern sind Mikroplastik, das über das Abflusssystem in Flüssen und Meeren landet. Laut der Organisation Plasticontrol werden während des Waschens einer einzigen Fleece-Jacke bis zu einer Million Synthetik-Fasern freigesetzt. Insgesamt 30 000 Tonnen Mikrofasern spülen europäische Waschmaschinen pro Jahr ins Abwasser, so der Verein.
Ist die Kuschelsocke, aufgelöst in fünf Millimeter kleine Plastikteilchen, im Atlantik angelangt, wird sie dort von Lebewesen wie Miesmuscheln oder Fischen aufgenommen. So kann es passieren, dass man die eigene Socke tatsächlich im Urlaub auf dem Teller des nächsten Fischrestaurants wieder trifft.
Die Kunststoffe, die sich in den Lebewesen anreichern, enthalten häufig toxische Chemikalien wie Weichmacher. Außerdem wirkt ihre Oberfläche als Magnet für weitere Giftstoffe. Das führt zu Krankheiten bei Meeresbewohnern und schlimmstenfalls zum Tod. Außerdem gelangt das Mikroplastik über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus. Das bestätigt ein Bericht des wissenschaftlichen Diensts des Deutschen Bundestags im Jahr 2010. Die Auswirkungen, die die Plastikteilchen auf den menschlichen Körper haben, sind noch ungeklärt.
Um der Gefahr aus der Waschmaschine entgegenzuwirken hat Leonie Prillwitz vergangenes Jahr ein dreistufiges Filtersystem entwickelt. Als sie und ihre kleine Schwester im Urlaub begannen, Müll statt Muscheln aus dem Meer zu tauchen, wurde ihr Interesse geweckt. Zudem beschäftigten sich zwei Klassenkameradinnen im Rahmen eines Jugend-forscht-Projekts mit der Thematik. "Damals sollte jeder eine Sandprobe aus dem Urlaub mitbringen. Die Mädchen prüften sie dann auf ihren Mikroplastikgehalt", erzählt die 16-Jährige. Ganz nach diesem Vorbild begannen die Prillwitz-Schwestern Proben aus dem Lech zu entnehmen und zu Hause am Küchentisch auszuwerten. Mit erschreckendem Ergebnis: Auch hier vor Ort findet sich eine Menge Plastik in den Gewässern. So beschloss Leonie, ein Forschungsprojekt zu starten.
Gemeinsam mit einer Freundin stellte sie sich die Frage, wie Klamotten so gewaschen werden können, dass möglichst wenig Mikrofasern in den Abfluss gelangen. Mit diesem Vorprojekt zu Leonie Prillwitz heutigem Filter errangen die Freundinnen beim Regionalwettbewerb Jugend forscht den zweiten Platz und erhielten einen Sonderpreis. Außerdem wurden die Jungforscher mit dem Hauptpreis beim Bundes-Umwelt-Wettbewerbs ausgezeichnet. Ein voller Erfolg.
Leonie Prillwitz war motiviert, sie wollte weiter machen und ihr Projekt fortführen. Gleichzeitig wurde die Fridays-for-Future-Bewegung immer populärer und bestärkte die damals 15-Jährige in ihrem Tatendrang. "Ich dachte mir, ich setze an der Ursache an", so die Idee der Friedbergerin.
Auch mit ihrem weiterentwickelten Projekt nahm Prillwitz bei Jugend forscht teil. "Ich wollte sofort loslegen", berichtet die Schülerin. Ihr Opa habe sie jedoch darin bestärkt, das Projekt ein wenig objektiver anzugehen. Er ist Ingenieur und half seiner Enkelin "alles durchzurechnen". Es entstanden verschiedene Prototypen, das Endergebnis ist ein Filtersystem mit drei ineinander gesteckten Filternetzen. Diese haben unterschiedlich grobe Maschen, um die kleinen Fasern optimal aus dem ablaufenden Wasser zu sieben. Dieser Filter wird dann in das Abflussrohr der Waschmaschine eingesetzt und ist wiederverwendbar. "Man muss ihn etwa ein Mal im Monat reinigen und die Fasern im Müll entsorgen. Ausspülen ist natürlich kontraproduktiv", erklärt die Entwicklerin.
Die Netze nähte Leonie selbst, die Filterblätter wurden ihr zur Verfügung gestellt. Auch einen Schlosser konnte sie auftreiben, der nach ihrer Anleitung eine Fassung für die Netze anfertigte. "Ich war erst mal Dauergast im Baumarkt", sagt die 16-Jährige schmunzelnd.
In der Entwicklungsphase stand die heimische Waschmaschine nicht still, die perfekte Maschenweite musste ermittelt werden. "Im Winter vor der Abgabe des Projekts war das gesamte Wohnzimmer voll mit Wäscheständern, es wurde im Akkord gewaschen", erzählt Leonies Mama. Von August 2018 bis Januar 2019 arbeitete Prillwitz an ihrem Projekt.
Auch Leonies 13-jährige Schwester Zoë ließ sich inspirieren. Sie befasste sich mit dem Mikroplastik, das über das Waschbecken, zum Beispiel durch Kosmetika wie Waschgele oder Zahnpasta, in die Gewässer gelangt. Mit ihrem Waschbeckenfilter trat sie ebenfalls bei Jugend forscht an. Allerdings in der jüngeren Alterssparte. Hier wird von "Schüler experimentieren" gesprochen, dieser Wettbewerb endet auf der Landesebene. Die 13-Jährige erreichte dort den zweiten Platz in der Kategorie Technik und gewann einen Sonderpreis in Umwelttechnik.
Auch Leonie behauptete sich bei Jugend forscht. Sie gelangte über den Regional- und Landeswettbewerb bis auf Bundesebene und sicherte sich dort ebenfalls einen Sonderpreis in Umwelttechnik. Außerdem wurde sie mit dem Umweltpreis des Landkreis Aichach-Friedberg ausgezeichnet. Gestern folgte dann der Engagementpreis, verliehen durch das Bündnis für Gemeinnützigkeit.
Leonie hat bereits ein Gebrauchsmuster, also ein Patent, für ihren Filter angemeldet. Ihr Ziel ist es, möglichst viel Mikroplastik zurückzuhalten und dementsprechend auf den Vertrieb und eine eventuelle serienmäßige Verbauung des Filters hinzuarbeiten. Das bedeutet, in Zukunft möchte die 16-Jährige den Filter weiter entwickeln und benutzerfreundlicher gestalten. Geplant ist, die Arbeitsabläufe und den Steckmechanismus zu optimieren und zu vereinfachen. Außerdem möchte sie den Reinigungsaufwand verringern und mit Experten und Firmen in Kontakt treten.
Auch außerhalb ihrer Forschungsarbeit macht sich Prillwitz für den Umweltschutz stark und ist engagiert. Sie möchte über Mikroplastik aufklären und informieren. Die Schülerin ist journalistisch für eine Jugendseite tätig und berichtet dort über Umweltthemen. Auf einer Fridays-for-Future-Demo hat sie bereits eine Rede zum Thema Mikroplastik gehalten.
Um sicher zu gehen, dass die Kuschelsocke an den Füßen bleibt und nicht auf dem Teller landet oder in den Weltmeeren, hat Leonie auch noch einige Tipps parat (siehe Kasten). vor dem Einkauf überlegen, ob dieser wirklich nötig ist, und ob das Kleidungsstück tatsächlich getragen wird vor dem Einkauf überlegen, ob dieser wirklich nötig ist, und ob das Kleidungsstück tatsächlich getragen wird vor dem Einkauf überlegen, ob dieser wirklich nötig ist, und ob das Kleidungsstück tatsächlich getragen wird vor dem Einkauf überlegen, ob dieser wirklich nötig ist, und ob das Kleidungsstück tatsächlich getragen wird vor dem Einkauf überlegen, ob dieser wirklich nötig ist, und ob das Kleidungsstück tatsächlich getragen wird vor dem Einkauf überlegen, ob dieser wirklich nötig ist, und ob das Kleidungsstück tatsächlich getragen wird vor dem Einkauf überlegen, ob dieser wirklich nötig ist, und ob das Kleidungsstück tatsächlich getragen wird

Von Carla Holz


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So wird der dreistufige Filter in das Abflussrohr der Waschmaschine eingesetzt. Die Konstruktion hat Leonie Prillwitz selbst gebaut.



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Veröffentlicht am 05.12.2019 17:25 Uhr