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Konzerne gegen das Chaos?

München - Die MAN und die MTU Aero Engines in München zählen zu den größten Arbeitgebern in der Region. Alleine der Turbinenbauer hat über 5000 Angestellte aus diversen Landkreisen. Die müssen täglich ins Werk oder ins Büro. Mit der Bahn fährt trotz eigener Buslinien vom Bahnhof ins Gewerbegebiet zwischen Karlsfeld und Allach bei Weitem nicht jeder. Die Konsequenz: Staus auf der A 8 oder den Bundesstraßen.


Stau im Pendlerverkehr
Staus und Unfälle sind auf der A 8 keine Seltenheit, besonders im Pendlerverkehr ist viel los auf der Fernstraße.
Ines Speck


Um diese Probleme zu lösen, haben die beiden Firmen kürzlich einen Mobilitätsgipfel mit dem Ziel einberufen, alle Entscheidungsträger an einen Tisch zu bekommen und vom "Reden ins Tun" überzugehen, wie Richard Maier, Leiter Produktionsentwicklung und Support bei der MTU, anführte. Obwohl oder gerade weil dabei nicht viel Handfestes herausgekommen ist, soll es in naher Zukunft ein weiteres und größeres Treffen geben, zusammen mit anderen Großkonzernen wie der Allianz, der DB, BMW oder Knorr Bremse. Um die Verkehrsprobleme wirklich zu lösen, brauche es zudem einen "übergeordneten Moderator wie die Staatsregierung", wie Karl Schumacher, Abteilungsleiter vernetzte Mobilität und ÖPNV der Stadt München, anregte.
Ein Erfolg war der Gipfel wohl hauptsächlich aufgrund des Steins, den er ins Rollen gebracht hat, und ungewöhnlich wegen der Konstellation. Immerhin sind Konzerne auf die Politik zugegangen. Und die war der Einladung nach München gefolgt. Vertreter der umliegenden Landkreise, darunter Aichach-Friedbergs stellvertretender Landrat Manfred Losinger, Dachaus Landrat Stefan Löwl und der Leiter der Zulassungsbehörde in Pfaffenhofen an der Ilm, Rudolf Plach, waren angereist.
"Unsere Angestellten sind Menschen, die entspannt zur Arbeit kommen wollen", führte Betriebsrat Michael Hofberger von der MTU aus.
Von Entspannung ist indes auf dem täglichen Weg in die Stadt keine Spur.
Und niemand geht davon aus, dass sich die Verkehrsproblematik von selbst löst, noch dazu, weil München stetig wächst (1,5 Millionen Einwohner). Von Frankfurter Verhältnissen hinsichtlich Einwohnerzahl, Bebauung und Verkehr bis 2030 war mehrfach die Rede. "Kurzfristig können wir über Schnellbusse etwas erreichen, langfristig brauchen wir allerdings neue Technologien", meinte Michael Hofberger, der deshalb im Oktober auf Stefan Löwl zugekommen ist und um die Zusammenkunft gebeten hatte.
Während das Treffen am Ende eher als ein Brainstorming möglicher Vernetzung und Zusammenarbeit verstanden werden wollte, erinnerte Löwl an ein kürzlich im Kreisausschuss beschlossenes Maßnahmenpaket, das die Schnellbusverbindung und Verbesserungen auf der Buslinie 707 von Altomünster über Tandern, Hilgertshausen und Jetzendorf nach Petershausen vorsieht. Die Einführung der Linie ist für Dezember 2021 vorgesehen. Ein Wermutstropfen für Löwl. "Wir warten zwei Jahre, bis der erste Bus fährt", monierte er. Nach kurzfristigen Verbesserungen für die Pendler klingt das bei Weitem nicht.

Von Bastian Brummer

 


Diskussion über Verkehr
Manfred Losinger (links), stellvertretender Landrat des Landkreises Aichach-Friedberg, und Dachaus Landrat Stefan Löwl sprachen über Möglichkeiten, den Verkehr im Großraum München in den Griff zu bekommen.
Bastian Brummer



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Veröffentlicht am 19.11.2019 17:24 Uhr



 
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