Todtenweis    

Schulhausneubau in Todtenweis vor 60 Jahren

Todtenweis - Ende der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre setzte im Landkreisgebiet geradezu eine Welle von Schulhausneubauten ein. Ausgelöst wurde diese durch stetig steigende Schülerzahlen infolge des Wirtschaftswunders in den 1950er Jahren mit dem dadurch aufkommenden Wohlstand, der wiederum einen Babyboom auslöste. Neben diesen geburtenstarken Jahrgängen trugen auch die zahlreichen Vertriebenen- und Flüchtlingsfamilien zu einem rasanten Anstieg der Dorfbevölkerung nach Kriegsende bei.

Neben diesen Hauptursachen wurden den Volksschulen auch immer mehr Lehrerstellen genehmigt, um eine schon länger in pädagogischer Hinsicht geforderte Umstellung des Lehrbetriebs der meistens noch ein- oder zweiklassigen kleinen Dorfschulen auf drei oder vier Klassen zu ermöglichen. Dazu kam ein eklatanter Fehlbestand an Lehrerwohnungen, demzufolge sich keine Lehrer mehr für Landgemeinden bewarben. Demzufolge wurde vom Staat neben den Schulhausneubauten auch der gleichzeitige Bau von Lehrerwohnhäusern gefördert.

In Todtenweis blieb nach der Versetzung des bisherigen Schulleiters Josef Rößler ab 1957 die Schulleitung drei Jahre verwaist. Der Grund dafür war die Lehrerdienstwohnung im Schulgebäude, die nach Aussage des Schulamtes keinen Anreiz für einen Bewerber bot. Diese Wohnung hatte bereits unter Rößler zu zahlreichen Beschwerden bei der Gemeinde und auch beim Landratsamt geführt. Nachdem mit Beginn des Schuljahres 1957/58 der Schule eine dritte Lehrkraft zugeteilt worden war, war die Gemeinde zu einer grundlegenden Neuorganisation des schulischen Raumbedarfs gezwungen.
Zunächst sah ein Plan vor, ein neues Lehrerwohnhaus zu bauen, um das Erdgeschoss der bestehenden Schule aus dem Jahr 1882 für einen dritten Schulsaal zu nutzen. Neben einer weiteren Alternative mit Umbau und kleinem Neubau entschieden sich Schulamt und Gemeinde für eine großzügige dritte Lösung, nämlich Schule und Lehrerwohnhaus neu zu errichten.
Der Standort für die beiden Gebäude war bezeichnenderweise genau das Grundstück des Hannesbauern am östlichen Ortseingang und südlich der Hauptstraße, das schon 1880 beim Bau der alten Schule zur Diskussion stand. 
Der Gemeinderat beschloss im Januar 1960 eine neue Schule mit danebenliegendem Lehrerwohnhaus zu bauen. Hauptlehrer Edgar Sichert bezog im November 1960 das Obergeschoss und im Erdgeschoss wohnte fortan Augustin Brandner, seit 1958 Lehrer für die dritte bis fünfte Jahrgangsstufe. Für die damaligen finanziellen Verhältnisse der kleinen Gemeinde mit 722 Einwohnern waren die Gesamtkosten von 262 000 DM für das Schulhaus und zusätzlich 60 000 DM für das Lehrerwohnhaus eine Jahrhundertinvestition.
Am 19. März wurde mit dem Schulhausbau begonnen und bereits am 7. Mai 1961 konnte nach nur einjähriger Bauzeit der Neubau feierlich eröffnet werden. Mit der Schulreform Ende der 1960er Jahre kam zwar das Ende der Volksschule Todtenweis, aber nicht vom Schulgebäude. Die jetzige Grundschule Todtenweis mit vier Klassen konnte sich behaupten und gehört zwischenzeitlich organisatorisch zur Mittel- und Grundschule am Lechrain in Aindling. 

Von Franz Riß



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Veröffentlicht am 04.05.2021 16:51 Uhr