Sielenbach    

Kitzsuche in schwindelerregender Höhe

Sielenbach - Derzeit werden Wiesen gemäht. Für Rehkitze kann das mitunter tödlich enden. Wenn das Mähwerk sie erfasst, ist es zu spät. Ihr Instinkt rät ihnen, sich zu ducken, anstatt wegzulaufen, gut getarnt sind sie außerdem. Ökolandwirt Stephan Kreppold aus Wilpersberg sucht die kleinen Rehe daher jetzt mit Drohne und Wärmebildkamera.


Es ist Freitag, fünf Uhr morgens. Auf dem Hof des Ökolandwirts Stephan Kreppold in Wilpersberg bei Aichach beginnt es zu dämmern. Heute soll es trocken bleiben. Die Wiesen sind hoch genug, um gemäht zu werden. Doch es muss schnell gehen. Mit der Sonne steigen die Temperaturen, und Kreppold hat eine Wärmebildkamera im Einsatz. Mit seiner neuen Drohne will er vor der Mahd nach Rehkitzen suchen - oder suchen lassen. Das hat Sebastian Scherer für ihn übernommen. Er ist Student und lebt zusammen mit seiner Freundin Anna Bühler, Naturschutzberaterin bei Bioland, in Wilpersberg. In Stephan Kreppolds Auftrag fliegt er mit dessen neuester Errungenschaft, solange der Akku reicht. Drei volle sind mit auf einer Wiese bei Haslach dabei, einer hält für etwa 30 Minuten.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. "Ab acht kann man es eigentlich vergessen", erklärt Scherer. Der Boden hat dann beinahe die gleiche Temperatur wie ein Rehkitz. Um eines aufzuspüren, muss der Temperaturunterschied zwischen Tier und Umgebung aber möglichst hoch sein. Dann fliegt die Drohne über einen per GPS vorgegebenen Pfad. Wird nichts gefunden, kommt das Mähwerk.
Drohnen gelten als effektive Werkzeuge für die Kitzsuche. Per Tierschutzgesetz ist ein Landwirt dazu verpflichtet, alle Maßnahmen zu ergreifen, um den Mähtod zu verhindern. Daher führte für Kreppold kein Weg daran vorbei, sich eine Drohne zu kaufen. Gekostet hat sie 2600 Euro - 2000 machte die Kamera alleine aus. Günstiger geht es nicht, meint Scherer. Einen Maschinenring für Drohnen gibt es in der Region noch nicht.

Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 25.05.2019 17:37 Uhr




 

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