Sielenbach    

Spaß ohne Unfälle

Tödtenried - Faschingsumzüge sind für viele ein Riesenspaß. Aber sie sind auch gefährlich. Große Schlepper ziehen die Wagen durch die Menge, die Zuschauer stehen dicht gedrängt, viele sind - ziemlich - angeheitert. Immer wieder kommt es zu Unfällen, ja Unglücken, wie im vergangenen Jahr in Waidhofen, als eine junge Frau von einem Wagen überrollt wurde und starb. Um so etwas zu vermeiden, haben die Tödtenrieder Tschikler ein Sicherheitssystem für ihren Faschingswagen entwickelt.

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An vier Stellen ihres Faschingswagens haben die Mitglieder der Freizeithütte Notschalter montiert. Direkt daneben gehen beim Umzug vier der acht bis zehn Begleitpersonen, die sofort auf den Schalter drücken, wenn es eine gefährliche Situation gibt. Beim Fahrer vorne am Schlepper leuchtet dann eine Signallampe auf und er stoppt - schnell, aber doch mit viel Gefühl, dass die Personen hinten auf dem Wagen nicht durcheinander purzeln und es dort Verletzungen gibt. Die Tödtenrieder haben das Problem bei Umzügen erkannt: Es ist laut, es ist unübersichtlich, und bis der Fahrer vorne im Führerhaus mitbekommt, dass hinten eine gefährliche Situation entstanden ist, kann es schon zu spät sein. Genau das war das Problem in Waidhofen, wo Warnungen von Zuschauern offensichtlich nicht beim Fahrer ankamen. Genau das soll mit dem System, das der Elektrotechniker Daniel Gadletz entwickelt hat, vermieden werden. Seine Idee ist einfach, aber effektiv: Im Fahrerhaus gibt es einen Kasten zum Ein- und Ausschalten des gesamten Systems, direkt vor dem Fahrer ist die gelbe Signallampe - nicht zu übersehen. Denn "akustische Signale bringen nichts," erklärt Gadletz.
Die Stromversorgung kommt vom Traktor, die Sicherung funktioniert also auch, wenn der Strom auf dem Faschingswagen selbst ausfallen sollte.
Die Kosten halten sich in Grenzen. Auf etwa 150 Euro beziffert sie Gadletz, es ginge sogar noch günstiger, wenn man auf die Steckverbindungen verzichten würden. So kann das System aber sehr einfach demontiert und an einem anderen Wagen eingebaut werden. Sieben bis acht Wochen haben etwa 50 bis 60 Tschikler an dem Wagen gebaut. Unterwegs sind sie mit ihm bei den Umzügen in Höchstädt, Dillingen, Weidorf, Schmiechen und Olching. Eine der größten Herausforderungen vor allem für die vier Begleiter wird sein zu verhindern, dass Zuschauer "aus Spaß" auf die Schalter hauen und Fehlalarme auslösen. "Da müssen die Begleitpersonen gut aufpassen", ist den Tschiklern bewusst. Und die erste Bewährungsprobe haben das System und das Team schon hinter sich: Am Wochenende in Höchstädt habe alles gut geklappt, sagte Thomas Stocker gestern der AZ.

Von Dr. Berndt Herrmann
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Veröffentlicht am 25.02.2019 23:00 Uhr




 

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