Schiltberg    

Heizen mit der eigenen Ernte

Schiltberg - Erheblich steigende Kosten für Gas- und Ölheizungen sowie Strompreiserhöhungen bereiten vielen Menschen Sorgen. War der Energiemarkt schon früher turbulent, so hat sich die Situation mit dem Ukraine-Krieg noch einmal deutlich verschärft. So manche Verbraucher sind auf der Suche nach Alternativen. Ist Miscanthus eines der Zauberworte? Die Familie Neumüller aus der Unteren Ortsstraße in Schiltberg ist schon vor den extremen Preisanstiegen einen neuen Weg in Sachen Heizen gegangen: mit Miscanthus, auch Chinaschilf oder Elefantengras genannt.


Elefantengras
Unabhängigkeit mit Miscanthus: Alois Neumüller neben seinem Feld mit dem nachwachsenden Rohstoff. Fotos: Xaver Ostermayr


Die sogenannte C4-Pflanze (effizienter CO2-Verwerter) ist ein Wachstumsturbo: In nur wenigen Monaten erreicht das Gras eine Höhe von bis zu vier Metern. Die Familie Neumüller verwendet seit einem Jahr Miscanthus als Energiequelle. Und das mit Erfolg, wie Alois Neumüller, Inhaber eines Estrichfachbetriebes, versichert. Vier eigene Einfamilienhäuser mit insgesamt 850 Quadratmeter Wohnfläche werden damit mit Wärme versorgt. Die Gebäude wurden im Vorfeld vom Fachberater des Anlagenherstellers bezüglich der Wärmedämmung überprüft, dann konnte die Heizlast berechnet werden. Als nächstes wurde die Heizung entsprechend konzipiert und dimensioniert. "Die Anlage als solches ist ein absolutes Pionierprojekt und die Heizung funktioniert top", freut sich Alois Neumüller. Auf eigenem landwirtschaftlichen Grund hat er auf drei Hektar die Varietät Miscanthus giganteus gepflanzt. Die Ernte aus einem Hektar Miscanthus liefert energiemäßig den Brennwert von bis zu 8000 Litern Heizöl, wie Alois Neumüller zu berichten weiß. Gegenüber dem Brennstoff Hackschnitzel liegt der Brennwert bei rund 80 Prozent.
Mit einer speziellen Setzmaschine haben die Neumüllers die rund fünf Zentimeter langen Rhizome, so nennen sich die ingwerähnlichen Wurzelstücke, in Abständen von einem Meter gepflanzt. Nachdem sich kräftige Wurzelstöcke gebildet haben, konnte im Frühjahr des vierten Jahres vor dem Austrieb und bei sonnigem Wetter mit einem Maishäcksler erstmals das Schilfgras geerntet werden. An Pflanzkosten inklusive des Pflanzguts sind für diese drei Hektar rund 6000 Euro angefallen. Die jährlichen Erntekosten belaufen sich in etwa auf 1000 Euro.
Die anspruchslose Pflanze mit asiatischer Herkunft legt auch ohne Kunstdünger und Spritzmittel pro Tag bis zu fünf Zentimeter zu. Das Chinaschilf hat keine besonderen Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit, aber ein Gelände mit Staunässe sollte vermieden werden. "Unter günstigen Bedingungen werden pro Jahr 15 bis 20 Tonnen Trockenmasse pro Hektar produziert", so Alois Neumüller. Um die 125 Kubikmeter werden von diesem nachwachsenden Rohstoff somit pro Hektar gehäckselt und abtransportiert. Der nachwachsende Energielieferant treibt jedes Jahr von selbst aus und bleibt circa 20 bis 25 Jahre ertragsfähig.
Ein großer Vorteil von Miscanthus gegenüber den fossilen Brennstoffen - wie etwa Heizöl - ist seine positive Kohlendioxid-Bilanz: Die Pflanzen geben, so Alois Neumüller, bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid ab, wie sie vorher beim Wachsen aufgenommen haben, rund 32 Tonnen je Hektar. CO2 gilt als einer der Hauptverursacher des Treibhauseffekts.
Die Anlage in Schiltberg ist mit einer entsprechenden Filtertechnik ausgestattet, die dafür sorgt, dass die zugelassenen Feinstaub-Grenzwerte nur zur Hälfte ausgelastet sind. Alois Neumüller ist sich auch sicher, dass der Staat in Zukunft für den Klimaschutz sehr viel Geld in die Hand nehmen muss, "sonst funktioniert die Energiewende mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht". Wird mit dem Anbau von Miscanthus als Heizmaterial der Lebens- und Futtermittelgewinnung eine Anbaufläche entzogen?

Von Xaver Ostermayr


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Veröffentlicht am 02.05.2022 18:12 Uhr