Rehling    

"Kräuter wirken wie Sekt"

Oberach - Heute ist Mariä Himmelfahrt, und in vielen katholischen Kirchen im Aichacher Land weihen die Pfarrer während des Gottesdienstes Kräuter. Sie sind kunstvoll zu Sträußen gebunden und werden nach dem kirchlichen Segen im Haus aufgehängt. Dort - so der Volksglaube - sollen sie Unglück und Unwetter abhalten. Zugleich verbreiten die Buschen einen angenehmen Duft.

"Kräuter-Ursel"

Rund 200 Kräuterbuschen liegen heuer in Rehling vor dem Altar, jeder einzelne mit traditionell 33 Pflanzen. Die Damen des Gartenbauvereins haben sie in den vergangenen Tagen unter Regie von Ursula Higl zusammengestellt. Die 54-Jährige ist Vereinsvorsitzende und als "Kräuter-Ursel" weitum bekannt.
Ursula Higl wohnt im Rehlinger Ortsteil Oberach. "Beim Ochmaou" ist der Hausname: beim "Mann am Fluss". Dort, direkt an der Friedberger Ach, hat die Kräuter-Ursel ihren Garten. Keine steril gepflegten Rabatten gibt es dort, keine Zäune und gepflasterte Wege. Stattdessen ein buntes Vielerlei von wild und prächtig gedeihenden Pflanzen. Wie viele Kräutersorten hier am Flussufer wachsen, hat Ursula Higl nie gezählt. Aber über nahezu jede weiß sie zu erzählen: Über den Giersch, der entgiftet, den Spitzwegerich, den man - weil er antibakteriell wirkt und eine Art Penicillin enthält - bei Insektenstichen oder Husten einsetzen kann. Oder Gundermann, der gegen Akne, Frauenkrankheiten und Bronchialkatarrh hilft.
Die Kräuter kommen unterschiedlich zum Einsatz. "Für meinen Mann und die drei Söhne mache ich Smoothies", verrät Ursula Higl. "Oder ich nehm' sie zum Würzen von Speisen." Man könne aber auch Salz mit Kräutern anreichern, eine Tinktur mischen, Essig ansetzen. Aus Bienenwachs, Sheabutter und Kräutern rührt die Naturkundige ihre Salben.

Von Wolfgang Glas
Buschenbinden in Zell


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Veröffentlicht am 14.08.2019 23:00 Uhr




 

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