Rehling    

Funkmast: Protest schweißt zusammen

Rehling/Oberach - Seit Wochen ist der emotionale Friede in der Gemeinde Rehling gestört. Schuld daran ist ein geplanter Tetra-Mast für den Behördenfunk, der zwischen Oberach und Sägmühl aufgestellt werden soll. 400 Meter vom Kindergarten entfernt und 200 Meter vom nächsten Bauernhof. Doch der Sendemast schweißt die Bevölkerung auch zusammen.


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Rund 400 Besucher kamen am Samstagnachmittag in die TSV-Sporthalle in Oberach, um sich über die Gefahren der Strahlung zu informieren. Fotos: Alfred Haas


Knapp 400 besorgte Bürger stürmten am Samstagnachmittag bei schönstem Frühlingswetter die TSV-Sporthalle in Oberach. Sie wollten sich von Professor Dr. Dr. Klaus Buchner über die Gefahren informieren lassen, die von so einem Sendemast ausgehen.
Buchner gehört dem Europäischen Parlament an und gilt als ausgesprochener Kenner der Funk-Thematik. Für diesen Nachmittag reiste er extra aus Brüssel an. Von den fast 400 Männern und Frauen hatten nur wenige kein Handy in der Tasche. Das macht den Zwiespalt deutlich.
Zwei Stunden lang steht Buchner geduldig Rede und Antwort. "Tetra oder Wlan, von welchem Mast geht die größte Gefahr aus?", will einer wissen. "Am schlimmsten ist das schnurlose Telefon", ist die Antwort. Buchner antwortet stets souverän und gibt offen zu, wenn er mal keine Antwort hat. "Welche Strahlenbelastung hat man beim Telefonieren?", lautet die nächste Frage. "Warten bis die Verbindung hergestellt ist. Auf keinen Fall das Handy sofort ans Ohr halten", empfiehlt der Kernphysiker.
"Wie können wir den Funkmast doch noch verhindern?" Buchner ist überzeugt, dass die Chancen dafür nicht schlecht sind. "Sie haben den Vorteil, dass Ihr Bürgermeister auf Ihrer Seite steht." Buchners Meinung nach soll sich der Gemeindechef Spezialisten suchen, die den Streit mit dem Innenministerium fachlich gewachsen sind. Die beste Möglichkeit sei, zu versuchen, aus dem Pachtvertrag herauszukommen. "Lasst den betroffenen Landwirt in Ruhe", fordern in diesem Zusammenhang die Sprecher der Funkturm-Gegner. "Wir sind schon im Gespräch mit ihm".
"Wenn der Mast steht, wer sagt uns, dass er dann nicht erweitert wird, damit man auch Bilder verschicken kann?" Die Antwort sorgt für ein Raunen im Saal. "Wenn der Mast steht, ist er eine Goldgrube für den Betreiber. Er wird versuchen, so viele Antennen drauf zu setzen, wie es nur geht."
"Gibt es erfolgreiche Klagen wegen der Wertminderung der Grundstücke?", wollte ein Mann wissen. "Die Wertminderung liegt durchschnittlich bei 30 Prozent. Klagen gibt es, ob sie erfolgreich sind, weiß man noch nicht", betonte Buchner. Er schlug vor, die lokalen Abgeordneten auf den Fall anzusetzen. "Im September sind Wahlen", das sei vielversprechend.
Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Erschöpfung: Bereits in seinem Referat listete Klaus Buchner gesundheitliche Schäden auf, die von Funkmasten ausgehen. Zum Teil mit verheerenden Folgen, nicht nur für Menschen, sondern nachweisbar auch für Tiere und Bäume. Besonders anfällig seien Kinder unter zehn Jahren und chronisch Kranke. Die Tetra-Technik, in die der Bund bereits zwölf Milliarden Euro gesteckt habe, bezeichnete der Europa-Parlamentarier als veraltet. Sie funktioniere oft nicht, was eine Polizeibeamtin aus der Zuhörerschar spontan bestätigte.


Von Alfred Haas

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Professor Dr. Klaus Buchner bekam für seine Ausführungen stehenden Applaus.



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Veröffentlicht am 23.07.2017 23:00 Uhr




 

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