Pöttmes    

Holzeinschlag erhitzt Gemüter

Pöttmes - Forstarbeiter haben kürzlich in einem kleinen Staatswald bei Pöttmes zahlreiche Eschen und Eichen gefällt. Einige der Bäume waren weit über 100 Jahre alt. Das erhitzt die Gemüter. Janos Soós-Schupfner ist fassungslos. Der 68-Jährige lebt am Seeanger bei Pöttmes, knapp einen Kilometer südlich des betroffenen Waldstücks. Dass der Freistaat in diesem Gebiet derart viele Bäume fällt, kann er nicht nachvollziehen. "Wenn unser Land die 2000 Euro braucht, die hier verdient sind, dann haben wir ein anderes Problem", sagt er.


Der gelernte Schreiner hat einen Großteil seines Lebens dem Umweltschutz verschrieben. Er ist unbequem und bekannt dafür. Daraus macht er keinen Hehl. Gegen die Nutzung von Holz könne er allein aus beruflichen Gründen zwar nicht einstehen, betont Soós-Schupfner. "Mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung hat das hier aber nichts mehr zu tun." Mit einem Roller ist er auf der Flurbereinigungsstraße unterwegs. Der Wald, um den es geht, liegt mitten in der Schorner Röste, einem Niedermoor mit mächtigen Torfschichten von bis zu sieben Metern. Das Gebiet soll wieder vernässt werden - viele Bauern sprechen von Enteignung, "Moor muss nass sein", sagt Soós-Schupfner.
Er ist also in einem hochsensiblen Terrain unterwegs, das vor Jahrzehnten urbar gemacht und in Teilen völlig zerstört worden ist. Den kleinen Wald, der linker Hand zwischen Pöttmes und Klingsmoos auf einer Sandlinse über dem Moor in die Höhe ragt, würde der Naturschützer gerne als Naturwald sehen. Den Freistaat sieht er in der Pflicht, "mit gutem Beispiel voranzugehen", gerade in der Schorner Röste. Soós-Schupfner betritt den Wald, ein kleiner Spaziergang beginnt. Für gewöhnlich war das nicht so einfach, stark zugewachsen war das Waldstück, das etwa einen Kilometer lang und knapp 500 Meter breit ist. Besonders groß ist die Fläche also nicht. Gerade deswegen versteht der 68-Jährige nicht, wieso die zuständigen Staatsforsten dort so viel Holz auf einmal einschlagen. "Das ist kein klassischer Wirtschaftswald", sagt Soós-Schupfner.
Vielmehr sieht er in der Fläche ein Kleinod, eine "Insel im Moos", auf der seltene Arten Schutz und Zuflucht suchen könnten. Und tatsächlich: Lungenkraut und Salomonsiegel recken ihre Blüten und Triebe der Aprilsonne entgegen, eine Weinbergschnecke erwacht auf dem Weg aus ihrem winterlichen Schlummer, unter einem Schlehendickicht bereiten sich Füchse auf die Aufzucht ihrer Jungen vor. Es ist ruhig, idyllisch - normalerweise. Ein Quad bahnt sich den Weg durch den Wald, gefolgt von ein paar Mountainbikern. Jetzt haben sie Platz. Aber warum bewirtschaften die Staatsforsten dieses kleine Wäldchen im Moos eigentlich überhaupt? "Das ist immer eine Gratwanderung", erklärt Helmut Weixler, Chef des zuständigen Forstamts in Kaisheim. Der Oberbayer wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Was wir dort tun, ist keinesfalls gedankenlos", betont er. Bayern sei ein Land, das wenig Rohstoffe hat. Im heimischen Forst keinen Baum mehr anzurühren und dafür Holz aus dem Ausland zu importieren, so denkt Weixler das Szenario weiter, hätte mit Umweltschutz nichts zu tun. Zudem seien allein im Zuständigkeitsbereich seines Amts 1500 Hektar Fläche stillgelegt. Das heißt, dort wird keine Forstwirtschaft im herkömmlichen Sinne mehr betrieben. "Das ist auf rund zehn Prozent der Waldfläche in Bayern so."

Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 03.05.2021 18:09 Uhr