Pöttmes    

Der Grenzbaum ist wieder da

Pöttmes/Kühnhausen - Zwischen Pöttmes und Kühnhausen steht seit dem 30. April der "Grenzbaum" wieder. Zusammen mit einer Infotafel, zwei schattenspendenden Bäumen und einer Ruhebank bietet der Ort Gelegenheit zur Rast und zum Kennenlernen geschichtlicher Hintergründe. Das vom Pöttmeser Verkehrs- und Verschönerungsverein geplante und gestaltete Fleckchen wurde am Samstag im Beisein von Bürgermeister Mirko Ketz sowie der Landräte Klaus Metzger (Aichach-Friedberg) und Peter von der Grün (Neuburg-Schrobenhausen) von Pfarrer Thomas Rein gesegnet und seiner Bestimmung übergeben (wir berichteten).


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Die Pöttmeser Jagdhornbläser lieferten die Musik zur Enthüllung des Grenzbaums mit (von links): Pfarrer Thomas Rein, Baron Franziskus von Gumppenberg, Landrat Peter von der Grün (Neuburg-Schrobenhausen), Bürgermeister Mirko Ketz und Aichach-Friedbergs Landrat Klaus Metzger.


Rund 100 Jahre lang markierte eine Eiche an der Staatsstraße 2045 die Gemeindegrenze zwischen Kühnhausen und Pöttmes. Bis 1972 war diese Linie zugleich Landkreis- und Regierungsbezirksgrenze. Während Pöttmes zu Aichach und damit zu Oberbayern gehörte, war Kühnhausen Teil des Landkreises Neuburg und damit schwäbisch. Die Gemeindegebietsreform stellte dann die aktuellen Tatsachen her; der Grenzbaum stand zwar weiterhin an derselben Stelle, seine Bedeutung blieb jedoch nur Wenigen in Erinnerung.
Geändert hat diesen Zustand ein sonntäglicher Anruf von Maria Krammer beim Vorsitzenden des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hans Steiger. "Der Grenzbaum ist weg", sagte die gebürtige Kühnhausenerin. Tatsächlich war die Eiche dem Ausbau der Staatsstraße zum Opfer gefallen. Über Umwege kam Steiger an die Telefonnummer von Konrad Schneller vom Straßenbauamt, der ihm mitteilte, dass der Baum bereits in Augsburg sei, aber gerne wieder zurückgebracht werden kann. Schnell war der erste Gedanke, aus dem mächtigen Stamm eine Ruhebank zu fertigen, wieder verworfen. Senkrecht und deutlich sichtbar sollten die 95 Zentimeter Durchmesser zu sehen sein. So entstand die Idee, die Wappen der beiden Altlandkreise einzuschnitzen. Mit Andreas Loquai hatte man auch einen heimischen Holzschnitzer an der Hand.
"In 70 Jahren Tätigkeit habe ich mich nicht so geplagt", gestand Loquai die mit der Arbeit an dem Zweieinhalb-Tonnen-Trumm verbundenen Schwierigkeiten. Bei der Suche nach einem passenden Ort und für die Befestigung halfen Werner Faigl von der Firma Richard Schulz und Franz Schmidberger. Die Ruhebank lieferten die Ulrichswerkstätten in Aichach und das Dach auf dem Stamm fertigte Uli Boldt.
Vor Beginn der Arbeiten stellte Hans Steiger beim Wittelsbacher Land Verein einen Antrag auf Förderung und bekam eine Zusage über 2500 Euro. Zusätzlich spendierten je eine Winterlinde Landrat Dr. Klaus Metzger und Helmuth Wirth. In seiner Zusammenfassung dankte Steiger allen Beteiligten für teilweise kostenfreie Unterstützung und nannte die für den Verkehrs- und Verschönerungsverein verbliebenen Kosten in Höhe von 3500 Euro einen gut angelegten Betrag. Genauso sahen es Bürgermeister Mirko Ketz und die beiden Landräte: Ein Ort zum Entschleunigen, wenngleich auf der neuen Straße doch beschleunigt werde, und ein Ort, um Geschichte zu erleben.
Die Historie erläuterte am Samstag Ludwig Krammer jun.. Nachzulesen ist sie auf einer Infotafel. Zur "Indienststellung" des Grenzbaums hatte der Verkehrs- und Verschönerungsverein auch noch drei Mal den Buchstaben V in den Hang hinter dem Grenzbaum gepflanzt. Die Pöttmeser Jagdhornbläser lieferten mit ihren Signalen den passenden Rahmen und vertrieben den Regen. Der anschließende Imbiss im Kultursaal des Rathauses war einerseits ein Dankeschön für alle Beteiligten und bot den geladenen Gästen gleichzeitig Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.

Von Wilhelm Wagner

Grenzbaum
Die geschichtlichen Hintergründe zum Grenzbaum erläuterte Ludwig Krammer. Nachzulesen sind sie auf einer Infotafel. Fotos: Wilhelm Wagner



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Veröffentlicht am 02.05.2022 17:02 Uhr