Obergriesbach    

Uraufführung mit Gänsehautgefühl beim Musikverein Obergriesbach

Obergriesbach - Corona hat auch vielen Musikvereinen heftig zugesetzt - ganz anders in Obergriesbach: Dort können sich Vorsitzender Johann Kern und Dirigent Joseph Rast über viele engagierte Aktive freuen, die eifrig probten und jetzt am Sonntag mit großer Spielfreunde ihr erstes großes Konzert nach der Pandemie bestritten. Und das vor einem übervollen Haus, denn die Zahl der Sitzplätze im Saal des Gemeinschaftshauses musste kurzfristig erhöht werden, weil viel mehr Gäste als erwartet zum Kaffeekonzert kamen, das der MVO als nachträgliches Muttertagsgeschenk angeboten hatte.


Wie beflügelt von diesem Andrang, startete das Blasmusikensemble mit dem Bayerischen Defiliermarsch in den sonnigen Nachmittag, der unter dem Motto "Aufgespielt zum Tanze - Bei Hofe, in der Stadt und auf dem Lande» gestellt wurde. Joseph Rast hatte für das Programm Tänze aus verschiedenen Epochen zusammengetragen, darunter mehrere Stücke von Peter Streck (1797 - 1864), dem Obermusikmeister des Bayerischen Heeres. Daneben erklangen auch der "Contratanz" aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart, die "Deutschen Tänze", die Ludwig van Beethoven geschrieben hat, oder die "Wilhelminen-Polka", wiederum aus der Feder von Peter Streck. Nicht fehlen durften bayerische Stücke, vornehmlich jene von Heini Baronner, dem legendären Volksmusikanten, der dieses Spielgut mit seiner Aichacher Bauernmusi weit über die Landesgrenzen hinausgetragen hat.
Vor der Pause wurden die weit über 100 Gäste im Gemeinschaftshaus noch mit einer Uraufführung für ihr Kommen belohnt: Xuri Boerzhijin, die mit ihrer Familie aus der Mongolei nach Deutschland ausgewandert ist und in Obergriesbach eine neue Heimat gefunden hat, hat ein Gedicht über das «Grasland» geschrieben. So wird die fruchtbare Region im Herzen der inneren Mongolei bezeichnet, deren Lebensader ein gewaltiger Fluss ist. Das Gedicht hat die mehrfach ausgezeichnete Hornistin und Musikdozentin mit einer Melodie hinterlegt. Dirigent Joseph Rast überarbeitete das Ganze, und fertig war das Werk zur Uraufführung. Mongolische Klänge aus bayerischen Blechblasinstrumenten - und hell und klar lag über diesem Klangraum die herrliche Stimme der Komponistin und Interpretin. Das löste bei vielen Gästen ein Gänsehautgefühl aus, und der Beifall war entsprechend groß.
Zur Gaudi der Zuhörer gab es auch einen Seitenhieb auf den Dorfweiher, der völlig verschlammt und dringend geräumt werden müsste. Zur Melodie der "Fischerin vom Bodensee" wurde neu getextet, und am Ende des Refrain hieß es dann "Jetzt rammt's amoi de Brotz'nbrüah!". Der lange Applaus zeigte, dass dieser Wink mit dem musikalischen Zaunpfahl vielen Gemeindebürgern aus dem Herzen sprach.
Am Ende waren alle zufrieden und die Gäste, denen der Musikverein bei dieser Veranstaltung traditionell Kaffee und Kuchen spendiert, dankten großzügig im Spendenkörbchen. "Endlich hat sich wieder mal was gerührt", sagten viele beim Hinausgehen. Der Start des MVO nach Corona war somit ein Volltreffer in jeder Hinsicht.
Diesen Schwung nimmt der Verein in die nächsten Tage mit: Am Mittwoch, 18. Mai, werden die Musiklehrer und erfahrenen Kräfte sich und ihre Instrumente zunächst in der Schule in Griesbeckerzell vorstellen. Am 1. Juni wird es eine gleich gelagerte Aktion im Kindergarten Obergriesbach geben. Ziel ist zum einen die Nachwuchswerbung. Außerdem wird der Verein den Eltern von Kleinkindern künftig eine musikalische Früherziehung nach pädagogischen Konzepten anbieten. Eine umfassende Information zu diesem neuen Angebot wird es dann am 25. Juni beim Tag der offenen Tür im Gemeinschaftshaus geben. Dazu sind auch alle Personen jeden Alters eingeladen, die ein Instrument lernen möchten. haju Mehrere Aktionen für Nachwuchswerbung


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Der Musikverein Obergriesbach feierte einen glänzenden Start in die Zeit nach der langen Corona-Zwangspause.



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Veröffentlicht am 16.05.2022 18:09 Uhr