Obergriesbach    

"Mobilfunk und Gesundheit geht nicht"

Obergriesbach - Obergriesbacher Bürger machen mobil gegen den Funkmast, der am Waldrand zwischen Obergriesbach und Zahling gebaut werden soll. Um Herbert Lange und Thomas Hartmann bildete sich die Interessensgemeinschaft "Neuer Funkturm", die den Bau verhindern möchte. Am Freitagabend luden sie zu einer Infoveranstaltung in das Gemeinschaftshaus ein. Das Interesse war groß, der Saal halb voll. Viele Gemeinderäte, die den neuen Standort für den Sendemasten beschlossen haben, waren darunter.


funkmast-obergriesbach
Nicht grundsätzlich gegen den Funkturm ist Herbert Lange von der Interessensgemeinschaft "Neuer Funkturm" (links). Siegfried Zwerenz (rechts) hingegen sprach von Krebs, Demenz und Fehlgeburten durch Mobilfunkstrahlung. Foto: Alfred Haas


"Wir wollen nicht zurückschauen", betonte Thomas Hartmann, der für den neuen Gemeinderat kandidiert. "Sondern nach vorne, und alle Energie für die Verhinderung des neuen Funkmasten an diesem Standort verwenden". Und doch galt seine erste Kritik dem Bürgermeister und dem Gemeinderat. Informationen habe man "sehr vermisst". Mit Dias führte Herbert Lange die schöne Landschaft vor Augen. Er sprach von Waldspaziergang, herrlichen Wiesen, Feldern mit Sicht auf die bayerischen Alpen. Ein Sendemast mitten drin würde das schöne Landschaftsbild, "das Caspar David Friedrich gemalt haben könnte", nicht nur stören, sondern zerstören. Die Interessensgemeinschaft mit über 300 Unterstützern und auch die Telekom hätten einen besseren Standort gefunden. 500 Meter vom Gemeinschaftshaus entfernt am Waldrand. Hier würde der Funkmast weniger stören und die Strahlung sei geringer, weil sie durch Bäume abgeschwächt werde.
Der Abend verlief nicht ganz nach Plan. Ein Vertreter der Deutschen Funkturm GmbH sagte seine Teilnahme ab, weil der Termin zu kurzfristig kam. So blieb das breite Feld der Aufklärung dem Hauptredner Siegfried Zwerenz überlassen. Er ist Vorsitzender von "Bürgerwelle e.V., zum Schutz von Mensch und Umwelt", von Beruf Heilpraktiker und Baubiologe. Zwerenz war gekommen, um die Technik zu verteufeln, etwa zwei Stunden lang. Anhand einer menschlichen Zelle oder eines Rattenhirns malte Zwerenz buchstäblich Schreckensbilder an die Wand, die die Menschen zum Nachdenken anregen sollten.
Mobilfunkstrahlung sei an der Auslösung und Förderung vieler Gesundheitsprobleme beteiligt. "Schlafstörungen, Dauermüdigkeit, Nervosität, Hautkribbeln, Migräne, Herz-Kreislauf-Schwierigkeiten" klangen noch verhältnismäßig harmlos. "Krebs, Leukämie, vorzeitige Demenz, Erbgutschäden, Fehl- und Missgeburten" hörten sich schon wesentlich dramatischer an. Zwerenz betonte, dass der Standort am Gemeinschaftshaus zwar besser sei, "aber immer noch sehr gefährlich". Jungen Leuten, die ständig mit dem Handy oder dem Smartphone hantierten, sagte er eine allmähliche Verblödung voraus. Die Grenzwerte für Mobilfunk würden zwar eingehalten, "aber nur, weil sie millionenfach zu hoch angesetzt" seien. Das US-Militär und die Handyhersteller, also die Industrie, hätten sie selbst festgelegt. Herbert Lange bot sogar an, dass die Interessensgemeinschaft die ausgefallene Pacht in Höhe von 2000 Euro jährlich übernehmen würde. Aber das Geld spielte in diesem Zusammenhang keine Rolle, betonten die Gemeinderäte mehrfach.
"Warum dieser Standort?" war die erste Frage an die anwesenden Gemeinderäte nach dem ausführlichen Vortrag. "Wir waren froh, dass der neue Standort nicht im Ort ist", antwortete Dritter Bürgermeister Jürgen Hörmann. Er stellte in Aussicht, dass der Gemeinderat das Thema Funkmast bei einer Sitzung unter "Sonstiges" nochmal aufgreifen werde. "Mehr kann ich aber nicht versprechen". Dass die Bürger bei der Entscheidungsfindung nicht einbezogen wurden, wurde heftig kritisiert. Diesen Vorwurf wollte Gemeinderat Stefan Asam nicht auf sich sitzen lassen und wies ihn vehement zurück. "Es gab zwei öffentliche Sitzungen, niemand hat sich dafür interessiert. Es gibt auch eine Holschuld", sagte Asam schon leicht verärgert. Zwerenz vertrat die Ansicht, dass gar kein Mast nötig sei. "Kein Bedarf, kein Funkmast", betonte er. "Mobilfunk und Gesundheit, beides zusammen gibt es nicht."
Gemeinderat Hans Greppmeier brachte die Dinge wieder etwas ins Lot. "Die Gemeinde hat keinen Mobilfunkmast bestellt", erklärte er. Sie müsse aber bei der Suche nach einem geeigneten Standort Hilfestellung leisten. Greppmeier berichtete, dass auf die Gemeinde Schadenersatz "in ungeahnter Höhe" zukommen könne, wenn der Pachtvertrag nicht eingehalten werde. Stefan Asam wies darauf hin, dass der Funkmast am Schlossberg Ende März zu funken aufhört. Und er wolle nicht, dass man dann dem Gemeinderat die Schuld in die Schuhe schiebe, wenn es plötzlich keine Handyverbindung mehr gebe. Nur Ulrich Fink aus Zahling wagte zu sagen, dass er beim Telefonieren im Auto nicht gerne unterbrochen wird. "Da ist mir eine gute Leistung schon wichtig." Ende März hört der Mast am Schlossberg zu funken auf Siegfried Zwerenz: Grenzwerte wurden von US-Militär und Industrie festgelegt

Von Alfred Haas



Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.


Veröffentlicht am 09.02.2020 15:17 Uhr



 
Drucken Speichern Senden Leserbrief