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Volleyball-SG Aichach-Inchenhofen: Wie die Spielerinnen den Zusammenschluss erlebten

Aichach/Inchenhofen - Im Mai wurde es offiziell. Die Volleyballerinnen des TSV Aichach und des TSV Inchenhofen würden künftig als Spielgemeinschaft ans Netz gehen. Der Zusammenschluss war die Reaktion der beiden Klubs auf die Aufstiegsregelung des Bayerischen Volleyballverbands. Da beide Mannschaften in der Pandemie-bedingt abgebrochenen Bezirksklassen-Spielzeit 2019/20 noch rechnerische Chancen auf den Sprung nach oben hatten, durften sie wählen: Bleiben oder aufstiegen? Weil in beiden Lagern Skepsis herrschte, ob die nächsthöhere Liga machbar wäre, kam bald die Idee: Lasst uns die Bezirksliga gemeinsam angehen. Die Spielgemeinschaft entstand - und die Verantwortlichen der beiden TSVs waren begeistert. Doch wie sah das innerhalb der beiden Teams aus. Ein Gespräch mit Inchenhofens Stellerin Verena Rabl und Aichachs Stellerin Veronika Kreitmeier über die Entstehung einer neuen Mannschaft.


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Tragen seit der derzeit unterbrochenen Saison das selbe Trikot: Die Stellerinnen Veronika Kreitmeier, 35, vom TSV Aichach (links) und Verena Rabl, 30, vom TSV Inchenhofen. Foto: Siegfried Kerpf



"Lange nicht mehr gesehen." So begrüßen sich Kreitmeier und Rabl im Videochat. Auch im Volleyball ist seit November kein gemeinsames Training mehr möglich, geschweige denn Partien in der Liga. Die neue Spielgemeinschaft hat somit bisher nur einen Doppelspieltag in der Bezirksliga absolviert, ehe die Infektionsschutzmaßnahmen das Projekt jäh ausbremsten.


Aichacher Zeitung: Erinnert Ihr euch an den April 2020 und daran, als erstmals die Zusammenlegung eurer beiden Mannschaften angedacht wurde?
Veronika Kreitmeier: Bei uns in Aichach hat Trainer Stefan Böck die Frage in den Pulk geworfen, wie es in der nächsten Saison aussieht. Es wurde klar, dass wir personell enger bestellt sein würden. Also haben wir innerhalb der Mannschaft über die Möglichkeit einer Spielgemeinschaft diskutiert. Und die Idee wurde positiv aufgenommen. Man kennt sich ja als Konkurrenten, wir haben ein ähnliches Spielniveau.
Verena Rabl: Wir haben darüber intensiv in großer Runde gesprochen. Es gab dazu unterschiedliche Meinungen. Auch wir haben uns letztlich aufgrund der personellen Situation dafür entschieden. Wir wollten in Inchenhofen schließlich immer schon Bezirksliga spielen, aber das hätten wir mit der personellen Aufstellung einfach nicht geschafft - wir wären zu wenige gewesen. Trotzdem waren einige skeptisch, gerade wegen unserer zweiten Mannschaft. Wir hatten immer zusammen Training, die Stimmung ist seit jeher sehr harmonisch. Der Zusammenschluss bedeutete, dass Erste und Zweite separiert werden. Viele hatten Angst, dass unsere Gemeinschaft auseinandergeht. Leider sehen wir uns dadurch - und Corona-bedingt - tatsächlich so gut wie gar nicht mehr.


AZ: Erst Mannschaftssportverbot bis Juli, dann Trainings unter strengen Hygienevorschriften, die Hallen bis Mitte August dicht: Nicht gerade beste Voraussetzungen, um aus zwei Lokalrivalen eine Einheit zu formen.
Kreitmeier: Das erste Kennenlernen lief in einem Videochat ab, in dem sich jede Spielerin vorgestellt hat. Ab Juli sind wir ins Training eingestiegen - und konnten gleich den Vorteil nutzen, dass Inchenhofen ein Beachvolleyballfeld hat. In der Halle war anfangs nur eine Stunde Training am Stück erlaubt, also haben wir uns vorher eine Stunde lang draußen warmgemacht. Volleyballspielen können wir alle, deshalb war das Wichtigste, als Mannschaft zusammenzufinden. Und für die kurze Zeit und die Umstände ging das, finde ich, recht schnell. Die Trainer haben das sehr gut hinbekommen, auch indem sie darauf geachtet haben, in den Übungen Aichacherinnen und Inchenhofenerinnen durchzumischen.

Der Plan sah vor, dass die Mannschaft zweimal pro Woche trainiert, einmal in Aichach und einmal in Inchenhofen. Die Trainer, Böck und sein Inchenhofener Kollege Roland Wanka, sollten dementsprechend abwechselnd die Einheiten leiten und am Spieltag gemeinsam coachen.


AZ: Wie ist es, plötzlich unter zwei verschiedenen Trainern zu spielen?
Rabl: Ich finde, das ist ein positiver Effekt der Spielgemeinschaft. Beide Trainer haben einen Blick von Außen mitgebracht auf zwei eingespielte Mannschaften. So gab es für uns Spielerinnen neuen Input, alle können etwas Neues dazulernen.
Kreitmeier: Man merkt, dass die beiden in intensivem Austausch miteinander stehen. Und man merkt, mit wie viel Engagement sie dahinter sind. Beide haben zwar ihre Trainingstage, sind aber letztlich immer da. Roland will schließlich die Aichacherinnen genau kennenlernen, Stefan die Inchenhofenerinnen.


AZ: Die beiden haben plötzlich die Qual der Wahl in Sachen Aufstellung. Wie geht ihr als Spielerinnen mit der ungekannten Konkurrenzsituation um?
Kreitmeier: Klar, dass die eine oder andere Spielerin Sorgen hat und nachdenkt: Kriege ich meine Einsätze? Das ist in einer Mannschaft mit 14 Mitgliedern normal. Doch genau diese Situation war auch etwas, was in unserer offenen Diskussion über die Spielgemeinschaft von allen gutgeheißen wurde: Dass jede von uns Leistung und Engagement zeigen muss, um in der Startaufstellung zu stehen.
Rabl: Genau. Ich denke, jede von uns fragt sich mal, ob die andere besser ist. Ich finde, man muss das positiv umsetzen, im Training Gas geben. Und das merkt man in den Einheiten. Das Niveau im Training ist gestiegen und es wird weiter steigen, wenn Volleyball wieder unter normalen Bedingungen möglich ist. Und der große Kader gibt uns Spielerinnen ja auch Sicherheit.


AZ: Inwiefern?
Kreitmeier: In der Saison zuvor waren wir zu Acht. Fallen dann Spielerinnen aus - verletzt, krank oder weil sie schwanger werden - hat man schnell bedrohlich wenige Leute. Das heißt, man muss immer durchziehen, wenn es irgendwie geht. Jetzt weiß ich, dass ich auch selbst mal aussetzen kann, wenn ich mich nicht gut fühle oder angeschlagen bin, ohne das Gefühl zu haben, die Mannschaft im Stich zu lassen.
Rabl: Und nur mit einem entsprechenden Kader kann man in der Bezirksliga bestehen. Der Leistungs-Unterschied zur Bezirksklasse ist enorm. Und, so ehrlich muss man sein: Nur mit unserer Inchenhofener Mannschaft wäre es in der Bezirksliga richtig schwer geworden.


AZ: Aichachs Trainer Stefan Böck sagte vergangenes Jahr gegenüber unserer Zeitung, solo hätte Aichach auf den Aufstieg verzichtet.
Kreitmeier: Wir haben vor dem Zusammenschluss über den Aufstieg diskutiert und waren der Meinung, dass die Bezirksliga mit sieben Spielerinnen nicht zu stemmen ist. Ich glaube aber, letztendlich hätten wir es trotzdem versucht. Einen Aufstieg gibt man dann doch nicht her.

Vor dem ersten - und bislang einzigen - Doppelspieltag Mitte Oktober herrschte innerhalb der Klubs Zuversicht: Wenn zwei Teams, die in der Bezirksklasse starke Auftritte gezeigt haben, sich zu einer Mannschaft zusammenschließen, sollte einiges möglich sein. Im ersten Match gegen Gastgeber VfR Jettingen gewann die SG keinen Satz, unterlag 0:3. Gegen Aufstiegsfavorit TSV Friedberg gelang der erste Achtungserfolg, der erste Durchgang ging an Aichach-Inchenhofen. Das Spiel wurde allerdings 1:3 verloren. Das Fazit damals: Es braucht mehr Druck und Variabilität im Angriff sowie eine konsequentere Blockarbeit.


AZ: Waren die Erwartungen damals zu hoch?
Kreitmeier: Überhaupt nicht. Auch wenn wir uns gegen Jettingen tatsächlich mehr erhofft haben. Der VfR war an diesem Tag aber eben wirklich stark. Gegen Friedberg war absehbar, dass wir nicht unbedingt gewinnen. Ich würde ohnehin über die bloßen Ergebnisse hinaus schauen: Wir haben spielerisch zwei super Spiele gezeigt. Vor allem: Es hat richtig Spaß gemacht. Es ist schade, dass nun wieder eine Zwangspause ist. Da wären sicher noch ein paar interessante Spieltage rausgekommen.
Rabl: Das sehe ich genauso. Klar, am Anfang war eine gewisse Nervosität da. Aber dann haben wir gut zusammengespielt - vor allem unter dem Aspekt, dass wir kein Testspiel oder Vorbereitungsturnier hatten. Wir haben also das erste Mal überhaupt in dieser Formation zusammengespielt - und das dann gleich in der Bezirksliga.


AZ: Zunächst sollte das Projekt SG auf diese Saison begrenzt sein. Nun ist die Spielzeit unterbrochen, ihre Fortsetzung ungewiss. Für die Spielgemeinschaft wird es hoffentlich nicht nur bei diesem einen Auftritt bleiben?
Rabl: (lacht) Der Verband hat zwar die Möglichkeit geschaffen, dass die Saison bis 1. Mai verlängert werden kann. Aber ich glaube tatsächlich nicht, dass diese Saison noch weitergespielt wird. Aber wir werden sicher als SG weitermachen. Dann geht es erst richtig los!


AZ: Wohin kann es mit der Spielgemeinschaft gehen? Könnt Ihr auf Sicht zu den Spitzenteams der Liga gehören?
Rabl: Erst einmal geht es darum, sich in der Bezirksliga zu etablieren. Ich schließe aber keinesfalls aus, dass wir vielleicht sogar mal oben mitspielen. Aber bis dahin braucht es noch viel Zeit und viel Arbeit. Dazu muss man rundum eingespielt sein, muss genau wissen, was die Mitspielerinnen neben einem machen.
Kreitmeier: Erstes Ziel ist, den Platz in der Liga zu halten. Das sollte machbar sein. Alles weitere wird sich zeigen. Es ist auf jeden Fall Potenzial da. Zunächst müssen wir uns komplett als Mannschaft finden.


AZ: Von Konkurrentinnen zu Kolleginnen in Zeiten von Trainingsverboten und -beschränkungen, von Hallensperrungen und Kontaktverboten. Kann sich die SG unter diesen Umständen überhaupt schon wie eine echte Mannschaft anfühlen?
Kreitmeier: Ich würde schon sagen, dass es sich so anfühlt. Klar hatten wir jetzt nur eine kurze Zeit miteinander. Aber das Gefühl ist definitiv da.
Rabl: Das sehe ich auch so. Und dieses Gefühl wird sicher mit der Zeit verstärkt. Ich finde es sowieso erstaunlich, wie super die Harmonie innerhalb der Mannschaft auf Anhieb war. Es gab trotz der gestiegenen Konkurrenzsituation überhaupt keine Zickereien.


AZ: Wird also Zeit, dass es wieder weitergeht...
Kreitmeier: Natürlich. Ich vermisse es vor allem, gemeinsam zu den Spieltagen zu fahren, die Spannung während der Spiele zu erleben und danach zusammen Essen zu gehen.
Rabl: Mir geht das auch alles sehr ab; das Training, die Mädels. Ich spiele seit mehr als 15 Jahren Volleyball, dieser Sport ist ein großer Teil meines Lebens.


Das Gespräch führte David Libossek


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Kooperation am Netz: Die Volleyballerinnen der TSVs aus Leahad und Aichach mit ihren Trainern Roland Wanka (links) und Stefan Böck.



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Veröffentlicht am 25.01.2021 15:24 Uhr