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Adlerhorst-Comeback in der Bezirksliga

Sulzbach/Willprechtszell - Jetzt ist es offiziell: Der Schützenbezirk Oberbayern hat die Rundenwettkampfsaison 2019/20 in den Gauen beendet. Seit 8. Juni ist zwar das Training an den Ständen wieder möglich, doch Wettkampfsport bleibt in geschlossenen Räumen nach wie vor verboten. Unter diesen Gesichtspunkten hat der Schützenbezirk Oberbayern die Saison in sämtlichen Ligen LG/LP, Pistole KK, Pistole GK und LG Auflage endgültig abgebrochen, auch wenn von den obersten Gauligen 19 Ligen mit dem Luftgewehr und elf Klassen mit der Luftpistole die Runde nicht beenden konnten.


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Große Freude bei Veronika Pfaffenzeller, Simon Neukäufer, Franziska Abler und Daniel Gadletz (von links). Das Quartett von Adlerhorst Sulzbach steigt in die Bezirksliga Nord-West auf. Foto: Müller


Für die Aufstiegsregelung in die Bezirksligen hat das Bezirksschützenmeisteramt nun folgende Regelung getroffen:
Die Tabellenstände zum Zeitpunkt des Abbruchs (13. März 2020) werden offiziell gewertet. Die Siegermannschaft wird als Meister der jeweiligen Gauliga gezählt.
Aus den jeweils Erstplatzierten der oberen Gauligen wird für LG und LP eine Tabelle für jeweiligen Regionalgruppen nach dem Ringdurchschnitt erstellt.
Für diejenigen Mannschaften, die ihre Runde nicht mehr beenden konnten, geht der aktuelle Ringschnitt zum Zeitpunkt des Abbruchs in die Tabelle ein.
Für zwei Vereine aus dem Schützengau Aichach sind das sehr gute Nachrichten: Die Luftgewehrschützen von Adlerhorst Sulzbach durften, wie bereits in unserer Ausgabe vom 26. Mai berichtet, mit dem Aufstieg rechnen. Völlig überrascht hingegen sind die Luftpistolenschützen von Almenrausch Willprechtszell-Schönleiten, die davon profitierten, dass aus dem Bereich Nord-West zwei Klubs in die Bezirksliga aufsteigen dürfen.
Wie gesagt, das junge Adlerhorst-Quartett durfte schon irgendwie auf das Comeback in der Bezirksliga spekulieren. Denn beim Quervergleich mit den vier anderen Tabellenführern der höchsten Ligen der Gaue Pöttmes-Neuburg, Friedberg, Landsberg und Fürstenfeldbruck, die mit dem Gau Aichach den Unterbau der Bezirksliga Nord-West bilden, haben die Sulzbacher den besten Ringdurchschnitt (1534,00 im Schnitt, der Zweite in dieser Rangordnung, Ottmaring, kommt auf 1530,83). Die Freude über die Rückkehr in die Bezirksliga nach 22 Jahren ist bei den Schützen im Aichacher Ortsteil groß. "Das ist natürlich schön, dass es nach so vielen Anläufen endlich geklappt hat", sagt Adlerhort-Schützenmeister Josef Weiß, "schade nur, dass wir den Aufstieg nicht feiern können."
Rund zwei Jahrzehnte war Adlerhorst Sulzbach mit seinen Top-Schützen wie Wolfgang Burkhard oder Erich Schallmair im vergangenen Jahrtausend das Aushängeschild des Schützengaues Aichach. Bis zum Abstieg 1998 schossen die Sulzbacher auf Bezirksebene, danach gehörten sie bis jetzt ununterbrochen der Gauoberliga A an. Gereicht hat es für eine Rückkehr in den 22 Jahren aber nie. Schon im vergangenen Jahr wurde das Adlerhorst-Quartett Meister, doch damals reichten die 1522,50 Ringe im Schnitt bei weitem nicht. "Das war schon damals nicht schlecht", sagt Weiß anerkennend. Heuer führte nun kein Weg an den Sulzbachern vorbei, die ihren Schnitt noch einmal um fast zwölf Ringe steigerten.
"Es wäre schon frustrierend, wenn es wieder nicht klappt", befürchtete Veronika Pfaffenzeller noch vor wenigen Wochen im Gespräch mit der Aichacher Zeitung . Die 21-jährige Top-Schützin hatte maßgeblichen Anteil am Aufstieg; sie machte einen gewaltigen Leistungssprung, steigerte ihren Ringdurchschnitt gegenüber der Saison 2018/19 (380,7) um zwölf Ringe (392,67). Zu Jahresbeginn wurde Pfaffenzeller als Aichachs Sportlerin des Jahres 2019 ausgezeichnet, zudem wurde sie zusammen mit ihren Teamkollegen Franziska Abler, Simon Lorenz Neukäufer und Daniel Gadletz auch noch als Mannschaft des Jahres geehrt. "Wir wollen am liebsten im klassischen Sinn aufsteigen", betonte Pfaffenzeller Anfang Mai. Dass es nun Corona-bedingt anders gekommen ist, dürfte den vier Adlerhorst-Schützen aber auch nichts ausmachen.
1434 Ringe erzielten die Willprechtszeller Luftpistolen-Schützen im siebten Durchgang des Rundenwettkampfs. Das zweitbeste Saisonergebnis (nach den 1440 Ringen beim Sieg in Oberbernbach), geschossen am 11. März, einen Tag, bevor die Schießwettbewerbe eingestellt wurden, könnte vielleicht entscheidend im Rennen um den zweiten Aufstiegsplatz gewesen sein. Nicht einmal ein halber Ring betrug der Vorsprung der Almenrausch-Schützen vor dem Konkurrenten Hubertus Riedheim aus dem Schützengau Pöttmes-Neuburg. "Es zählte jeder Ring", schnauft Helmut Braunmüller rückblickend tief durch.
Braunmüller, der mit dem Luftgewehr-Team auch schon in der Oberbayernliga schoss, war mit seinen 367,14 Ringen im Schnitt Bestschütze in der Gauliga. Mit der Bezirksliga betreten die Almenrausch-Luftpistolenschützen Neuland. Ende der 1990er-Jahre waren die Willprechtszeller schon einmal dabei, als noch in Bad Wiessee die Aufsteiger ausgeschossen wurden. "Da haben wir aber nicht gut abgeschnitten", erinnert sich Braunmüller, "das es jetzt aber geklappt hat, ist eine schöne Sache."

Von Herbert Walther


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Helmut Braunmüller. Foto: Ch. Berger



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Veröffentlicht am 12.06.2020 16:59 Uhr



 
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