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Oberbayernliga West: Tagbergschützen Gundelsdorf feiern Premiere im neuen Zuhause

Gundelsdorf - Der Schützenmeister trägt eine beige Arbeitshose und schwere schwarze Schuhe. "Servus, ich bin der Alex", sagt er, als er die grau umrahmte Glastür öffnet und seine Hand entgegenstreckt. Die Kleidung passt. Nicht nur deshalb, weil Alexander Kröpfl Schreiner ist. Auch, weil das Gebäude, in das Kröpfl nun bittet, mehr als drei Jahre lang eine Baustelle war. Eine, auf der Mitglieder des Schützenvereins Tagberg Gundelsdorf Tag und Nacht schufteten. Für ihre neue Heimat. Und dafür, dass am 12. Januar geschossen werden kann.


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Es ist keinesfalls mit Pathos überladen, wenn man dieses Datum als ein historisches für den Verein und seine mehr als 200 Mitglieder bezeichnet. Es ist der Tag des ersten Heimwettkampfs der ersten Tagberg-Mannschaft. Nicht nur in dieser Saison: Es ist der erste echte Heim-Auftritt der Gundelsdorfer Schützen in sieben Jahren Oberbayernliga-Zugehörigkeit. Gemütlichkeit Olching, Winterlust Staudheim und der SV Prem gastieren nämlich nicht wie zuvor an der Ausweichstätte in Bayerdilling. Sie kommen nach Gundelsdorf, Pfarrer-Kessler-Straße 4. "Die Vorfreude ist selbst bei den Gegnern groß", sagt Kröpfl und zitiert eine Aussage aus dem Lager eines Kontrahenten: "Jetzt sind wir mal da, wo Ihr wirklich herkommt."
Die Mannschaften und ihre Entourage werden nicht die einzigen Premierengäste des Tabellenführers bleiben. Neben denen, die eh immer da sind, werden zahlreiche Leute aus dem Pöttmeser Ortsteil und seiner Umgebung durch die gläserne Tür treten, die einfach mal schauen wollen. "Es ist unberechenbar", sagt Kröpfl über den möglichen Ansturm, aber, so viel sei sicher, "die Hütte wird voll sein."
Der Schützenmeister führt durch einen kurzen Flur. Mit Pokalen gefüllte Vitrinen stehen Spalier, das Holz, in dem die Wände gehalten sind, duftet. Der Gang endet im Gastraum. Hier endet die Führung abrupt. Vor einer Theke aus glänzendem Edelstahl steht Anni Heise. "Schaschlik-Pfanne, Putengeschnetzeltes oder ein Gulasch?", fragt sie Kröpfl. Es drängt: Heise hat bereits die Bommelmütze auf, die Ministranten warten schon auf die Meßnerin. In diesem Moment ist Heise aber noch Dritte Vorsitzende von Tagberg - und vor allem federführend zuständig für die Küche. Es bleibt schließlich nur etwas mehr als eine Woche Zeit, bis zahlreiche Ellenbogen auf dem Edelstahl des Tresens abgelegt werden, deren Besitzer auf Essen und Getränke warten. Die Tagbergschützen wollen vorbereitet sein.
"Keiner wird verdursten oder verhungern", verspricht Kröpfl, nachdem die Schaschlik-Gulasch-Geschnetzeltes-Frage geklärt ist. Dann macht er das Licht an und lehnt sich gegen einen Holztisch. Er beobachtet, wie Helligkeit den hinteren Bereich des Saals flutet, der bisher im Dunkeln lag. Eine lange anthrazitfarbene Theke tut sich auf, auf der sich Display an Display reiht. Gegenüber ruhen Zielscheiben in ihren Rahmen.
Der Blick des Schützenmeisters wandert über die Anlage, die so viel mehr ist als Holz und Technik. Sie ist das Herzstück des neuen Wohnzimmers von Tagberg, das Ergebnis von beinahe zehn Jahren Schufterei. Von mehr als 20 000 Arbeitsstunden, die 70 bis 80 Mitglieder des Vereins auf der Baustelle investierten, von den Spendengeldern. Vom Kampf um Zuschüsse und dem zähen Ringen mit der Bürokratie, vom quälenden Studieren von Paragrafen, von Nächten, in denen er lange wach lag. Vom Abriss des Pfarrheims im Herbst 2016, an dessen Stelle das Schützenheim nun steht, bis zum 12. Januar, an dem es endlich soweit sein wird.
"Der erste Oberbayernliga-Heimkampf", fängt Kröpfl schließlich an, "ist etwas, wo man so lange hinwollte." Mit nur 23 Jahren wurde der heute 42-Jährige Schützenmeister von Roland Gundelsdorf, und ist es nach dem Zusammenschluss mit Hubertus 2012 nun auch bei Tagberg. Vor zehn Jahren, erzählt er, habe er den Gedanken das erste Mal im Hinterkopf gehabt, zwei Jahre später sei mit der Fusion die Grundvoraussetzung dafür geschaffen worden. "Es ist ein schönes Gefühl", befindet Kröpfl, die Augen auf die zwölf Stände im großen Saal gerichtet.
Mit ihnen erfüllt Tagberg nun die Oberbayernliga-Richtlinien: Fünf Schützen je Mannschaft können gleichzeitig zu ihren jeweiligen Duellen antreten, zwei Stände dienen als Ersatz. Durch eine Tür ist eine Reihe weiterer Schießplätze zu erkennen, acht Stück an der Zahl. "So können wir alle circa 70 aktiven Schützen einigermaßen handeln", erläutert der 42-Jährige.
In einer Glaskabine steckt die Technik: Zahlreiche Kabel laufen hier zusammen, an Computern werden die Ergebnisse ausgewertet. Aber auch Regie geführt. In den Ecken gegenüber den Ständen sind Kameras angebracht, so können die Zuschauer via Leinwand die Schützen auch von vorne sehen. Währenddessen laufen die Ergebnisse live mit. Eine vier Stunden dauernde Schulung mussten die Verantwortlichen absolvieren, um das Computerprogramm kennenzulernen, weitere werden folgen. Bei der Generalprobe, einem Testwettkampf der ersten und zweiten Mannschaft gegen Mendorf, funktionierte alles reibungslos. Küche wie Technik.
"Früher sind zehn Schützen mit Zehner-Streifen im Keller verschwunden, nach einer Stunde wieder raufgekommen, dann wurde ausgewertet und dann hatte halt eine Mannschaft gewonnen und eine verloren", beschreibt Kröpfl und schiebt hinterher: "So einfach ist das heute nicht mehr." Das meint er keinesfalls bedauernd. Der Schützensport öffne sich dadurch und sei publikumsfreundlicher, findet der 42-Jährige, die Stimmung während eines Wettkampfs erinnere ihn an die "in einem Fußballstadion".
Am kommenden Sonntag dürfte im Schmuckkästchen vis-à-vis der Kirche ab 9.45 Uhr eine besondere Atmosphäre herrschen. Tagberg Gundelsdorf wird daheim ankommen. Auch wenn drinnen noch ein bisschen Baustelle bleibt, das Haus mit den grauen und grünen Streifen an seinen Wänden noch auf einen Außenbereich wartet, und am Premierentag "sicher nicht alles 1000-prozentig klappen wird", wie Kröpfl prophezeit, wird der Schützenmeister dennoch die Arbeitshose ablegen und die Tür im Festtagsgewand öffnen. "Wenn die Leute uns dann unsere tolle Anlage bestätigen, dann wird uns das wahnsinnig freuen. Dann weißt du, wofür du die ganze Arbeit getan hast." Das neue Schützenheim von Tagberg Gundelsdorf bietet eine hochmoderne Schießanlage, einen Gastraum samt Küche, Umkleidekabinen mit Rückzugsmöglichkeiten, einen Jugend- sowie einen Fitnessraum und passenden Bodenschmuck. Am 12. Januar bestreitet die Oberbayernliga-Mannschaft hier ihren ersten Heimwettkampf. Die Vorfreude bei Schützenmeister Alexander Kröpfl ist groß - auch weil fast alles in Eigenleistung der Mitglieder entstanden ist. Fotos: Libossek, 3 /Mörtl Zuschuss-Kampf, 20 000 Arbeitsstunden und schlaflose Nächte

Von David Libossek


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Veröffentlicht am 03.01.2020 18:19 Uhr



 
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