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TSV-Ringer ziehen Staffel zurück

Aichach - Nirgendwo werden Geheimnisse besser gehütet als bei den Aichacher Ringern. Als diese noch bei Mannschaftskämpfen auf der Matte präsent waren, wurde das Rätsel, wer in welcher Gewichtsklasse und Stilart ringt, meistens erst beim offiziellen Wiegen gelüftet, um die Gegner beim Aufstellungspoker zu überraschen. Das hat übrigens auch die Konkurrenz so praktiziert.


besmella
Solch spektakuläre Aktionen wie von Obaidullah Besmella werden die Aichacher Ringerfans auch heuer nicht zu sehen bekommen. Der TSV hat zum einen seine Staffel kurz vor Saisonstart aus der Landesliga Süd zurückgezogen, zum anderen wechselte der Afghane nach Dewangen in die württembergische Oberliga. Foto: Peter Thurner


Aber auch sonst geben sich die Paarstädter Mattenkämpfer, was ihr Informationspolitik betrifft, zurückhaltend wie eh und je. Eine Nachricht wie jene, dass der Aichacher Siegringer der vergangenen Jahre, Obaidullah Besmella, den TSV Aichach verlassen hat, erfährt man über andere Quellen. Besmella, der nach seiner Flucht aus seinem Heimatland Afghanistan 2015 in Aichach gelandet war, verlor von 85 Kämpfen lediglich vier. Der 26-jährige Bantamgewichtler ringt künftig für den württembergischen Oberligisten KG Fachsenfeld/Dewangen.
Und auch die aktuellste Meldung erfuhren nur diejenigen, die sich ab und zu auf der Homepage des Bayerischen Ringerverbands (BRV) informieren. Wer dort die Landesliga Süd anklickt, in der die TSV-Ringer eigentlich in der am Wochenende beginnenden Saison gestartet wären, stellt fest, dass die Aichacher ihre Staffel in der vergangenen Woche zurückgezogen haben.


Gschwendtner: "Es war für
uns alles zu unsicher"


Völlig überrascht war davon sogar der TSV-Vorsitzende Richard Hangl, als er es gestern Vormittag von der Aichacher Zeitung erfuhr. Das zweite Jahr nacheinander finden somit keine Mannschaftskämpfe mit Aichacher Beteiligung statt. Vor einem Jahr war die Situation aber noch eine ganz andere: Denn kurz nachdem der TSV Anfang Oktober 2020 sein Team zurückgezogen hatte, musste der Verband die Ringersaison in Bayern aufgrund der Corona-Pandemie komplett absagen.
Corona ist auch in der bevorstehenden Saison nach wie vor ein unliebsamer Begleiter. Für Ringer-Abteilungsleiter Matthäus Gschwendtner stellt das Musterhygienekonzept des Verbands einen "massiven personellen Aufwand" dar. Wer sorgt etwa dafür, dass die 3G-Regel für Wettkämpfer und Zuschauer eingehalten und kontrolliert wird? "Es war für uns alles zu unsicher", erklärt Gschwendtner den Rückzug. Der 28-Jährige sprach auch davon, dass die Abteilung, was den Austragungsort der Heimkämpfe anging, lange "keine Planungssicherheit" gehabt habe.
Bekanntlich ist die Vierfachturnhalle derzeit gesperrt, weil dort erst die Mängel an dem in den Sommerferien 2020 neu verlegten Hallenboden beseitigt werden müssen. Die Arbeiten werden in der kommenden Woche erledigt, so dass pünktlich die Sporthalle am Gymnasium mit Schulbeginn, davon geht das Landratsamt aus, für Vereins- und Schulsport wieder zugänglich ist. Warum sich die Abteilungsleitung nicht noch einmal beim Landratsamt oder beim Hauptverein rückversichert hat, ab wann die Halle wieder nutzbar wäre, bevor sie in der vergangenen Woche diese weitreichende Rückzugsentscheidung gefällt hat, erklärt Gschwendtner damit, "dass wir für die Planungen einen Vorlauf brauchen". Denn zuletzt sind die Ringer für ihre Trainingseinheiten nach Ecknach ausgewichen. Dort wären allerdings bis gestern, bevor die Bayerische Staatsregierung die neuen Corona-Regeln verkündete, aufgrund des fehlenden Mindestabstands für Heimkämpfe keine Zuschauer möglich gewesen. Inzwischen gilt für Veranstaltungen im Innenbereich die 3G-Regel, die volle Platzkapazität kann unter Einhaltung der Maskenpflicht ausgeschöpft werden.
Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob die Aichacher Ringer ihre Staffel vielleicht zu früh aus dem Ligabetrieb genommen haben. "Es gab doch immer wieder ständige Änderungen", verteidigt Gschwendtner das Vorgehen der Abteilungsleitung. Schließlich drängte auch die Zeit, nachdem am kommenden Samstag die Runde mit einem Heimkampf begonnen und schon eine Woche später der zweite Kampf zu Hause auf dem Programm gestanden hätte.
Welche Auswirkungen der Rückzug für die Aichacher Ringer haben wird, wird sich erst 2022 zeigen, wenn der TSV ganz unten neu beginnen muss (siehe Interview mit BRV-Ligenreferent Jens Heinz). "Das träfe uns schon hart", betont Gschwendtner, auch wenn für den Ringerboss in dieser Hinsicht das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Sollte es aber tatsächlich so kommen, würden die Aichacher so tief wie noch nie ringen. "Das wäre dann schon fatal", meint ein langjähriger Begleiter der TSV-Ringer.

Von Herbert Walther



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Veröffentlicht am 01.09.2021 11:42 Uhr