Ringen    

Fernziel 2. Liga

Aichach – Oguz Özdemir hat es als Ringer ziemlich weit hinauf geschafft. Für den ASV Hof kämpfte er in der 2. Liga. Dorthin will er irgendwann unbedingt zurück – als Trainer des TSV Aichach.

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In die zweithöchste Klasse, der sie Ende der Siebziger des vergangenen Jahrhunderts schon einmal angehörten, ist es für die Paarstädter aber noch ein gutes Stück hin. Gerade haben sie die Bayernliga als Vierter mit 13:15 Punkten abgeschlossen. „Das passt“, sagt Özdemir und ergänzt, dass er mit der Platzierung mehr zufrieden sei als mit dem Punktekonto. Die zwei Niederlagen in Mietraching und gegen Neumarkt ärgern ihn heute noch. „Sonst wären wir Dritter geworden, das höchste der Gefühle.“

Vom Spitzenduo – Hallbergmoos 28:0, Traunstein 24:4 – war der TSV weit entfernt. Özdemir wundert es nicht. Er hat mit Jozsef Andrasi, Akos Wöller und Peter Fodor drei hochkarätige Ungarn im Kader, die in dieser Saison keinen Kampf verloren haben, aber er darf pro Kampftag nur zwei Ausländer einsetzen.

Dazu hat sich die Berliner Fraktion im Aufgebot heuer in Aichach sehr rar gemacht. Ramazan Aydin, 42, der 15 Jahre Mitglied der deutschen Nationalmannschaft war, bestritt nur einen Kampf, sein jüngerer Bruder Senol gar keinen, Aleksander Sommer zwei. Das soll sich im nächsten Jahr ändern, vor allem, was Sommer angeht. Der 32-Jährige zieht demnächst Sommer nach Aichach, um sich auf die deutsche Meisterschaft vorzubereiten. So will Özdemir den russischstämmigen Schwergewichtler an den TSV binden. Gewiss, wer Özdemir vor der Saison von seinem Personal schwärmen hörte, der durfte schon mehr erwarten als Rang vier. Aber ihre Bestbesetzung hatten die Aichacher halt auch nie nur annähernd beisammen. Wobei bisweilen auch finanzielle Gründe eine Rolle spielten und Özdemir sich die Anreise seiner ungarischen Stars sparte.

Die Aichacher müssen mit dem Geld, das ihnen zur Verfügung steht, gut haushalten. Könnte er über das Budget anderer Bayernligisten verfügen, wäre er mit dem TSV in der 2. Liga, ist Özdemir überzeugt. Exemplarisch nennt er Siegfried Hallbergmoos. Die Flughafenanrainer haben mit Lufthansa und Weihenstephan zwei potente Sponsoren. „Dagegen schaut’s in Aichach mit großen Unternehmen eher mau aus“, sinniert der 34-Jährige. Meisinger würde die Handballer unterstützen, und die Fußballer hätten den Thierhauptener Weingartner. Apropos BCA. „Mit dessen Etat wäre ich im Ringen deutscher Mannschaftsmeister“, betont Özdemir.

Trotz der knappen wirtschaftlichen Ressourcen ist Özdemir bemüht, den Kader fürs nächste Jahr weiter zu verstärken, um die Oberliga angreifen zu können. An zwei Spitzenringern sei er dran.

Von der aktuellen Belegschaft will Özdemir alle halten. Bis Ende Dezember will er Bescheid haben. Er weiß aber sehr wohl, dass sich auch 2014 noch einiges tun kann auf dem Markt, denn die Wechselfrist läuft erst am 31. Mai ab.

Von zwei der drei Ungarn habe er schon die feste Zusage, sagt Özdemir. Wessen Jawort noch aussteht, will er nicht verraten, weil sonst nur die Konkurrenz hellhörig wird.

Auf Martin Klopf wird der Coach natürlich weiterhin bedingungslos setzen. Der Ex-Bundesligaringer (Johannis Nürnberg) war erfolgreichster Aichacher, holte bei einer Niederlage zwölf Siege. Das ungarische Trio blieb zwar unbezwungen, kam aber auf deutlich weniger Kämpfe. Neben Kyrillos Poutakidis (inzwischen „Sportdeutscher“) hat auch Moritz Oberhauser, 21, bei Özdemir beste Karten. Der 21-Jährige hat den Trainer begeistert, wie er sich, obwohl ihm einige Kilo gefehlt haben, nach dem Aufstieg vom Leicht- ins Weltergewicht (bis 74 Kilo) geschlagen hat.

Özdemir fällt es schwer, seinen persönlichen Favoriten aus der Aichacher Staffel zu benennen. „Klopf ringt spektakulär, Wöller gewinnt immer, Fodor ist der beste Schwergewichtler der Bayernliga, der sogar den Vize-Weltmeister Lukosaitis bezwungen hat, Andrasi war Fünfter bei der Europameisterschaft“, zählt er seine Topleute auf. Dass der 18-jährige Andrasi für 2014 das Gewicht (bis 55 Kilo) nicht halten kann, diese Angst hat Özdemir nicht. Denn international will die „Magyaren-Fliege“ im nächsten Jahr sogar für die 50-kg-Kategorie „abkochen“.

Özdemir findet großen Gefallen daran, die Aichacher Ringer zu trainieren. „Wenn ich bedenke, wie wir vor einigen Jahren noch herumgekrebst sind, dann haben wir uns enorm gesteigert. Inzwischen haben wir viel Potenzial im Kader.“ Den Vertrag wird er mit TSV-Ringerchef Robert Held wie üblich per Handschlag verlängern.

Zunächst einmal aus der Bayernliga herauszukommen, wird für die Aichacher ab nächsten September schier eine Herkulesaufgabe. Denn das Achterfeld könnte so stark werden wie noch nie. Neben Schonungen droht auch Penzberg und Oberölsbach der Absturz aus der Oberliga. Die Zahl der Absteiger hängt davon ab, ob sich Unterföhring und Burgebrach in der 2. Liga halten. Der gleitende Abstieg lässt in der Bayernliga Westendorf 2 (7.) und Neumarkt (6.) jetzt noch zittern. Nicht umsonst hat Özdemir vor ein paar Wochen gewarnt, der TSV sei noch nicht aus dem Schneider.

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Von Heribert Oberhauser


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Veröffentlicht am 11.12.2013 21:59 Uhr




 

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