Ringen    

Rückzug von der Matte

Aichach - "Wir haben uns dafür entschieden teilzunehmen", betont Aichachs Ringer-Abteilungsleiter Matthäus Gschwendtner, "ansonsten würden wir für ein Jahr nahezu komplett von der Bildfläche verschwinden." "Für eine Sportart wie unsere, die jetzt nicht so im Rampenlicht steht, ist es wichtig, wahrgenommen zu werden", fügt TSV-Trainer Moritz Oberhauser an. Die Aussagen Gschwendtners und Oberhausers stammen noch aus dem Sommer, noch zu jener Zeit, als die täglichen Corona-Infektionszahlen bundesweit noch im dreistelligen Bereich lagen. Schon damals haben aber bereits weit über die Hälfte der bayerischen Ringervereine, darunter etwa so Traditionsklubs wie Mering, Hof, Trostberg, Traunstein, Lichtenfels, Freising oder Penzberg, ihre Teilnahme an den Mannschaftskämpfen im Herbst abgesagt. "Vielleicht bekommen wir vier Ligen zusammen", hoffte seinerzeit Stefan Günter, der Pressesprecher des Bayerischen Ringerverbandes (BRV).


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Auf derlei spektakuläre Aktionen wie von Aichachs Mittelgewichtsringer Maximilian Noder (rotes Trikot) müssen Aichachs Fans nun lange verzichten. Der TSV hat zu Wochenbeginn seine Staffel zurückgezogen. Foto: Peter Thurner


Jetzt, knapp drei Wochen vor dem geplanten Start der Mannschaftskämpfe am 24. Oktober, hagelt es weitere Absagen. Immer mehr Vereine können und wollen nicht starten - wie jetzt auch der TSV Aichach. Davor haben bereits der SC Anger (Oberliga- und Bayernligateam), der TSV Diedorf (Gruppenliga Süd) sowie die in Bayern ringende Kampfgemeinschaft Südthüringen (Bayernliga Nord) ihre Staffeln zurückgezogen. Am vergangenen Wochenende ist nun diese Entscheidung auch in der TSV-Ringerabteilung gereift, vorgestern, am Montag, wurde schließlich BRV-Ligenreferent Jens Heinz informiert, dass die Aichacher nun doch nicht auf die Matte gehen werden. "Wir wollten ringen", bedauert Geschwendtner den Rückzug. Für diese Übergangssaison, in der es keine Auf- und Absteiger gibt, wurden die Aichacher sogar eine Klasse höher, in die Bayernliga Süd, eingeteilt. "Es wäre eine Herausforderung gewesen, in dieser Liga zu ringen", sagt der TSV-Ringerchef, "wir wollten eigentlich Gas geben."
Doch das umfangreiche Hygienekonzept des BRV sowie der lokalen Behörden sei einfach nur mit sehr großem Aufwand zu erfüllen gewesen, erklärt Geschwendtner. "Es wäre schwer gewesen, einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Dieser Aufwand ist es nicht wert", sagt er weiter. Nach jedem Kampf muss die Matte desinfiziert werden, derweil, so sah es der TSV-Plan vor, hätte der nächste Kampf auf einem zweiten Untergrund stattfinden sollen. "Es würden einfach zu viele Helfer benötigt", führt Gschwendtner weiter aus. Schon vor Wochen gab es deshalb innerhalb der Abteilung bereits Bedenken hinsichtlich der Umsetzung des aufwändigen und umfangreichen Hygienekonzepts. Für die Umsetzung werden wohl viele freiwillige Helfer benötigt, erkannten damals schon die Unterföhringer Ringer. "Wir hoffen, dass es sich im Rahmen hält", hoffte Oberhauser noch vor ein paar Wochen. Aber für den Fall, dass das Konzept nicht durchführbar sei, ergänzte Oberhauser schon damals, würden die TSV-Ringer ihre Staffel zurückziehen. Das haben die Aichacher nun knapp zwei Monate später getan. Sanktionen durch den Verband braucht kein Verein zu fürchten. Für die Saison 2021 wird jeder Klub in die Liga eingruppiert, für die er ursprünglich auch 2020, aus Aichacher Sicht in der Landesliga Süd, vorgesehen war.
Nun wird aber genau das eintreten, worauf Florian Geiger, der für den Sport zuständige Vizepräsident des BRV, bereits vor Monaten hingewiesen hat, als er sich vehement für die Durchführung einer Wettkampfsaison in Bayern stark gemacht hat. "Unsere Sportart darf nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden", betonte der Deggendorfer. Doch das wird nun der Fall sein. Es ist zum heutigen Tag auch schwer vorstellbar, dass die üblich im ersten Quartal eines Jahres stattfindenden Meisterschaften auf Landes- und Bezirksebene oder Nachwuchsveranstaltungen wie das Wittelsbacher-Land-Turnier des TSV Aichach 2021 abgehalten werden können. Und Mannschaftskämpfe in Aichach werden dann auch erst wieder ab September nächsten Jahres zu sehen sein.

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 06.10.2020 17:02 Uhr



 
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