Radsport    

Daniel Bichlmanns unwiderstehliche Attacke

Aichach - 2012 war Daniel Bichlmann noch Zweiter geworden beim Aichacher Frühjahrsstraßenpreis hinter Max Werda, gestern nun triumphierte der 26-Jährige auf den 105 Kilometern "Rund um Oberwittelsbach". Weil er wusste, dass er im Sprint einer elfköpfigen Spitzengruppe keine Chancen haben würde, ritt der gebürtige Traunsteiner eineinhalb Kilometer vor dem Ziel die entscheidende Attacke. Im Nu hatte Bichlmann einen Vorsprung von hundert Metern herausgefahren,. Diese Lücke konnten die Rivalen auf der ansteigenden Zielgeraden nicht mehr schließen.


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War nach Platz drei im U 13-Rennen schwer enttäuscht: Daniel Schrag.


Damit wurde es nichts mit dem Hattrick von Florenz Knauer, der in den vergangenen zwei Jahren gewonnen hatte. Als sich die elf Ausreißer auf die letzte Runde machten, rechneten viele mit einem Spurtsieg Knauers. Der hatte sich auf den ersten achtzig Kilometer im Feld versteckt und erst nach zwölf Runden zur Spitze aufgeschlossen. Letztlich sprang für Knauer Platz zwei heraus. Er sei schon "ein wenig enttäuscht", räumte der Fahrer aus dem Team Baier Landshut ein. "Auf den letzten Kilometern waren alle auf mich fokussiert, deshalb konnte Daniel wegfahren", analysierte der Franke die entscheidende Phase. Andererseits gönne er Bichlmann als ehemaligem Teamkollegen (zwei Jahre gemeinsam bei Baier Landshut) den Sieg von Herzen.
Bichlmann, der in Ruhpolding lebt, war in der Aichacher Peripherie als Einzelkämpfer des Teams Bike Aid unterwegs. Ein Großteil dieses Rennstalls absolviert zurzeit die Marokko-Rundfahrt. Für die wurde der Oberbayer nicht nominiert, weil er noch auf der Suche ist nach seiner Form. Also bewertete Bichlmann, der 20 Stunden in der Woche als Kaminkehrer arbeitet und dabei eine sehr verständnisvolle Chefin hat, das Rennen in der Paarstadt auch als "schönes Alternativpogramm. Wichtig war es für mich, Gas zu geben." Das ist Bichlmann, der zweieinhalb Monate im neuseeländischen Sommer "überwinterte" und dabei einige Trainingskilometer herunterspulte, eindrucksvoll gelungen.
Fabian Schormair (Heizomat) wurde 17. unter den knapp achtzig Pedalrittern des Hauptrennens. Das ist ein respektables Resultat nach all dem, was ihm in den letzten vier Wochen widerfahren war mit einer bakteriellen Infektion (Antibiotika) und dem Sturz am Ostermontag in Schön-aich zwei Tage nach seinem grandiosen Sieg in Singen. Zu allem Übel fing sich der 19-Jährige in den letzten Tagen auch noch eine Erkältung ein. Trotz dieser Handicaps war Schormair vor seiner Haustür sehr motiviert und griff etwa nach der Hälfte des Rennens einige Male an. "Aber leider war ich immer in der falschen Gruppe", musste der Untergriesbacher zur Kenntnis nehmen. Letztlich habe er "für einen Sieg nicht die Kraft in den Beinen gehabt nach fast einem Monat ohne gescheites Training.
Beachtlich schlug sich Timon Loderer als Sechster. Der Ex-Radteam-Fahrer gehörte zu einem Oktett, das sich nach elf Runden dreihundert Meter vom Peleton absetzte. Sieben Kilometer später waren dann doch wieder 13 Pedalritter vorne dabei. Das zeigt, welch große Rückstande durch ein Miteinander in relativ kurzer Distanz wettzumachen sind. Vom Heizomat-Trio war allerdings keiner dabei, obwohl Holger Burkhardt wie Schormair zwischendurch aufhorchen ließ.
In den ersten zehn Runden war das Feld ziemlich dicht beisammen, Ausreißversuche wurden im Keim erstickt. Kritisch wurde es in der neunten Runde, als die Elitefahrer die U 17 (28 Kilometer) einzuholen drohten. Die Jungspunde retteten so eben noch einen Vorsprung von hundert Metern ins Ziel. Andernfalls hätte es bei der Ermittlung der U 17-Platzierungen ein rechtes Chaos gegeben.
Bichlmann brauchte für die 105 Kilometer 2:23,20 Stunden. "Diese Zeit kann sich sehen lassen", meinte Organisationsleiter und Radteam-Vorsitzender Hubert Stöffel, der das Rennen am Mikrofon begleitete; sie lag aber 1:19 Minuten über dem Streckenrekord von Philip Ries 2011. "Da heißt es nächstes Jahr wieder angreifen", meinte Stöffel in Richtung der Fahrer. Die kommen gern nach Aichach. Auch gestern bescheinigten sie Stöffel und seinem Helferstab eine perfekte Veranstaltung.
Niedergeschlagen war nach seinem Rennen in der U 13 der talentierte Daniel Schrag. Der für die RSG Augsburg startende Aichacher hatte sich so viel vorgenommen, und dann musste er sich nach 14 Kilometern mit Platz drei bescheiden. In der letzten Runde sind alle auf Florenz Knauer fokussiert

Von Heribert Oberhauser


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Veröffentlicht am 13.04.2015 12:00 Uhr