Radsport    

Alpine Qualitäten: Aichacher Radsportler Schormair und Schrag in Leonding erfolgreich

Aichach - Zeitweise waren es Witterungsbedingungen, die eher zum großen österreichischen Volkssport, dem Skifahren, passten als zum Fahrrad-Straßenrennen. Minus zwei Grad Außentemperatur und zeitweise Schneefall zwangen die Radsportler in Leonding, der viertgrößten Stadt Oberösterreichs, in ihre Thermo-Ausrüstung. Den ungemütlichen Bedingungen stellten sich auch zwei Aichacher Fahrer. Fabian Schormair, der mit Team Felbermayr im Eliterennen startete, das die österreichische Bundesligasaison einläutete. Und Daniel Schrag, der mit dem Team Auto Eder das Juniorenrennen beherrschen sollte.


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Attackierte am Ende erfolgreich Rang acht und machte den Traumtag für Auto Eder perfekt: Daniel Schrag (vorne). Foto: privat


Für Schormairs Rennstall ist der Wettbewerb in Leonding ein besonderer, ist er quasi ein Heimspiel: Wels, der Sitz von Felbermayr, liegt nur knapp 25 Straßenkilometer entfernt vom Austragungsort. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Mannschaft. Das Eliterennen wurde aufgrund der Wetterverhältnisse zunächst einmal von 153,2 auf 119,8 Kilometer verkürzt. War die Strecke beim Start noch trocken, begann es ab der Hälfte des Rennens zu schneien. Schormair, der Schmuddelwetter ohnehin gerne mag, war bereits nach dem ersten Anstieg Teil einer neunköpfigen Ausreißergruppe. "Wir sind in der ersten Runde am Berg gleich voll hoch. Das war super", beschreibt der 26-Jährige.
15 Kilometer vor dem Ziel wurde die Gruppe schließlich eingeholt. Moran Vermeulen, steirischer Teamkollege des Aichachers, attackierte letztlich die Spitze - mit Erfolg. Er holte sich den Tagessieg. "Er hat sich in unserer Gruppe schonen können", kommentiert Schormair, "und hatte einen entspannten Weg ins Finale, auf dem ich mitgeholfen habe." Er selbst hielt sich bis zur Schlussrunde im Feld. "Dann konnte ich sogar noch Tempo fahren für meine Kollegen. Damit kann ich super zufrieden sein - vor allem bei diesen Bedingungen", sagt Schormair, der letztlich als 29. des 94 Fahrer starken Teilnehmerfelds die Ziellinie überquerte.
Als besondere Alpin-Spezialisten erwiesen sich Daniel Schrag und seine Kollegen vom Team Auto Eder, der U 19 des Worldtour-Teams von Bora Hansgrohe. Acht Fahrer auf den ersten acht Plätzen - die Pressestelle des Rennstalls feierte "ein Kunststück, wie man es im Radsport nur selten erlebt". Gleich in der ersten von vier Runden des 86 Kilometer umfassenden Rennens löste sich eine dreiköpfige Spitzengruppe mit den Auto-Eder-Fahrern Cian Uijtdebroeks, Luis-Joe Lührs und Emil Herzog. Dahinter positionierte sich im weiteren Rennverlauf eine Verfolgergruppe mit vier weiteren Auto-Eder-Startern.
Schrag allerdings verlor den Anschluss an seine Kollegen. "Ich war am ersten Anstieg schlecht positioniert", sagt der 17-Jährige, der vor dem Wettkampf ein Trainingslager mit der Juniorennationalmannschaft absolviert hat. "Meine Beine waren entsprechend müde. Außerdem war es das erste Rennen, ich habe meinen Rhythmus nicht gefunden", begründet Schrag, warum er als einziger aus seinem Team im Hauptfeld festhing. "Dort hatte ich gefühlt ganz Österreich gegen mich", umschreibt er, wie die Konkurrenten - immerhin die besten Nachwuchsfahrer aus dem Gastgeberland - ihn immer wieder attackierten.
In der letzten Runde machten seine Beine schließlich auf, Schrag kam in seinen Flow und hängte im Schneetreiben am Berg die Konkurrenz aus der Alpenrepublik deutlich ab und machte den Achter - im Radsport sonst selten etwas Positives - von Auto Eder perfekt.
Den Sieg holte das belgische Talent Uijtdebroeks. Der 18-jährige hat bereits einen Profivertrag bei Bora unterzeichnet und gilt als die Tour-Hoffnung der Zukunft. Derzeit weilt er in Aichach, bei Schrags zu Hause, um die Tage zwischen Leonding und dem Trainingslager am Gardasee zu überbrücken, in das die Mannschaft am Donnerstag aufbricht. Eine Rückreise nach Belgien hätte sich nicht gelohnt.
Das nächste Rennen für das Team Auto Eder ist je nach Austragungsstatus der E3-Preis am 24. April in Belgien oder das Kirschblütenrennen am 25. April im österreichischen Wels. Für Schormair steht kommenden Sonntag in Slowenien mit dem GP Adria in Novo Mesto ein weiteres Profi-Rennen an. Karsamstag fliegt er nach Rhodos, um dort ein Profi-Eintagesrennen und eine weitere Rundfahrt, die Tour of Rhodos, zu fahren. "Hatte gefühlt ganz Österreich gegen mich"

Von David Libossek

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Fabian Schormair.



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Veröffentlicht am 23.03.2021 13:22 Uhr