Motorsport    

"Jungwolf" Bachhuber

Obergriesbach - Auf diesen Moment hat Erik Bachhuber lange warten müssen, ja, der Speedwayfahrer freut sich riesig auf den ersten Renntag in diesem Jahr. Am kommenden Samstag gibt der Obergriesbacher nicht nur sein Debüt für den MSC Wittstock, sondern auch in der 2. polnischen Liga, in der die "Wölfe", wie sich die Brandenburger nennen, bereits das zweite Jahr starten. "Das wird schon eine andere Erfahrung werden, in einer anderen Liga zu fahren", sagt Bachhuber. Vor allem muss er sich dort auch nun mit gestandenen Speedwayfahrern messen, gegen die erfahrenen Haudegen auf dem Sandoval Kante zeigen. Vor einem Jahr wechselte Bachhuber auf die 500-ccm-Maschine, konnte aber 2020 aufgrund der Corona-Pandemie gerade einmal zehn Rennen, ein gutes Drittel des normalen Saisonpensums, bestreiten.


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Am kommenden Samstag feiert Erik Bachhuber sein Debüt auf dem Wittstocker Sandoval. Der Obergriesbacher fährt heuer für die "Wölfe" aus Brandenburg in der 2. polnischen Liga. Fotos: privat


In den polnischen Ligarennen wird es Bachhuber künftig mit ausgebufften Cracks zu tun bekommen. Pro Team starten sieben Fahrer, zwei von ihnen dürfen nicht älter als 21 sein. Hinzu kommt noch ein U 24-Fahrer sowie vier sogenannte Senioren - und Bachhuber fährt da nicht nur gegen die U 21-Junioren der gegnerischen Teams. "Man fährt an einem Renntag zwischen drei und sechs Läufe", sagt der 17-Jährige, der derzeit eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker absolviert. Celina Liebmann (19) aus dem oberbayerischen Albaching, die mit 17 als erste Frau in der Speedway-Bundesliga fuhr, Lukas Baumann (20) und sein früherer Dauer-Konkurrent bei diversen Jugend-Meisterschaften, Ben Ernst (18), sind sozusagen die Wittstocker "Jungwölfe", von denen an den Renntagen zwei an den Start gehen. Am Samstag, beim Heimrennen gegen PSZ Poznan (Posen) aus Westpolen, sind Bachhuber und Baumann die beiden Wittstocker U 21-Fahrer.
Abgehakt hat Bachhuber, der auch heuer für den MSC Olching im Teamcup (2. Bundesliga) und Bayerncup fährt, seinen ersten Renneinsatz in diesem Jahr an Pfingsten. Beim Qualifikationsrennen zur U 19-Europameisterschaft im ungarischen Nagyhalasz war er vom Pech verfolgt. Schon nach dem ersten Lauf war der Wettbewerb für ihn beendet. Erst wurde er nach gutem Start vom Motorrad geholt und musste auf die Ersatzmaschine wechseln. Der Re-Run endete für Bachhuber, nachdem er eine Spurrille erwischt hatte, erneut in der Bande: "Das war so nicht geplant, aber das gehört auch dazu. Das Lehrgeld bezahle ich mit Kopf- und Nackenschmerzen und Prellungen und kaputten Motorrädern. Ich bin trotzdem zufrieden, weil ich gesehen habe, dass ich am Start mithalten kann."
In Wittstock will Bachhuber den nächsten Schritt Richtung Profifahrer machen. Denn die "Wölfe" waren im Vorjahr die Pioniere, als sie als erstes deutsches Team überhaupt in einer der drei polnischen Profiligen starteten (über der 2. Liga gibt es noch die Ekstraliga als höchste Klasse und die 1. Liga). Bei unseren östlichen Nachbarn genießt der Bahnsport große Popularität. "Speedway in Polen ist wie Fußball bei uns", weiß Bachhuber. Dabei sah es noch bis vor Kurzem so aus, als ob für ihn der Traum zumindest für 2021 nicht in Erfüllung gehen würde. Denn die Pandemie machte auch vor dem Wittstocker Sandoval nahe der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern nicht halt. Weil in Deutschland bis vor Kurzem nur Profiathleten und -mannschaften ihren Sport ausüben durften, sah es so aus, als ob die Speedway-Asse nicht ans Startband rollen dürften. Die Konsequenz war noch Anfang Mai, dass der polnische Verband den Wittstockern die bereits bestätigte Lizenz wieder aberkannte. Als sich die Corona-Lage besserte, setzte Klubchef Frank Mauer alle Hebel in Bewegung und schaffte es doch noch, sein Team unterzubringen. Noch vor Pfingsten gab es grünes Licht für die "Wölfe".
Die Wittstocker sind nicht das einzige ausländische Team, das in der 2. polnischen Liga fährt. Mit den Landshut Devils geht heuer erstmals sogar eine zweite deutsche Mannschaft an den Start, dazu noch Daugavpils aus Lettland. Die Saison geht mit Hin- und Rückkampf über die Bühne, Bachhuber und Co. stehen somit viele Reisekilometer nach Osteuropa bevor. Die ersten vier Teams nach den 14 Runden kommen in die Playoffs und fahren dort den Aufsteiger in die 1. Liga aus.
"Ich will ein paar Punkte für die Teamwertung schreiben", setzt sich Bachhuber als Ziel bei seiner polnischen Ligapremiere gegen Poznan. In jedem der 15 Rennen werden Punkte, drei für den Sieger, zwei für den Zweiten und einer für den Dritten, vergeben, der Vierte und Letzte geht leer aus. Sämtliche Zähler aus allen Läufen werden dann zu einem Mannschaftsergebnis addiert. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt das Rennen, wofür es in der Tabelle zwei Zähler gibt. Deren zwei hat der Wittstocker Kontrahent Poznan nach drei Rennen auf seinem Konto. "Das ist ein starker Gegner", weiß Bachhuber - und dennoch ist die Freude vor dem Trip in den Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten von Brandenburg groß. "Schon allein wegen der Zuschauer", betont der Obergriesbacher. Denn für das Auftaktrennen auf dem heimischen Heidering sind immerhin 500 Besucher zugelassen. "Ich will ein paar Punkte für die Teamwertung schreiben"

Von Herbert Walther

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Erik Bachhuber.



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Veröffentlicht am 02.06.2021 16:56 Uhr