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Bradl: „Ich bin noch immer tief bestürzt“

Zahling – Dass Stefan Bradl am vergangenen Sonntag beim Großen Preis von Malaysia fast Weltmeister in der Moto2 geworden wäre, ist durch die anschließenden Ereignisse in der MotoGP, als der Italiener Marco Simoncelli bei einem Horror-Crash sein Leben ...


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So rechte Freude wollte bei Stefan Bradl über den zweiten Platz und den knapp verpassten WM-Titel in Malaysia nicht aufkommen. Eine knappe Stunde später rückte auch für den Zahlinger der Motorsport in den Hintergrund. Foto: www.kiefer-racing.com


Zahling – Dass Stefan Bradl am vergangenen Sonntag beim Großen Preis von Malaysia fast Weltmeister in der Moto2 geworden wäre, ist durch die anschließenden Ereignisse in der MotoGP, als der Italiener Marco Simoncelli bei einem Horror-Crash sein Leben verlor, in den Hintergrund gerückt. Vor dem letzten Rennen am 6. November in Valencia beträgt der Vorsprung des 21-jährigen Zahlingers 23 Punkte auf seinen ärgsten Widersacher Marc Marquez. Selbst wenn der Spanier beim Saisonfinale gewinnen sollte, reicht Bradl ein 13. Platz, damit 18 Jahre nach Dirk Raudies erstmals wieder ein Deutscher Motorrad-Weltmeister wird. Die Aichacher Zeitung sprach mit dem zurzeit besten deutschen Motorradpiloten nach seiner Rückkehr aus Sepang.

AZ: Hallo Stefan. Die anfängliche Enttäuschung über den knapp verpassten vorzeitigen WM-Titel wird durch den tragischen Tod von Marco Simoncelli wohl sehr schnell gewichen sein. Bradl: Die Enttäuschung, dass es noch nicht geklappt hat, ist relativ schnell in Vergessenheit geraten. Nachdem, was anschließend passiert ist, war das überhaupt nicht mehr wichtig. Da hätte es, auch wenn’s mit dem Titel schon geklappt hätte, nichts zu feiern gegeben. Anscheinend hat sich da jemand Gedanken gemacht, dass es in der kleinen und mittleren Klasse noch keine Entscheidung gegeben hat. AZ: Wie hast Du den Unfall von Simoncelli erlebt?

Bradl: Ich war noch vor Ort, aber nicht live an der Rennstrecke. Ich zog nach der Rückkehr von der Pressekonferenz in der Box die Ledercombi aus und habe dann dort über den Monitor den Unfall gesehen. Ich bin, als ich die Bilder gesehen habe, auch gleich vom Schlimmsten ausgegangen, was sich dann auch leider bewahrheitete.

AZ: Wie geht man jetzt als Rennfahrer nach so einem tödlichen Unfall damit um?

Bradl: Das trifft uns schon härter, weil wir ihn kannten und das vor Ort alles miterlebt haben. Ich kämpfe da auch noch damit, das wird sicherlich noch ein paar Tage dauern. Wir können leider nichts mehr tun. Das ist wie im normalen Leben, wenn ein Angehöriger stirbt. An diesem Tag war nichts anderes mehr wichtig. Das ist einfach nur traurig, ich bin noch immer tief bestürzt. Ich habe noch seinen Vater und seine Freundin gesehen, das hat mich schon schwer getroffen. Das ist immer noch hart, wenn ich darüber nachdenke. Es war mir bei der Rückkehr am Montag auch sehr wichtig, dass mich meine Eltern abgeholt haben. Die habe ich erst einmal in den Arm genommen.

AZ: Wie läuft jetzt die Vorbereitung auf das letzte Rennen am Sonntag in einer Woche in Valencia?

Bradl: Wir haben zwar einen komfortablen Vorsprung, aber es ist noch nichts entschieden. Ich schaue, dass ich jetzt zu Hause ein wenig Ruhe finde, ein bisschen relaxe und normal trainiere, wie ich es bisher die ganze Saison auch gemacht habe. Und dann lasse ich alles auf mich zukommen und schaue, was dann in Valencia passiert.

AZ: Scheinbar komfortable 23 Punkte beträgt der Vorsprung vor dem schärfsten Verfolger Marc Marquez. Aber gerade das vergangene Wochenende hat gezeigt, dass im Rennsport sehr viel passieren kann.

Bradl: Der Rennsport ist so schnelllebig, da kann man nicht wirklich viel großartig planen. Da muss man jetzt rangehen, cool bleiben, auch wenn das einfacher gesagt ist, und versuche, mein Bestes zu geben und schauen, was rauskommt. Eine besondere Taktik wird’s nicht geben. Marquez muss gewinnen, um noch eine Chance zu haben. Und ich werde schauen, dass ich irgendwie durchkomme.

AZ: Für Dich ist die Saison bisher super gelaufen. Du hast heuer eine unheimliche hohe Konstanz gezeigt, in jedem Rennen, mit Ausnahme in Assen, gepunktet.

Bradl: Ich habe fleißig gepunktet, meistens immer in den Top Drei. In 16 Rennen bin ich elfmal aufs Podium gefahren. Das ist natürlich für mich erfreulich. Ich habe eine tolle Saison bis jetzt hingelegt, da bin ich sehr, sehr zufrieden. Und jetzt versuche ich, das i-Tüpfelchen noch einzufahren.

AZ: Der Wechsel in die MotoGP, der Königsklasse, ist am finanziellen Rahmen gescheitert, so dass es 2012 in der Moto2 weitergeht. Ist schon klar, für welches Team?

Bradl: Ich fahre weiter im selben Team, für Kiefer-Racing. Aber ich hoffe schon, dass ich irgendwann in der MotoGP fahre. Dieses Jahr hat’s leider nicht ganz geklappt. Es ist nicht so einfach, Sponsoren zu finden. Die MotoGP kostet gegenüber der Moto2 schon einen Batzen mehr Geld. Lassen wir uns überraschen, was nächstes Jahr passiert.

Von Herbert Walther



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Veröffentlicht am 25.10.2011 17:34 Uhr