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Speedway-Talente Wunderer und Bachhuber drehen wieder auf

Aichach - Tim Wunderer ist zurück auf der Sandbahn. "Es ist überraschend gut gelaufen und hat riesigen Spaß gemacht", sagte der Griesbeckerzeller nach dem Trainingslager am Wochenende, für das die Deutsche Motorsport Jugend (dmsj), die eigenständige Jugendorganisation des Deutschen Motorsport-Bundes (DMSB) auch den Obergriesbacher Erik Bachhuber nominiert hatte. Die beiden gehören hierzulande zu den größten Speedway-Talenten.


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Der 250er-Kader der Deutschen Motorsport Jugend: (von oben Mitte im Uhrzeigersinn): Erik Bachhuber, Selina Liebmann, Tim Wunderer, Teammanager Christian Hefenbrock, Ben Ernst und Lukas Wegener. Fotos: High Speed Fotograpix


Am Morgen des 17. März 2017 war Tim Wunderer auf dem Weg zur Schule, als ihn ein Autofahrer vom Motorrad rammte. Die Verletzungen sind inzwischen verheilt, bis auf das taube linke Knie. Er wird es sein Leben lang behalten, haben ihm die Mediziner erklärt. Das sei aber allenfalls beim Fußballspielen ein Handicap, wenn er einen Spurt anziehe, sagt Wunderer, der in der B-Jugend des TSV Dasing kickt; beim Speedway behindere es ihn nicht. "Ich bin topfit", betont er.
Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Unfall gab der Zeller auf der Bahn im niedersächsischen Moorwinkelsdamm wieder Gas. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl gewesen, wieder auf der Maschine zu sitzen und festzustellen, dass es "sehr gut" läuft, beschreibt er den Glücksmoment.
Neben Tim Wunderer, 17, und Erik Bachhuber, 14, hatte die dmsj noch den Stralsunder Ben Ernst, 14, den Oranienburger Lukas Wegener, 16, und die Rosenheimerin Selina Liebmann, 17, zum Übungscamp eingeladen, quasi die 250er-Elite im Nachwuchsbereich der nationalen Speedwayszene.
Wie Tim Wunderer, 2016 im polnischen Torun Junioren-Weltmeister in der Achtelliterklasse, war auch Erik Bachhuber, der deutsche Meister 2016 und 2017 in der 125er, ausgesprochen motiviert. Der war kürzlich für 2018 in das Bahnsport Junior Team berufen worden, nachdem er zuvor schon im Förderkader der ADAC Stiftung Sport Aufnahme gefunden hatte. "Das war schon cool", tat der Jungspund kund. Vor allem für den Kader der ADAC Stiftung berücksichtigt zu werden, sei eine "große Ehre". Das schafften jedes Jahr nur 32 Motorsportler.
Eigentlich war das ostwestfälische Neuenknick (Kreis Minden-Lübbecke) für das Trainingslager ausgewählt worden. Dort konnten die Speedway-Hoffnungen aber nur am Freitag um das 400-Meter-Oval kurven. Wegen eines Schneesturms, der die Piste total aufweichte, zog der Tross für Samstag nach Moorwinkelsdamm weiter. In der Region um Oldenburg war es zwar trocken, aber bitterkalt. Bei minus drei Grad wären Erik Bachhuber die Finger steif gefroren, hätte ihm nicht Mutter Diana eine Wärmflasche besorgt. Vater Stefan kümmerte sich derweilen ums Motorrad. Benjamin Wunderer begleitete seinen Neffen Tim, da dessen Vater Stephan, der sich sonst keine Stadionrunde seines Filius entgehen lässt, krank war.
Für Tim Wunderer und Erik Bachhuber ist die deutsche Meisterschaft im Sommer der Saisonhöhepunkt. Aus gutem Grund. Das Titelrennen geht auf ihrer Heimatbahn beim MSC Olching über die Bühne. Dann werden die beiden zu Konkurrenten: hier der für 2018 in die Viertelliterklasse aufgestiegene Bachhuber, dort der drei Jahre ältere und erfahrenere Wunderer, der sich in der zweiten Saisonhälfte 2016 die Hörner in der 250er schon ein bisschen abgestoßen hat.
Er freue sich richtig darauf, gegen Erik zu fahren, sagt Tim Wunderer, "wir sind auch abseits der Bahn gute Freunde". Erik Bachhuber ist zunächst einmal gespannt auf das Duell der Lokalmatadore. "Gegen Größere wie Tim zu fahren, ist schwierig; für mich könnte aber von Vorteil sein, dass ich leichter bin."
Erik Bachhuber wähnt sich für den Einstieg in die nächsthöhere Kategorie gerüstet. Im Winter habe er zu Hause "viel Konditionstraining gemacht"; drei Mal in der Woche war er auf dem Laufband oder auf dem Trimmrad.
Neben der "Deutschen" ist für den Obergriesbacher heuer auch die Teilnahme an der Europa- und Weltmeisterschaft ein Ziel.
Tim Wunderer kommt für die Junioren-WM altersbedingt nicht mehr in Frage. Da der Weltverband die Regularien änderte, dürfen künftig nur noch Jugendliche unter 16 starten.
Für den Zeller ist diese Saison die letzte in der 250er. 2019 wird er in der 500er aufsteigen. Schon heuer wird er Rennen in der 500er bestreiten. Zwei Maschinen für die Königsklasse im Speedway warten daheim schon auf ihre Einsätze. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, will Tim Wunderer in die Halbliterklasse reinschnuppern. Er macht sich nichts vor: "Das ist eine ganz andere Hausnummer. Wo die 250er einbricht, steigt die 500er hoch und reißt einen runter."
2016 hat Wunderer schon zur Kenntnis nehmen müssen, wie schwer es in einer neuen Klasse ist. Nach seinem WM-Titel in der 125er überzeugte er in Torun anschließend gleich auch bei der Langbahn-WM der 250er mit dem Erreichen des Halbfinales. "Da habe ich gedacht, es geht so weiter", blickt Wunderer zurück. Ein Trugschluss - er musste danach reichlich Lehrgeld zahlen.
Das für Samstag in Berghaupten im Schwarzwald geplante erste Rennen 2018 wurde des Wetters wegen schon gestrichen. Deshalb starten Erik Bachhuber und Tim Wunderer voraussichtlich erst am Karsamstag im Pockinger Rottalstadion mit einem Lauf um die süddeutsche Bahnmeisterschaft in die Saison. "Deutsche" auf der Heimbahn in Olching ist Saisonhöhepunkt

Von Heribert Oberhauser


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Veröffentlicht am 23.03.2018 12:00 Uhr