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TSV Pöttmes im Kreispokalfinale: Wie die Jungfrau zum Kind

Kissing/Pöttmes - Granit Gabrica war baff erstaunt, als ihn Kreisspielleiter Reinhard Mießl (Neusäß) vor geraumer Zeit anrief und ihm mitteilte, der TSV Pöttmes stehe im Finale um den Kreispokal. "Wie? Was?", hat der Fußball-Abteilungsleiter im TSV kurz gegrübelt, "den Wettbewerb hat es doch in der vergangenen Saison wegen Corona überhaupt nicht gegeben." Stimmt. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat aber beschlossen, dass alle 22 Fußballkreise im Freistaat einen Kreispokalsieger 2021 rekrutieren müssen. Das Prozedere, diesen zu ermitteln, überließ der BFV den Kreisen. Die Verantwortlichen in Augsburg hatten die Idee, die in der Spielzeit 2019/20 unterlegenen Halbfinalisten aufeinander loszulassen. Somit kamen der Kissinger SC (verlor in der Vorschlussrunde im September 2020 gegen Mering) und der TSV Pöttmes (Semifinalniederlage gegen Bobingen) vergleichsweise zur Endspielteilnahme wie die Jungfrau zum Kind. Die Auseinandersetzung geht heute, Samstag, um 17.30 Uhr im Kissinger Paartalstadion über die Bühne.


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Gheorghe Geanta, dessen Rückennummer sein aktuelles Alter angibt, lässt den Petersdorfer Michael Braunmüller ins Leere laufen. Im Angriff kann Pöttmes' neuer Trainer Johannes Putz zurzeit nur auf den Rumänen setzen. Foto: Siegfried Kerpf


Der Kreispokalsieger ist für die erste BFV-Hauptrunde (10./11. August) qualifiziert. Das kann eine lukrative Angelegenheit sein. Der VfR Neuburg wird dies bezeugen. Die Sechziger lockten im August 2017 bei ihrem 4:0-Sieg 3200 Schaulustige ins Brandlstadion. Neben 1860 sind Türk Gücü München und die SpVgg Unterhaching mit Trainer Sandro Wagner die größten Zugpferde im Südbayerischen. Der Partie gegen einen dieser drei Prominenten sind für den Triumphator von Kissing aber noch zwei Unwägbarkeiten vorgeschaltet. Zum einen müssen für das Wunschkonzert Sechzig, Türk Gücü oder Haching im selben Topf landen wie Pöttmes/Kissing, und dann gilt es für den Augsburger Cupprimus noch, sich im Losverfahren gegen die anderen (vier bis sechs) Kreispokalsieger im Pool zu behaupten.
Abgesehen von den Pokalträumereien ist der KSC für den TSV zwei Wochen vor dem Punktrundenauftakt ein willkommener Proband. Der Kreisligist aus dem Landkreissüden ist ambitioniert. "Unser Ziel ist der Aufstieg", sagt Mario Borrelli, seit 16 Jahren an der Spitze der Kissinger Fußballer. 2019 waren die aus der Bezirksliga Süd abgestiegen. Die prompte Rückkehr in die Siebtklassigkeit verpasste der KSC als Vierter der Kreisliga Augsburg. Für den zweiten Anlauf hat Trainer Marco Henneberg, 51, ehedem im Trainerteam von Thomas Tuchel bei der U 19 des FC Augsburg, einige Verstärkungen bekommen. Voran Moritz Buchhart vom SV Mering. Der Mittelfeldspieler trug von 2016 bis 2018 den Aindlinger Dress. Außerdem würden der aus dem Württembergischen nach Kissing gezogene Johannes Röhrer (spielte für Sontheim in der Landesliga), die Merchinger Moritz Willis und Patrick Fries sowie das Eigengewächs Simon Vasallo das Niveau der KSC-Kaders heben, ist Borrelli überzeugt. Mit dem bisherigen Verlauf der Testphase ist der Spartenchef sehr zufrieden. Mit Ecknach und Bubesheim haben die Blau-Weißen zwei Bezirksligisten jeweils 1:0 bezwungen, gegen den Landesligisten Mering schlugen sie sich beachtlich (2:3). "Wir sind gut drauf und haben eine charakterlich starke Mannschaft", stellt Borrelli klar. Den Pokal nehme der Klub jedenfalls "sehr ernst".
Selbiges gilt auch für den TSV Pöttmes. "Wenn wir schon die Chance kriegen, wollen wir das Finale natürlich auch gewinnen", bekundet Gabrica, 27. Wobei sich die Vorzeichen für den Bezirksliga-Aufsteiger, ganz abgesehen vom 1:4 am Mittwoch im Test in Rinnenthal, bei weitem nicht so rosig darstellen wie jene in Kissing. Der TSV ist personell ziemlich gebeutelt. Wenigstens sind inzwischen einige Urlauber zurück. Der Kollaps von Robert Schneider während des Spiels am Sonntag in Inchenhofen habe wohl von Kreislaufproblemen hergerührt, sagt Gabrica. Der Verteidiger, der mit dem Hubschrauber ins Augsburger Zentralklinikum geflogen worden war, ist längst wieder zu Hause. Am Donnerstag schaute der 20-Jährige schon wieder der "Zweiten" beim Training zu.
Große Stücke halten die Pöttmeser auf den Regionalliga-erprobten Novizen Felix Kling, 26. Der Ex-Mertinger, ein Freund von Trainer Johannes Putz, soll das Spiel aus dem Mittelfeld heraus diktieren. "Unser Kader ist gut, aber zu klein", bedeutet Gabrica. Für den Angriff kann der TSV aktuell nur mit Gheorghe Geanta aufwarten, nachdem Simon Fischer das Weite gesucht hat und der Verein sich letztlich mit dem schon als Neuzugang angekündigten Martin Froncek doch nicht einig geworden ist. Außer im Sturm ist Pöttmes noch auf den Außenpositionen etwas schwach auf der Brust. "Wir halten die Augen offen, aber es schaut nicht gut aus, weil jetzt kaum noch Spieler auf dem Markt sind", räumt Gabrica ein. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um das Personal noch aufzurüsten für eine bestimmt schwere Comebacksaison in der Bezirksliga. Kollabierter Schneider wieder auf dem Damm

Von Heribert Oberhauser


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Veröffentlicht am 23.07.2021 16:42 Uhr