Fußball    

Ruhe statt Sturm: Hollenbach und Aindling trennen sich 1:1

Hollenbach - Im Krebsbach-Stadion in Hollenbach gibt es eine, wenn man so will, architektonische Besonderheit. Die Ersatzbänke der beiden Mannschaften sind nicht nebeneinander platziert, sie stehen sich gegenüber. Christian Adrianowytsch schritt auf dem Weg aus der Kabine am Samstagnachmittag zunächst in Richtung der Bank auf der linken Längsseite der Platzes - der des TSV Hollenbach. Alte Gewohnheit eben. Fünf Jahre lang schlug Adrianowytsch als Spielertrainer diesen Weg ein. Dieses Mal jedoch war er als Gast gekommen, als Trainer des TSV Aindling. Von der anderen Seite aus sah er ein Bezirksligaderby, das fußballerisch durchaus was hermachte, dem es aber an packenden Torraumszenen mangelte. Dass es am Ende 1:1 (0:1) hieß, half allerdings den Hollenbachern mehr als ihrem Ex-Trainer.


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Üppige Kulisse: 400 Zuschauer sahen das Derby zwischen Hollenbach mit Alexander Kaltenstadler (links) und Aindling mit Fatlum Talla. Foto: Siegfried Kerpf


"Ich habe versucht, mich zurückzuhalten"
"Eine besondere Sache", sagte Adrianowytsch über seine erste Rückkehr an den Krebsbach seit seinem Wechsel: "Man sieht viele Leute, mit denen man gute Erfahrungen und positive Erlebnisse hatte." Entsprechend wollte er sich als Besucher benehmen. "Ich habe während der 90 Minuten versucht, mich zurückzuhalten und nicht alles zu kommentieren", sagte der 35-Jährige. Tatsächlich zeigte sich der durchaus zu impulsiven Reaktionen neigende Übungsleiter merklich handzahm. Und stand damit sinnbildlich für das Nachbarschaftsduell, das vor 400 Zusehern auffallend emotionsarm daherkam.
"Ich war verwundert, dass es so ruhig war", sagte hernach Hollenbachs Trainer Daniel Zweckbronner. "Vielleicht waren die Spieler nervös", versuchte sich Adrianowytsch an einer Erklärung. "Keiner wollte einen Fehler machen. Keiner wollte das Spiel verlieren." Tatsächlich merkte man den Mannschaften vor allem im ersten Durchgang den gewaltigen Respekt voreinander an. Dass es eher nüchtern zuging, half vor allem Aindling. Die Gäste ließen den Ball laufen und die Hausherren gleich mit. "Spielerisch waren wir sehr gut. Da hat Hollenbach eigentlich keinen Zugriff gehabt", fand Adriano-wytsch. "Janni kennt unsere Mannschaft und hat seine Jungs super auf uns eingestellt", lobte Zweckbronner. "Wir haben keine zweiten Bälle bekommen, sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen", haderte er. Drei gelbe Karten zeugen davon, wie häufig die Mannschaft um Zweckbronners spielenden Kollegen Christoph Burkhard einen Schritt zu spät kam.
Dennoch gehörte die erste Gelegenheit der Partie Hollenbach: David Burghart schoss aus kurzer Distanz drüber. Auch Patrick Modes setzte seinen Abschluss in Bedrängnis zu hoch an, nachdem ihn der auffällige Gabriel Merane bedient hatte (18.). Vier Minuten später aber traf er. Merane steckte durch für Benjamin Woltmann, der im Strafraum querlegte auf Modes, der platziert zum 1:0 einschob.
Durchgang zwei geht an Hollenbach
Aindling bestimmte weiter ballsicher die Partie. Die Innenverteidiger Philipp Baier und Patrick Stoll sowie die Sechser Anton Schöttl und Woltmann saugten sämtliche Angriffe der Gastgeber auf. "Aber wir haben in der gegnerischen Hälfte zu kompliziert gespielt", urteilte Adrianowytsch. "Und wir sind dann in ein paar Konter reingelaufen."
Einer davon führte zu einem Freistoß aus halblinker Position. Angelo Jakob hob den Ball in den Strafraum, wo er über Umwege bei Modes landete, dessen Klärungsversuch allerdings zu kurz geriet. Am Strafraumrand drückte Raoul Leser ab: Sein satter und platzierter Schuss schlug im rechten unteren Eck ein. Torhüter Robin Scheurer bleib keine Zeit, zu reagieren (41.). Unmittelbar vor dem Pausenpfiff gab Jakob den Quarterback: Mit einem punktgenauen langen Pass überwand er Aindlings Defensive, Adressat Patrick Högg legte ab für Burghart, der den Ball knapp links am Tor vorbeisetzte.
"Das wäre des Guten auch zu viel gewesen", räumte Zweckbronner ein, dessen Mannschaft nach der Pause die aktivere war. Högg kam nun über die linke, Werner Meyer über die rechte Außenbahn. Zudem agierte Hollenbach aus einer viel höheren Grundordnung heraus. Aindling indes wurde immer passiver, reagierte nur mehr. "Es war aber nicht so, dass Hollenbach uns jetzt am Ende an die Wand gespielt hätte", schränkte Adrianowytsch ein.
Letztlich fehlte in den meisten Aktionen der Hollenbacher die Präzision und Schärfe beim letzten Pass oder beim Abschluss. Beide Trainer sprachen entsprechend von einem gerechten Remis. Wenngleich Adrianowytsch ergänzte: "Hollenbach kann sicher mit dem Punkt besser leben als wir. Uns bringt er nicht weiter." Wohl auch deshalb verweilte er mit einer Handvoll Spieler noch lange nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen. Versammelt an der Ersatzbank, neben der auf der Bande in roten Lettern das Wort GAST prangt.
TSV Hollenbach: Derek - Kaltenstadler, Burkhard, Bichlmeier, Leser - Burghart (85. Fischer), Jakob, Witzenberger (68. Pitsias), Greifenegger, Meyer (81. Morfakis) - Högg.
TSV Aindling: Scheurer - Menhart, Stoll, Baier (64. Nix), Wiesmüller (57. Danner) - Ettner (57. Knauer), Woltmann, Merane, Schöttl, Talla (88. Mlakic) - Modes.
Tore: 0:1 Modes (22.), 1:1 Leser (41.) - Schiedsrichter: Leis (Aurach/Mfr.) - Zuschauer: 400.

Von David Libossek



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Veröffentlicht am 20.09.2021 09:47 Uhr