Fußball    

Heimliche Begegnung in der Bahnhofsgaststätte

Echsheim - Ein Fußballer durch und durch ist Martin Schreier. Der heute 48-Jährige hatte seine beste Zeit als Aktiver beim TSV Aindling, mit dem er 1996 den Aufstieg in die Bayernliga geschafft hat, was er als Highlight seiner Karriere bezeichnet. Insgesamt elf Jahre verbrachte Schreier erst als Spieler, später als Co-Trainer und Cheftrainer bei den Rot-Weißen, bei denen er auch Kapitän war. Das Kapitel TSV ist für den gebürtigen Aindlinger in seiner mehr als vier Jahrzehnte dauernden Karriere somit unvergessen. Den Sprung in den Profibereich verpasste Schreier nur knapp. An die aktive Laufbahn schloss sich eine Trainerkarriere an. Auch heute noch beschäftigt ihn der Fußball, er ist stellvertretender Jugendleiter beim SV Echsheim-Reicherstein.


schreier
In seinem zunächst letzten Spiel für den TSV Aindling in Frohnlach musste Martin Schreier von Ersatztorhüter Stefan Reiter (linkes Foto, links) und Betreuer Mertl (rechts) vom Platz getragen werden, nachdem er sich einen Teilabriss der Achillessehne zugezogen hatte. Später kehrte er noch zwei Mal nach Aindling zurück. Im Herbst 2004 erst als Co-Trainer unter Manfred Paula, im April 2012 dann für acht Spiele als Cheftrainer der Rot-Weißen. Fotos: Dirk Meier


1999 hätte Schreiers Karriere eine andere Richtung einschlagen können. Er wurde zu einem fünftägigen Probetraining beim damaligen Zweitligisten FC St. Pauli eingeladen. Ex-Profi Willi Reimann, seinerzeit Trainer des Kiez-Klubs, nahm den Allrounder unter die Lupe. Der Verein bot ihm letztlich aber "nur" einen Amateurvertrag an: "Ich hätte mich für einen Wechsel entschieden, wenn ich einen Profivertrag bekommen hätte. So aber war mir das Risiko zu groß und ich bin in Aindling geblieben. Dort wusste ich ja, was ich habe", blickt Schreier zurück. Der Kontakt zu St. Pauli lief über den damaligen Manager Helmut Schulte, der in Aindling ein Spiel besuchte: "Wir haben uns nach dem Spiel heimlich in der Bahnhofsgaststätte in Augsburg getroffen und ich bin dann zum Probetraining eingeladen worden."
Vorgespielt hat Schreier in dieser Zeit auch beim TSV 1860 München für die zweite Mannschaft und beim SK Austria Klagenfurt, wo er einen Vertrag als Spieler und Platzwart bekommen hätte, aber das lehnte er ab. Sein Wechsel zu den Amateuren von 1860 München, die zu dieser Zeit von Peter Pacult trainiert wurden, stand dann eigentlich schon fest. Kurz vor dem Transfer gastierte Aindling zu einem Pokalspiel im Grünwalder Stadion in München, bei dem Schreier aber nicht mitwirken konnte und das Spiel von der Ersatzbank aus verfolgte. Im Verlauf der Begegnung hat Schreier im Eifer des Gefechts ein paar "unflätige Worte" Richtung Pacult verloren - damit war der Wechsel geplatzt. Beinahe hätte es Schreier bis in den Profifußball geschafft, Anfragen waren da: "Aber die Umstände haben einfach nicht gepasst." Daher hielt er dem TSV Aindling die Treue, zu dem er zu Jahresbeginn 1994 gewechselt war.
In dem kleinen Weiler Heimpersdorf wuchs Schreier auf. Sein Heimatverein, bei dem er mit dem Fußball begann, ist der SV Baar. Dort blieb er, der zwar meist im Mittelfeld gespielt hat, aber auch auf allen anderen Positionen bis auf Torwart eingesetzt worden ist, bis Ende 1993. Dann zog der Allrounder aus, landete in Aindling. "Das war meine schönste Station. Ich muss aber auch sagen, dass ich, egal wo ich war, überall schöne Zeiten erlebt habe. Bei jedem Verein habe ich Freunde gefunden und daraus sind zum Teil Freundschaften entstanden, die heute noch Bestand haben", sagt der Rechtsfuß.
Prägend waren selbstverständlich die elf Jahre beim TSV, wo er einen Großteil seiner Karriere verbrachte. Unvergessen bleibt der Aufstieg in die Bayernliga 1996. Mit nur einem Punkt Rückstand auf den TSV 1860 München 2 wurde Aindling Vizemeister in der Landesliga Süd. Das Entscheidungsspiel fand in Donauwörth gegen Schwabach statt. "Wir waren klar die bessere Mannschaft, haben 4:0 gewonnen", erinnert sich Matchwinner Schreier. Nachdem Schreier gefoult worden war traf Thomas Schlüter per Strafstoß zum 1:0. Zum 2:0 durch Jürgen Kedrusch lieferte Schreier die Vorlage und Treffer Nummer drei erzielte er selbst. "Das war das Highlight schlechthin in meiner Karriere, das werde ich nie vergessen." Super war auch 2001 das Bayernliga-Eröffnungsspiel gegen den FC Augsburg vor gut 4000 Zuschauern. Aber auch die Hallentitel mit dem TSV Aindling auf schwäbischer und bayerischer Ebene sind unvergessen.
Auch die Heimspiele mit dem TSV Aindling in der Bayernliga waren immer etwas Besonderes: "Wir hatten in der Region das Alleinstellungsmerkmal und mit die meisten Zuschauer in der Bayernliga. Da war jedes Heimspiel ein richtiges Fest." Ein Erlebnis der negativen Art war für Schreier der 27. Mai 2003. Im entscheidenden Spiel um den DFB-Pokal-Einzug beim Nord-Landesligisten Frohnlach zog er sich einen Teilabriss der Achillessehne zu. Diese Verletzung setzte ihn lange außer Gefecht. Es war auch sein letztes reguläres Spiel seiner Laufbahn für Aindling.
Zwei Jahre später, Schreier war inzwischen Assistent von Aindlings Cheftrainer Manfred Paula, half er aufgrund des knappen Personals in der Endphase der Saison noch zwei Mal als Spieler aus. Paula, der in Aindling lebt, erinnert sich gerne an diese Zeit: "Martin war ein sehr guter Co-Trainer. Mit ihm hatte ich eine tolle Zusammenarbeit und wir haben auch heute noch Kontakt. Auch als Spieler hat Martin in der erfolgreichen Zeit des TSV Aindling einen großen Teil zum Erfolg beigetragen."
Nach seinen ersten vier Jahren in Aindling kehrte Schreier in der Winterpause der Saison 1997/98 für sechs Monate zum SV Baar zurück, sammelte bei seinem Heimatverein erste Erfahrungen als Spielertrainer und schaffte mit seinem Heimatverein den Klassenerhalt in der damaligen A-Klasse Ost. Danach ging's wieder nach Aindling, wo er 2003 seine aktive Laufbahn beendete und beim SV Thierhaupten seine zweite Stelle als Spielertrainer antrat. Den SVT führte er auf Anhieb 2004 in die Kreisliga. Ende September 2004, Paula war gerade erst zum TSV-Cheftrainer befördert worden, konnte der "Martl", wie Schreier genannt wird, dem Reiz als Co-Trainer in der Bayernliga nicht widerstehen und kehrte ans Schüsselhauser Kreuz zurück. Nach der Saison 2004/05 führte ihn der Weg als Spielertrainer zum BC Rinnenthal in der Bezirksliga Nord. 2007 heuerte Schreier bis zu seinem Rücktritt im Herbst 2008 beim TSV Pöttmes, ebenfalls in der Bezirksliga Nord, an.
Als Trainer hatte sich Schreier inzwischen einen Namen gemacht und so klopfte im Herbst 2009 der BC Aichach an, der in der Bezirksoberliga spielte. "Das war eine tolle Zeit. Da haben wir im ersten Jahr den Klassenerhalt gepackt und ein Jahr später sind wir als Meister in die Landesliga aufgestiegen. Aber dann wurde es mir dort zu professionell, das konnte ich mit Beruf und Familie nicht mehr vereinbaren." 2012 sprang Schreier noch einmal für acht Spiele als Nachfolger von Trainer Stefan Anderl beim TSV Aindling ein. In der Saison 2012/13 folgte seine letzte Trainerstation im Herrenbereich, in der Kreisliga Ost beim SV Thierhaupten.
Schreier, der mit Ehefrau Alexandra und den Söhnen Luca (16) und Laurenz (7) in Echsheim lebt, hat in den vergangenen Jahren beim SV Echsheim-Reicherstein seinen Sohn Luca trainiert. Beruflich ist er inzwischen seit 22 Jahren als selbstständiger Versicherungsfachmann tätig, hat seine Agentur seit 2001 in Aindling. Ambitionen auf einen Trainerposten im Herrenbereich hat er keine: "Man soll niemals nie sagen, aber im Moment deutet nichts darauf hin."
Der Fußball hat Schreier viel gegeben: "Er hat mich mein ganzes Leben begleitet. Ich bin froh über diese Zeit und auch ein wenig stolz. Ich habe sehr viele tolle Menschen kennengelernt und viele Verbindungen bestehen auch heute noch." So zum Beispiel zu den ehemaligen Aindlinger Mitspielern Oliver Remmert, seinem Trauzeugen Bernhard Spindler und Thomas Maier, der beruflich sein Partner ist. So hat der Fußball für Schreier eine ganz besondere Bedeutung, weil er sein Leben bestimmt und in gewisser Weise auch gelenkt hat. Beim Heimatverein SV Baar sammelte Schreier erste Erfahrungen als Spielertrainer Unflätige Worte Richtung Pacult ließen den Wechsel zu den Münchner "Löwen" platzen

Von Dirk Meier


Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.


Veröffentlicht am 19.04.2021 10:25 Uhr