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Gashi wird ein "Türke"

Pipinsried - Am kommenden Montag steigt der Regionalligist FC Pipinsried in das Training für die Saison 2022/23 ein, am Freitag darauf wird das neue Team samt Spielertrainer Nikola Jelisic und dessen Assistenten Miljan Prijovic offiziell der Presse und den Fans vorgestellt.


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Rot-Weiß statt Gelb-Blau trägt Albano Gashi in der neuen Saison. Der Mittelfeldspieler wechselt vom FC Pipinsried zu Türkgücü München. Foto: Horst Kramer


Eine Schlüsselfigur des Kaders wird allerdings fehlen: Albano Gashi (27).
Am gestrigen Mittwoch verschickte der Dorfklub eine Pressemeldung, in der Manager Tarik Sarisakal zitiert wurde: "Albano Gashi bat in den vergangenen Wochen des Öfteren um seine Vertragsauflösung. Nach einigen Gesprächen mit dem Spieler und seinem neuen Verein Türkgücü München haben wir dem zugestimmt." Über die Modalitäten wurde "Stillschweigen" vereinbart, heißt es weiter. Dann folgen die üblichen Dankesworte und Wünsche für die Zukunft.
Im Gespräch mit der Aichacher Zeitung bedauerte Sarisakal Gashis Abgang sehr: "Albano ist ein Unterschiedsspieler. Es wird sehr schwer werden, ihn zu ersetzen." Klar, dass ein Spieler wie Gashi Begehrlichkeiten anderer Klubs weckt, in diesem Fall die von Türkgücü, obwohl der Spieler vertraglich noch bis zum 30. Juni 2023 an den FCP gebunden war.
Der Kaderplaner des Ex-Drittligisten, der noch immer Roman Plesche heißt, musste in den vergangenen Wochen in Windeseile eine Mannschaft für den Neustart in der Regionalliga zusammenstellen. Den Mittelfeldspieler, der schon zu Plesches Pipinsrieder Zeit ein Thema für den FCP gewesen war, scheint das sportliche Konzept der Münchner überzeugt zu haben. "Er wollte zu uns, und auch wir wollten ihn haben", erklärt Plesche, "er passt perfekt in unsere Planungen." Dass die Anfahrt von Gashis Arbeitsstelle in Berg am Laim zum Türkgücü-Trainingsgelände an der Heinrich-Wieland-Straße mit gerade einmal zehn Minuten bedeutend kürzer ist als ins Dachauer Hinterland, dürfte in seinen Überlegungen auch eine Rolle gespielt haben.
Doch nicht nur das: Sarisakal hat wohl um einen Verbleib des Edeltechnikers gekämpft. "Wir haben versucht, ihn zu überzeugen, bei uns zu bleiben." Warum dies nicht gelang, lässt der Sportliche Leiter des FCP offen. Dass die finanziellen Bedingungen dabei auch eine Rolle gespielt haben, liegt indes auf der Hand. Offenbar hatten die Münchner dabei die besseren Argumente - obwohl sie im Januar Insolvenz anmelden mussten und sich im April gar aus dem Spielbetrieb aus der 3. Liga zurückgezogen hatten.
Dass der frühere Ingolstädter U 23-Kicker und der Münchner Ex-Profi-Klub, der in der kommenden Saison einer der Konkurrenten des FCP in der vierten Liga sein wird, aneinander Gefallen gefunden haben, erfuhr Sarisakal am 13. Mai. Also drei Tage nach dem letzten Heimspiel des FCP gegen den TSV Aubstadt - die Partie endete 3:2 für die Gelb-Blauen, Gashi hatte den entscheidenden dritten Treffer markiert, ein Fernschuss Marke "Traumtor". Danach verbeugte sich der gebürtige Fürstenfeldbrucker vor den Fans - eine Geste, die sich als Danksagung deuten ließ, die im Nachgang aber wie ein Abschiedsgruß wirkt.
Die Entscheidung sei dann vorgestern, also am Dienstag, gefallen, so der Manager, nachdem die Landeshauptstädter den Bedingungen der Pipinsrieder Seite zugestimmt hätten. Schon zuvor wechselte mit Eren Emirgan ein weiterer FCP-Kicker zu Türkgücü. Auch bei anderen Kandidaten (Christoph Rech, Kevin Hingerl), mit denen die Gelb-Blauen ob eines Engagements beim Dorfklub verhandelten, zogen sie den Kürzeren.
Für den FCP ist der Verlust Gashis ein herber Rückschlag. Der 27-Jährige blühte regelrecht auf, nachdem Andreas Pummer im vergangenen November das Trainerzepter übernommen hatte. In der Schlussphase der Saison zählte Gashi, der zuvor für den Südwest-Regionalligisten SSV Ulm 1846 tätig gewesen war, immer zu den besten Pipinsriedern. Vier seiner sechs Punktspieltreffer erzielte er in den letzten fünf Partien der Spielzeit.
Sarisakal versucht das Beste aus dem Abgang Gashis zu machen: "Unsere vielen jungen Spieler haben nun die Chance, diese Lücke zu füllen." Ganz überzeugt klingt er freilich nicht. Er kündigt an: "Schon beim Trainingsauftakt werden wir einige Gastspieler sehen." mit Wa

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 08.06.2022 17:15 Uhr