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Regionalliga: Fußballgott hält zum FCP

Hankofen - Sowohl die SpVgg Hankofen-Hailing, die zuvor drei Mal hintereinander verloren hatte, als auch der FC Pipinsried nach vorangegangen vier Niederlagen am Stück haben am Samstag wieder einmal etwas Zählbares auf ihrem Punktekonto verbuchen können. Doch das 1:1 (1:1) löste hinterher weder bei den niederbayerischen "Dorfbuam" noch beim Dorfklub aus dem Landkreis Dachau Jubelstürme aus. Im Gegenteil. Aufgrund der Ausgangslage im Tabellenkeller der Regionalliga hätte den Pipinsriedern nur ein Sieg geholfen. "Am Ende wurde es nur ein Punkt, weshalb wir unser Soll nicht erfüllt haben", war FCP-Trainer Atdhedon Lushi die Enttäuschung anzuhören. Auch sein Kompagnon Herbert Paul sprach davon, dass man über den Punkt "nicht richtig glücklich" sei. "Wir hätten uns aber auch nicht beschweren dürfen, wenn wir als Verlierer vom Platz gegangen wären", räumte Paul bei der Pressekonferenz ein.


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Bei den Hankofener Standards herrschte dicke Luft im FCP-Strafraum. Nur mit viel Glück überstanden die Gelb-Blauen um den starken Fabian Willibald (links) diese Szenen. Fotos: Karlheinz Becherer


"Wir sind enttäuscht über das Ergebnis", sagte Hankofens Spielertrainer Tobias Beck. Aus Sicht der Niederbayern verständlich, nicht nur angesichts des Chancenübergewichts, sondern vor allem aufgrund der Qualität ihrer Möglichkeiten. Bei Kopfbällen von Tobias Lermer (45.+1) und Andreas Wagner (55.) bewahrte erst der Querbalken und dann der Innenpfosten die Pipinsrieder vor Gegentreffern, dazu klärten sie noch zwei Mal auf der Torlinie. Das Glück, das dem FCP in den beiden vorangegangenen Partien noch gefehlt hatte, hatte er nun am Samstag im Kellerduell.
"Letztendlich mussten wir froh sein, dass wir einen Punkt mitgenommen haben", sagte Torhüter Felix Thiel, in Hankofen neben Innenverteidiger Fabian Willibald bester Pipinsrieder, weil die Gelb-Blauen die letzten 20 Minuten mit einem Mann weniger auskommen mussten, nachdem Halit Yilmaz die rote Karte gesehen hatte. Nicht nur Pipinsrieds Fußballchef Tarik Sarisakal sprach in seiner ersten Reaktion von einer "sehr harten" Entscheidung von Kenny Abieba; die Szene hatte sich direkt vor den Augen des Nürnberger Referees abgespielt. Die TV-Bilder zeigten aber, dass Yilmaz bei seiner Attacke tief in der Hankofener Hälfte gegen Samuel Pex, der daraufhin auch ausgewechselt werden musste, keine Chance hatte, den Ball zu spielen.
Das im Vorfeld von Sarisakal als "extrem richtungweisend" apostrophierte Spiel begann ganz nach dem Geschmack der Pipinsrieder, die aus der Würzburger Anfangself kurzfristig auf Simon Rauscheder und Daniel Jelisic (beide krank) verzichten mussten. Der im Mittelfeldzentrum immer präsente Marin Pudic steckte die Kugel perfekt für Nickoy Ricter durch, der alleine vor Sebastian Maier eiskalt verwertete - 0:1 nach nur 105 Sekunden. Etwas mehr als eine Viertelstunde später hätte der Außenbahnangreifer einen Doppelpack schnüren müssen, als er wieder allein vor Maier auftauchte, doch diesmal wehrte der SpVgg-Keeper zur Ecke ab. "Wenn wir da das 2:0 machen, läuft das Spiel in unsere Richtung", sagte Paul. So sah es auch Hankofens Trainer Heribert Ketterl, der für diese Partie mit einer Innenraumsperre belegt worden war: "Dann wäre es für uns ganz schwierig geworden."
Doch das Problem mit der Chancenverwertung verfolgt den FCP schon länger. "Wir machen das Tor vorne nicht, hinten kriegen wir es", lamentierte Lushi. Denn die Gastgeber fighteten sich bei tiefen und schmierigen Platzverhältnissen in den Abstiegskampf-Kracher zurück, fanden über die Zweikämpfe und Leidenschaft ins Spiel. "Bei uns habe ich in der ersten Halbzeit dagegen Zweikampfhärte und Aggressivität vermisst", so Lushi weiter. Folglich war der Ausgleich für die Gäuboden-Kicker die logische Konsequenz, wenngleich Andreas Wagner bei seinem Abschluss aus sechs Metern genauso viel Freiraum hatte wie Zulieferer Jonas Blümel bei seiner Flanke von der rechten Seite (1:1, 34.).
Es war beileibe nicht so, dass der FCP keine Chancen mehr hatte. Marvin Jike (48.) und Faton Dzemailji (90.) verfehlten das SpVgg-Gehäuse aus der Distanz nur knapp, Nikolaus Grotz scheiterte mit der besten Gelegenheit im zweiten Abschnitt an Maier (66.). Dessen Gegenüber Thiel war da schon mehr gefordert. Einen 25-m-Schuss von Andreas Wagner fischte er aus dem Winkel (54.), was auch SpVgg-Coach Ketterl mit einer verbalen Beifallsbekundung quittierte.
Sein Trainerpartner Beck haderte hingegen, dass sich sein Team "nicht belohnt" habe. Elija Härtl frei vor Thiel (65.) wie auch Brian Wagner (86.), der den FCP-Keeper schon auf dem falschen Fuß erwischte, ehe Benedikt Lobenhofer kurz vor der Torlinie Retter in höchster Not war, brachten den Ball nicht im Pipinsrieder Kasten unter. Und dann hatten die Gäste in der Nachspielzeit Riesendusel, als Pudic Lermers Kopfball von der Linie kratzte (90.+4). Am Samstag hielt's der Fußballgott, anders als noch zuletzt bei den bitteren und späten Niederlagen in Aubstadt und gegen Würzburg, mit den Pipinsriedern.
SpVgg Hankofen-Hailing: Maier - Blümel, Mrozek, Härtl, Sokol - Pex (72. Ketzer), Beck - Hofer (83. Sommersberger), Vogl (64. Brian Wagner), Lermer - Andreas Wagner (67. Dobruna).
FC Pipinsried: Thiel - Agbowo, Lobenhofer, Willibald, Dzemailji - Grotz (76. Milican), Pudic - Ricter, Yilmaz, Idrizovic (88. Keßler) - Jike (72. Seo).
Tore: 0:1 Ricter (2.), 1:1 Andreas Wagner (34.) - Schiedsrichter: Abieba (Nürnberg) - Zuschauer: 555 - Gelbe Karte: Lermer, Hofer, Blümel, Beck/Dzemailji, Thiel - Rote Karte: Yilmaz (70.). Ricter trifft früh, Yilmaz fliegt mit "Rot" vom Platz

Von Herbert Walther


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Mit der roten Karte bestrafte Schiedsrichter Kenny Abieba das Foul von Halit Yilmaz am Hankofener Samuel Pex. Pipinsrieds bislang erfolgreichster Torschütze dieser Saison wird somit nicht nur beim Jahresfinale nächsten Samstag zu Hause gegen die "Club"-Amateure fehlen.



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Veröffentlicht am 27.11.2022 18:01 Uhr