Fußball    

Nach Lockdown-Verlängerung; Amateurfußballer bangen um ihre Saison

Aichach - "Der Amateursport benötigt eine greifbare Perspektive", hatte Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), zu Wochenbeginn in einem Interview gefordert. Doch eine Aussicht, wann im Freistaat der Ball wieder rollen kann, sehen die Vereine nicht. Millionen Amateur- und Breitensportler in der gesamten Republik müssen weiter Verzicht üben, nachdem der Lockdown bis zum 7. März verlängert worden ist. Wie es nach diesem Datum im Speziellen für die bayerischen Amateurkicker weitergeht, ist offen, genauso, wie und ob die derzeit unterbrochene Spielzeit 2019/21 fortgesetzt wird. "Was eine Fortsetzung des Spielbetriebs angeht, so lassen sich angesichts der Tatsache, dass Inhalte des in der Diskussion befindlichen Wiederöffnungskonzepts nur rudimentär bekannt sind und beim nächsten Bund-Länder-Treffen Anfang März konkretisiert werden sollen, keine fundierten Aussagen treffen. Nachdem es sich hierbei um einen Stufenplan handeln wird, dürfte sich die Frage auf die Länge einer etwaigen Vorbereitungszeit ohnehin dahingehend erübrigen, als dass eine schrittweise Lockerung vom Training hin zum Spielbetrieb die Politik nicht von heute auf morgen zulassen wird - dies dürfte analog zu den staatlichen Vorgaben aus dem Frühsommer 2020 passieren", erklärt BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher.


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Ein inzwischen leider gewohntes Bild: Wann die Platzsperren auf den bayerischen Sportanlagen aufgehoben werden, wann die Fußball-Mannschaften wieder in den Trainingsbetrieb zurückkehren können und wann die unterbrochene Spielzeit 2019/21 fortgesetzt werden kann, steht nach wie vor in den Sternen. Archifvofots: Libossek, Kerpf/2, Kramer,


Zumindest sind die Bund-Länder-Beschlüsse dahingehend positiv, dass der Breitensport jetzt auch einer der Punkte ist, der von der Politik wahrgenommen wird und, so Igelspacher, "endlich auch Bestandteil der fortwährenden Diskussion ist". Fragen nach dem Zeitpunkt eines Saisonendes zu einem zwingenden Termin, dem Umgang mit möglichen Quarantäne-Fällen oder den Spiel-Modi indes ließen sich, fährt Igelspacher fort, anhand der aktuellen Faktenlage nicht seriös beantworten.
Doch schon heute lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass in den oberen Amateurklassen das offizielle Saisonende mit 15. Mai nicht gehalten werden kann. Ohne dem BFV vorgreifen zu wollen, werden sich die bayerischen Fußballklubs auf eine Verlängerung der Saison einstellen müssen, sofern sie nicht doch noch ein vorzeitiges Ende findet wie etwa im Hamburger Amateurfußball. In der Hansestadt soll der Abbruch auf einem außerordentlichen Verbandstag im März besiegelt werden. So weit soll es in Bayern aber nicht kommen. "Mit seiner Fortsetzungsentscheidung und der klaren Priorisierung der Beendigung des Ligen-Spielbetriebs hat sich der BFV den in dieser extrem schwierigen Situation maximalen Spielraum verschafft", sagt Igelspacher.
Aus unserer Region haben zwei Vereinsfunktionäre sowie ein Spielertrainer ihre Meinung zur gegenwärtigen Situation geäußert:

Tarik Sarisakal, Sportlicher Leiter FC Pipinsried: "Ich bin immer noch guter Hoffnung, dass wir die Meisterschaft auf dem Rasen und nicht am grünen Tisch einfahren werden. Die derzeitigen Maßnahmen haben gegriffen und ich denke, dass wir bis Mitte März die Inzidenz so weit unten haben, dass wir wieder trainieren können, um dann ab Mitte April - mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit sind nach dieser langen Pause nötig - wieder Punktspiele zu bestreiten. Dann sollte aber gewährleistet sein, dass auch wieder Zuschauer zu den Partien zugelassen werden. Flexibel müssen wir alle sein, was den Termin für das Saisonende betrifft. Ich sehe kein Problem, die Runde bis in den Juni hinein zu spielen. Die Jungs haben jetzt ohnehin eine lange Auszeit, so dass man die Sommerpause in diesem Jahr kurzhalten kann. Den Ligapokal halte ich jetzt aber zeitlich für nicht mehr machbar."

Josef Kigle, Spielbetriebs-Vorsitzender TSV Aindling: "Momentan sehe ich keine Perspektive - und das betrifft nicht nur den Amateursport, sondern auch etwa Einzelhandel und Gastronomie. Hauptsache ist, die Profikicker fahren in der Welt umher, bestreiten ihre Champions-League-Spiele in Ungarn - das ist nicht mehr normal. Wenn wir im Amateurbereich nicht ab Mitte März wieder trainieren und Testspiele bestreiten können, würde ich für einen Saisonabbruch plädieren. Was bringt es, bis Ende Juni zu spielen, wenn dann die neue Saison kurz darauf wieder beginnen soll. Die Spieler benötigen nach dieser langen Pause vier, fünf Wochen Vorbereitungszeit. Wer behauptet, dass 14 Tage reichen, der hat vom Fußball null Ahnung. Ich sehe für die aktuelle Saison schwarz!"

Matthias Kefer, Spielertrainer SC Griesbeckerzell: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ab 8. März ein Training in Mannschaftsstärke freigegeben wird, auch wenn es im Amateurfußball keine Infektionsherde gegeben hat. Die Hygienekonzepte, die die ehrenamtlichen Vereinsvorsitzenden und Helfer im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres mit einer Kraftanstrengung umgesetzt haben, haben sich bewährt. Bevor wir die Punktspiele fortsetzen, sollte die Vorbereitungszeit mindestens vier Wochen betragen, wobei ich das für uns als unterklassige Fußballer ohnehin schon als relativ knapp finde. Sollte der Re-Start im April erfolgen, bringen wir die Saison auch gut zu Ende. Ich halte aber nichts davon, die Runde, falls auch im April noch nichts geht, unendlich zu verlängern. Dann sollte man sie abbrechen, damit die neue Saison 2021/22 regulär beginnen kann. Streichen sollte man dagegen schon jetzt den Ligapokal.

Von Herbert Walther

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Alle Augen auf Matthias Kefer: Der Spielertrainer und seine beiden Kompagnons haben beim SC Griesbeckerzell verlängert. Foto: Siegfried Kerpf


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Josef Kigle. Foto: Kerpf


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Veröffentlicht am 12.02.2021 17:34 Uhr