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Für eine Handvoll Spiele: Wieso der BFV die Saison nicht abbrechen wird

Aichach - Die Nachricht, die am späten Donnerstagabend publik wurde, schlug im Amateurfußball mindestens so wuchtig ein wie ein Vollspannschuss von Adelzhausens Topstürmer Dominik Müller. Bayern wird die nächste Lockerungsstufe wegen schleppend vorankommenden Impffortschritts und steigender Inzidenzen vorerst auszusetzen. Jenen sogenannten Öffnungsschritt vier also, der unter anderem Kontaktsport im Freien bei Inzidenzen unter 50 oder unter 100, dann unter Voraussetzung negativer Schnelltest-Ergebnisse der Teilnehmer, ermöglicht hätte.


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Der Titel für das verbeulteste Verbotsschild des bayerischen Amateurfußballs geht definitiv an den TSV Sielenbach. Nach jüngsten Medienberichten wird es wohl noch ein Weilchen länger Fußballer und Fußballerinnen vom Hauptplatz fernhalten. Foto: David Libossek


An Trainingsstart bei Mannschaften aus dem Erwachsenenbereich wäre damit nicht zu denken. Wobei: Ohnehin hätten wohl längst nicht alle Vereine ihre Kicker euphorisch auf die Übungsplätze beordert. Denn keiner weiß so recht, worauf man eigentlich hintrainiert. Eine Saisonfortsetzung ist weiterhin außer Sichtweite, bestätigen sich die Befürchtungen, dass der Status quo des Lockdowns um vier Wochen ausgedehnt wird, benötigt man schon fast ein Teleskop, um irgendwo am Firmament den Re-Start des Spielbetriebs erkennen zu können.

Deadline und Abbrüche in anderen Verbänden

Der Bayerische Fußballverband wird seine abwartende Haltung vermutlich selbst dann nicht beenden. Auch wenn die derzeitige Entwicklung der Pandemie-Lage einmal mehr verdeutlicht, dass von der jüngst von Verbandsspielleiter Josef Janker und BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher erhoffte Impf-Effekt wohl noch eine ganze Weile lang auf sich warten lassen wird. Wie der Südwestdeutsche Verband eine Deadline zu setzen, bis zu der eine Wiederaufnahme der Ligen möglich sein muss, davon sieht der BFV, der sich noch nicht einmal vom Zusatzwettbewerb Ligapokal trennen kann, offenbar ab. Ein Abbruch wie Hamburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt ihn vollzogen haben und zu dem auch Sachsen tendiert, bleibt für München weiterhin die allerletzte Ausfahrt.


"Grundsätzlich ist der Verband sogar verpflichtet, einen Spielbetrieb anzubieten und diesen zu organisieren. Es sei denn, dem stehen nachweisliche Gründe, etwa staatliche Vorgaben/Verbote, entgegen. Alles andere würde rechtlich angreifbar sein", erinnert diesbezüglich BFV-Sprecher Fabian Frühwirth gegenüber der mittelfränkischen Fußball-Plattform fussballn.de . Und liefert damit gleichzeitig die Erklärung für die Planspiele, die derzeit an der Brienner Straße 50 durchgegangen werden. Diese Überlegungen, die auch der Aichacher Zeitung bekannt sind, bestätigten nun Verbandsspielleiter Janker und der niederbayerische Bezirksspielleiter Richard Sedlmaier gegenüber heimatsport.de - das niederbayerische Internetportal hat übrigens nur den Namen mit dem Aichacher Sportgeschäft gemein.

Ligaspiele alle zwei Tage sind möglich

Die beiden Funktionäre betonen, dass die im Falle eines Abbruchs greifende Quotientenregelung "mit jedem ausgetragenen Spiel gerechter" wird. Entsprechend lotet der BFV aus, wie er das kalendarische Saisonende, den 30. Juni, voll ausreizen kann. Wäre der Re-Start etwa - unter Berücksichtigung der angestrebten drei Wochen Vorbereitungszeit für die Mannschaften - am 12. Juni möglich, würde man an den drei Wochenenden bis Monatsende Liga-Partien ansetzen. Zudem trat am vergangenen Donnerstag in Kraft, was im Dezember an der Spielordnung geändert wurde. Die Spielleiter hätten nun sogar die Möglichkeit, alle zwei Tage Begegnungen anzusetzen. Des Weiteren müssen sie diese nicht mehr strikt nach Plan ansetzen, könnten etwa Partien, die relevant für Auf- oder Abstieg sind, vorziehen.

Gewiss ist gemäß Spielordnung, dass die Relegation nur dann ausgetragen wird, wenn sämtliche regulären Saisonspiele absolviert sind. Für etwaige Entscheidungsspiele könnte, das stellte Schatzmeister Faltenbacher in Aussicht, durch Ausnahmeregelungen gar die kalendarische Dauer der Saison ausgedehnt werden. Eine grundsätzliche Saisonverlängerung wie sie jüngst der Verband Niedersachsens beschloss, lehnte der BFV bislang kategorisch ab. 

 

Kommentar: Vorhaben des BFV hat einen Haken

Dass eine Saison, die sich nunmehr über 22 Monate zieht, letztlich durch die Quotientenregelung entschieden wird, wünscht sich niemand. Die Aussage, dass die Berechnung der Tabelle mit jedem ausgetragenen Spiel gerechter wird, ist aber definitiv korrekt.


Die Planspiele des BFV, so viele Partien auszutragen wie nur irgend möglich, haben allerdings einen Haken. Mindestens für jene Vereine, für die es in Sachen Auf- und Abstieg um nichts mehr geht - und das sind die allermeisten -, ergibt dieses Vorhaben ab einem gewissen Zeitpunkt keinen Sinn mehr. Ende Mai den kompletten Apparat für zwei oder drei belanglose Spiele hochzufahren - drei Wochen Vorbereitung, Testspiele, Betriebskosten: Das wird keiner mitmachen.


Diese Idee wäre nur dann praktikabel, wenn nahezu unmittelbar an das Saisonende die Spielzeit 2021/22 anknüpft, es also keine neuerliche Pause gäbe, die eine abermalige Vorbereitung nötig macht. Das hätte zudem den Vorteil, dass man die kommende Runde mit einem Zeitvorsprung beginnt. Schließlich wird die Pandemie in der zweiten Jahreshälfte nicht einfach verschwunden sein und gewiss auch die nächste Saison begleiten. David Libossek
Von David Libossek



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Veröffentlicht am 19.03.2021 09:27 Uhr