Fußball    

FCP zeigt starke Reaktion

Pipinsried - Nikola Jelisic rannte mit dem Ball am Fuß auf den gegnerischen Strafraum zu, erblickte auf der rechten Seite den kurz vor ihm eingewechselten Munkyu Seo und spielte das Leder perfekt in die Gasse. Dem Koreaner schien die Kugel am Fuß zu kleben. Er setzte sich gegen drei Hankofener durch, zog ab und der Ball schlug zum 3:0 für den FC Pipinsried ein. Der Sieg war sicher, der erste der neuen Regionalliga-Saison nach drei Niederlagen. Marvin Jike hatte den Reigen eröffnet, Halit Yilmaz durch einen direkt verwandelten Traumfreistoß erhöht. Doch die Gemütslage der Fans (und vielleicht auch der Kicker) blieb labil. Erst Seos Treffer schraubte den Deckel auf den Heimsieg.


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Jubel, Erleichterung, Riesenfreude - all das ist in den Gesichtern der Pipinsrieder Fußballer nach dem 3:0 durch Munkyu Seo (Vierter von rechts) zu sehen. Mit ihm feiern: (von links) Nikolaus Grotz (Nummer 12 an de Hose), Claudio Milican (Nr. 14), der überglückliche Spielertrainer Nikola Jelisic, Bernard Mwarome (im Hintergrund), Pablo Pigl (im gelben Leiberl), Ryosuke Kikuchi und Ersatztorwart Daniel Witetschek. Fotos: Horst Kramer


Die Pipinsrieder Kicker, Trainer und Verantwortlichen wollten nach Abpfiff gar nicht mehr aufhören, sich gegenseitig zu beglückwünschen für den verdienten und hart erarbeiteten Erfolg gegen den Aufsteiger SpVgg Hankofen-Hailing. FCP-Präsident Roland Küspert beschrieb seine Gefühlslage mit einem Wort: "Riesenerleichterung. Nach den zuletzt gezeigten Leistungen war so ein Sieg nicht erwartbar!" Es war eine starke Reaktion der Pipinsrieder auf das 0:6-Debakel vom vergangenen Freitag bei den Würzburger Kickers.
Der Neuzugang Seo, der vier Wochen auf seine Spielberechtigung gewartet hatte, freute sich natürlich riesig: "Dass ich eingesetzt werde, wusste ich. Aber ein Tor hätte ich nie erwartet. Mein Ziel ist es, immer einhundert Prozent zu geben."
Nikola Jelisics Aufstellung bot eigentlich keine Überraschungen. Zumindest nicht auf dem Feld, denn auf der Bank: Denn dass der Spielertrainer tatsächlich die Schuhe schnüren würde, war alles andere als sicher nach vier Monaten ohne Spielpraxis und gerade mal zwei Trainingseinheiten mit dem Team. Dass der Neuzugang Seo auf der Bank Platz nehmen würde, hatte sich in den vergangenen Tagen angedeutet.
Beide Teams gingen von Anfang an diszipliniert und vorsichtig ans Werk. Klar, dass die Pipinsrieder nach den vielen Gegentoren auf Sicherung bedacht waren. Der Neuling wiederum ist noch nicht so abgebrüht, einen angeschlagenen Gegner, wie es der FCP war, gleich in der Anfangsphase einen Knockout verpassen zu wollen. Die ersten guten Szenen erarbeiteten sich die Hausherren: Etwa in der 18. Minute, als Jike in den Gäste-Strafraum eindrang und versuchte, den Gästetorwart aus spitzem Winkel mit einem Beinschuss zu übertölpeln.
Auffällig schon in der Anfangsphase: die vielen Meter, die Jike und Nickoy Ricter gingen, ebenso die vielen Sprints von Yilmaz und Claudio Milican. Ebenfalls auffällig: der Wille, das Mittelfeld blitzschnell zu überwinden, etwa bei einem 30-m-Freistoß von Pigl aus der eigenen Hälfte auf rechts zu Ahanna Agbowo, dessen Flanke Ricter in der Mitte nur haarscharf verfehlte (21.).
Allmählich übernahmen die "Dorfbuam", wie sich die Hankofener selbst bezeichnen, die Kontrolle und ließen den Ball gepflegt kreisen, in der Hoffnung, einen Freistoß oder Eckball herauszuholen - insbesondere Lermers Ecken erwiesen sich als brandgefährlich.
Die größte Chance bot sich ihrem Rechtsaußen Vincent Ketzer, der aus zehn Metern per Bauernspitz das rechte untere Eck im Pipinsrieder Kasten anvisierte. Der Rettungssprung von FCP-Schlussmann Felix Thiel war erstaunlich - Raunen auf den Rängen, Szenenapplaus (38.).
Nach dem Seitenwechsel wollte es die Pipinsrieder wissen, das war zu spüren. Jike setzte sich rechts durch, Ricter verpasste erneut knapp (47.). Dann der Lohn: Jike zieht vor dem Hankofener Strafraum nach links und schickt ein gewaltiges Geschoss ins obere linke Eck (1:0, 51.). Ein Wirkungstreffer, das war sofort klar. Das niederbayerische Trainergespann schickte neue Spieler aufs Feld, doch das Resultat blieb aus. Nach dem Freistoß zum 2:0 - ein Präzisions-Kunstwerk aus 25 Metern über die Mauer und unter die Latte - fingen die Pipinsrieder Fans an zu träumen. Mit Seos 3:0 wurde er wahr.
FC Pipinsried: Thiel - Agbowo (72. Seo), Lobenhofer, D. Jelisic, Mwarome, Dzemailji - Pigl (72. N. Jelisic) - Yilmaz (79. Kikuchi), Milican - Ricter (86. Grotz), Jike (88. Keßler).
SpVgg Hankofen-Hailing: Maier - Rabanter (55. B. Wagner), Härtl, Gänger, Sokol - Vogl (55. Hofer), Beck - Ketzer (55. Pex), Richter (70. Dobruna), Lermer - Sommersberger (56. A. Wagner).
Tore: 1:0 Jike (51.), 2:0 Yilmaz (62.), 3:0 Seo (87.) - Schiedsrichter: Schultes (Betzigau) - Zuschauer: 312 - Gelbe Karte: Dzemailji/Pex, Gänger, Härtl.

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 02.08.2022 23:00 Uhr