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Angstgegner Affing: Die Ecknacher Serie bleibt tiefschwarz

Affing - Die Laubbäume im Forst, der sich südlich der Michael-Burger-Sportanlage zwischen Affing und Frechholzhausen erstreckt, signalisieren es bereits: Es wird Herbst. Ihre Blätter verfärben sich in ein leuchtendes Gelb, sattes Rot und glänzendes Braun. Ecknachs Serie gegen den FC Affing indes bleibt so tiefschwarz wie die gestern aufgetragenen Auswärtsleibchen. In den vergangenen zehn Jahren reichte es in elf Spielen - inklusive Testspiel und zwei Derbys in der Halle - zu lediglich einem Remis. Mit 0:2 (0:0) unterlag der Bezirksliga-Tabellenführer gestern Nachmittag seinem Angstgegner.


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Im Ausfallschritt zum 1:0: Manuel Steinherr lässt sich weder von Michael Eibel noch von Daniel Zakari (rechts) vom Weg abbringen.


Ecknach startete derart tosend in die Partie, als wollte es die komplette Baumreihe hinter dem von Noah Scherer gehüteten Tor vom Laub befreien. Lautstark attackierte der VfL den Affinger Spielaufbau. Doch der FCA ließ sich nicht davon beeindrucken, dass der Tabellenführer gleich mal den Dicken markierte. Generell hatte die ungewollte Unterbrechung - ein Affinger Spieler ist an Corona erkrankt, weshalb vergangenes Wochenende auch die Partie in Meitingen abgesagt wurde - den Gastgebern keinesfalls geschadet. "Wenn man bedenkt, dass wir eineinhalb Wochen nicht trainiert haben; da ziehe ich meinen Hut vor der Mannschaft. Unter diesen Umständen eine Leistung wie heute abzuliefern, ist alles andere als alltäglich", lobte hinterher Affings Trainer Marc-Abdu Al-Jajeh.
Der Vierte der Liga präsentierte sich ballsicher und griffiger in den Zweikämpfen. Als Ecknachs anfänglicher Sturm abgeflaut war, tauchten die Hausherren immer mal wieder am Strafraum des VfL auf. Zwei Fernschüsse, zwei Kopfbälle nach Halbfeldflanken; richtig gefährlich wurde es aber erst, als Nino Kindermann auf Maximilian Schacherl durchsteckte, der an der Fußabwehr des aufmerksamen Torhüters David Selig scheiterte (22.).
Fünf Minuten später köpfte Kindermann an die ausgeklappte Hand von Benedikt Huber. In der Bundesliga hätte wohl der VAR eingegriffen und Schiedsrichterin Daniela Göttlinger zumindest mal an den Monitor geschickt. Die 29-Jährige geriet aber auch so immer mehr in den Mittelpunkt der Partie, die bis auf eine Kopfballgelegenheit von Ecknachs Daniel Zakari nach einem Freistoß von Aykut Atay (27.) bis zur Pause dahinplätscherte wie der Regen an einem tristen Novembertag.
Auch Eibel bringt
VfL-Spielertrainer Daniel Framberger reagierte, brachte zur Pause seinen designierten Nachfolger, den zuletzt verletzten Michael Eibel, für den glücklosen Lukas Wagner. Während Affing gleich mal mit einem Schuss von Marco Buchner, den Selig stark am Einschlag ins kurze Eck hinderte, in Durchgang zwei startete, fügte sich Eibel mit einer gelben Karte wegen Meckerns ein. Symptomatisch für den weiteren Verlauf der Begegnung. Während die Gäste sich mehr und mehr an der in beide Richtungen teils unglücklich agierenden Unparteiischen aufrieben, konzentrierte sich Affing aufs Wesentliche. Sascha Meyer konnte frei vor dem Tor eine Flanke von Maximilian Lipp nicht verarbeiten (57.), Maximilian Schacherl köpfte aufs Tordach (60.).
Als der eingewechselte Cyrill Siedlaczek den Weg des in den Strafraum startenden Atay kreuzte, den VfL-Außen zu Fall brachte und Göttlinger Ecknach einen durchaus angebrachten Strafstoß verweigerte, kochten beim Spitzenreiter die Gemüter endgültig hoch - inklusive unqualifizierter bis hochgradig sexistischter Rufe einiger Zuschauer. Auch Framberger erinnerte nach dem Spiel an die Szene, sah darin sowie am schlechten Zustand des Platzes Gründe für die Niederlage. "Kleinigkeiten haben heute entschieden", stellte er fest.
Steinherr wie
Der wohl größte Faktor für die dritte Saisonniederlage des Ligaprimus: Dem VfL fehlten Schärfe und Konsequenz im letzten Drittel. Jene Attribute, die ihn in dieser Spielzeit so oft ausgezeichnet haben. "Wir haben gegen die beste Offensive der Liga nichts zugelassen", schwärmte auf der anderen Seite Al-Jajeh, "wir haben richtig gut verteidigt, sind taktisch diszipliniert aufgetreten."
Und Affing fuhr die Ernte ein. Manuel Steinherr wirbelte mit einem energischen Dribbling Ecknachs Defensive durcheinander wie ein Laubbläser einen Haufen trockener Blätter (und erfuhr dabei ebenso wenig Gegenwehr). Mehr getragen von Willenskraft als von technischer Finesse wühlte er sich bis vor Selig durch, der seinen unplatzierten Abschluss noch klärte; jedoch genau vor Kindermanns Füße, der zum 1:0 abstaubte (71.). Spielertrainer Tobias Jorsch hätte das Spiel beinahe sechs Minuten vor dem Schlusspfiff entschieden: Sein Außenrist-Lupfer nach einer Kopfballabwehr von Selig vor dem Strafraum verfehlte aber knapp das Tor. So besiegelte letztlich Matthias Buckow per abgefälschtem Schuss aus 20 Metern in der Nachspielzeit das Andauern der tiefschwarzen VfL-Serie. Das ansonsten ungewohnt blasse Ecknach hatte kurz zuvor noch im negativen Sinn etwas Farbe ins Spiel gebracht: Atay sah für ein Foul "Gelb-Rot".
FC Affing: Scherer - Steinherr (78. Buckow), Leicht, Tremmel, Lipp - Meyer (68. Siedlaczek), Jorsch, Dörr (86. Reiter), Buchner - Kindermann - Schacherl.
VfL Ecknach: Selig - Piller (83. Jung), Huber, Hörl (75. Mladenovic), Glas - Atay, Sponer, Framberger, Zakari, Wagner (46. Eibel) - Jusczak (75. Erhard).
Tore: 1:0 Kindermann (71.), 2:0 Buckow (90.+1) - Gelb-Rot: Atay (Ecknach/85./Meckern und Foulspiel) - Schiedsrichterin: Göttlinger (Adelsried) - Zuschauer: 200.

Von David Libossek

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Viele strittige Szenen: Auch diese Grätsche von Ecknachs Stephan Hörl gegen Sascha Meyer löste auf dem Platz und der Tribüne hitzige Diskussionen aus. VfL-Kapitän Manfred Glas sah daraufhin "Gelb" wegen Meckerns - eine von insgesamt acht gelben Karten im Derby. Fotos: Siegfried Kerpf



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Veröffentlicht am 18.10.2021 14:33 Uhr