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Schiltberg steigt in die Kreisklasse auf - Rehling muss runter in die A-Klasse

Aichach - "Es war vielleicht unser schlechtestes Saisonspiel", sagte Schiltbergs Abteilungsleiter Johann Hofberger, "aber über die ganze Saison gesehen ist der Aufstieg verdient." Sechs Jahre nach dem Abstieg aus der Kreisklasse ist der TSV Schiltberg gestern Abend eben in diese Spielklasse zurückgekehrt. Der Vizemeister der A-Klasse Aichach gewann die Neuauflage auf dem BCA-Platz - die erste Partie am vergangenen Freitag musste wegen eines Unwetters abgebrochen werden - gegen den TSV Rehling 1:0 (0:0). Aufstiegsheld war gestern ausnahmsweise nicht Schiltbergs Spielertrainer und 51-Tore-Mann Robin Streit, sondern Manuel Daurer mit einem Sonntagsschuss unter die Latte.


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Goldene Papierschnipsel aus einer Konfettikanone regnete es auf Schiltbergs Fußballer, die gestern Abend mit einem 1:0-Sieg über Rehling in die Kreisklasse Aichach zurückkehrten. Fotos: Siegfried Kerpf


Für den TSV Rehling ist der Abstieg in die A-Klasse ein historisches Ereignis. Denn so tief wie in der kommenden Saison spielten die Rehlinger seit über sechs Jahrzehnten nicht mehr. Denn vor der Namensänderung der Spielklassen 1998 war die heutige A-Klasse die damalige C-Klasse, die die Blau-Weißen 1958 (!) als Meister nach oben verlassen hatten. Seit dem spielte der TSV immer höherklassig. Seine beste Zeit hatte er in den 1990er-Jahren: Mit einer einjährigen Unterbrechung gehörte Rehling insgesamt zehn Spielzeiten der Bezirksliga Nord an.
Rehlings Routinier Christian Lottes zeigte sich hinterher trotz des bitteren Abstiegs als fairer Verlierer: "In den beiden Spielen waren die Schiltberger schon die bessere Mannschaft." Aber die Lechrainer machten der 99-Tore-Offensive des A-Klassisten das Leben sehr schwer. "Wir haben ja gewusst, was auf uns zukommt", sagte Lottes. Der bald 36-Jährige gab einen ausgezeichneten Libero, organisierte seine Vorderleute. "Wir haben auch gut zugemacht", sagte er. Den Rehlingern ist es gelungen, Robin Streit aus dem Spiel zu nehmen. Michael Sturm, gegenüber der Freitagspartie eine von vier Neuerungen in der Rehlinger Startformation, verfolgte den 26-jährigen Angreifer auf Schritt und Tritt, egal ob sich dieser im Zentrum bewegte oder auf die Flügel auswich. "Es war nicht der beste Tag der Streits", stimmte auch Hofberger zu. Denn auch Robins älterer Bruder Kevin konnte sich nicht wie gewohnt in das Angriffsspiel mit einschalten.
Rehlings Absicht war alsbald zu erkennen: Vor dem eigenen Strafraum den Bus parken und auf Konter hoffen. Fast wäre das Vorhaben von Trainer Werner Eyring aufgegangen, als Eren Bayram alleine auf Schiltbergs Torhüter Lukas Koppold zusteuerte, der Schuss des Rehlinger Außenangreifers wurde noch zur Ecke abgewehrt (19.). Wie schon vor vier Tagen hatten auch gestern der klassentiefere TSV wieder mehr Feldvorteile, doch mit einem gravierenden Unterschied. Im Gegensatz zum Freitag gestattete der Kreisklassist den Schiltberger Angreifern keine Räume. Immer wieder rannten sich diese an der vielbeinigen Abwehr fest. Wenn jedoch einmal schnell und direkt gespielt wurde, wurde es prompt gefährlich - aber Stefan Brunner hatte sein Visier zu hoch eingestellt (39.). Die fußballerischen Darbietungen waren auf beide Seiten dann doch überschaubar. "Es war von Anfang an eine Nervosität zu spüren", sagte Hofberger.
Eine Einzelaktion entschied dieses Relegationsspiel: Daurer setzte sich an der linken Rehlinger Strafraumkante gegen Adrian Farcas durch und hämmerte die Kugel knapp innerhalb des Strafraums hoch ins kurze Eck - ein klasse Tor (53.). Rehling musste jetzt seine defensive Haltung aufgeben und wäre kurz darauf fast zum Ausgleich gekommen, aber Lukas Koppold tauchte Lottes' abgefälschten Freistoß gerade noch so aus der bedrohten Ecke (58.). Frank Widmann, Rehlings bester Torschütze in der zurückliegenden Kreisklassen-Saison, hatte den Ausgleich auf dem Schlappen, schoss aber aus zehn Metern Richtung Auenstraße (64.). Kurz davor hielt Rehlings Keeper Lukas Rutka mit einer Fußabwehr gegen Daurer sein Team im Spiel und die Hoffnungen auf den Klassenerhalt aufrecht.
Rehling probierte alles, doch vorne fehlte es dem TSV an Durchschlagskraft. Die Schiltberger beschränkten sich darauf, den Vorsprung über die Zeit zu retten. In der Schlussphase wurde es hektisch. Helle Aufregung herrschte im Lager des kurz vor dem Abstieg stehenden Kreisklassisten in der achtminütigen Nachspielzeit. Nach einer Ecke forderten die Rehlinger vehement Handelfmeter, Bihler unterband die Proteste, weil er an Foul an René Hamann gesehen hatte (90.+5). Kurz darauf war dann Schluss: Beim Schiltberger Anhang gab es kein Halten mehr, während bei Rehling die Köpfe nach unten gingen.
TSV Schiltberg: Lukas Koppold - Lechner, Kevin Streit, Hamann, Thomas Brunner - Daniel Ziegenaus, Jonas Koppold, Florian Ziegenaus - Stefan Brunner (76. Caliskan), Robin Streit (81. Hartl/90.+3 Daurer), Szilagyi (31. Daurer/84. Robin Streit).
TSV Rehling: Rutka - Lottes - Farcas, Sturm, Schmidmeier (63. Mula Khalil), Franz - Schmid - Widmann, Illmer, Bayraum (71. Krätschmer/85. Frank) - Nurten.
Tor: 1:0 Daurer (53.) - Schiedsrichter: Bihler (Neuburg) - Zuschauer : 850 - Gelbe Karte: Stefan Brunner, Robin Streit, Caliskan, Hartl/Schmidmeier, Franz, Illmer, Lottes.

Von Herbert Walther

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Überschwänglich feiert Schiltbergs Kapitän Stefan Brunner den Schützen des goldenen Tores, Manuel Daurer, der mit einem Sonntagsschuss unter die Querlatte den TSV zurück in die Kreisklasse schoss.



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Veröffentlicht am 07.06.2022 22:28 Uhr