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Beim FCP-Sieg über 1860 Rosenheim heißt der Unterschied Kubica

Pipinsried - Novemberspiele sind normalerweise nichts für Fußballästheten: Die Plätze sind tief, die Spieler müde, sehr oft kickt Not gegen Elend. Nicht so gestern Nachmittag in der Pipinsried-Arena: Die 250 Zuschauer sahen eine packende Partie zwischen zwei Mannschaften, die sich trotz widriger Umstände bemühten, Fußball zu spielen. Dass hierbei der Bayernliga-Primus FC Pipinsried den Vorletzten TSV 1860 Rosenheim empfing, war in keiner Phase zu bemerken - auch wenn der 4:1 (2:1)-Erfolg der Gelb-Blauen unter dem Strich in Ordnung ging. Allein schon wegen eines Akteurs: Arthur Kubica. Der Zauberfuß war der Mann des Nachmittags: Er erzielte drei der vier Pipinsrieder Treffer und wurde von seinem Coach Tobias Strobl gelobt: "Arthur hat heute den Unterschied gemacht."


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Arthur Kubica, der Sebastian Weber (Nr. 13) stehen lässt, war mit drei Toren der Matchwinner des FC Pipinsried beim mühsamen 4:2-Heimsieg über 1860 Rosenheim. Foto: Horst Kramer


Strobls Aufstellung bot naturgemäß keine Überraschungen. Die einzige offene Frage - wer gibt den Sturmführer -, hatte der Hepberger zugunsten Manuel Eisgrubers entschieden; Armin Lange saß erst einmal auf der Bank. Wie auch Philip Grahammer und Peter Herger. Serge Yohoua (gequetschter Meniskus), Dominik Schön (Außenbandriss) und Junis Ibrahim (Muskelfaserriss) sind bekanntlich verletzt. Die Rosenheimer hatten immerhin vier Feldspieler auf der Bank. Wobei ihr Coach Patrick Peltram gleich vier aktuelle A-Jugend-Spieler ins Rennen schicken musste: Raphael Obermair, Sebastian Weber, Denis Knezevic und Nicholas Helmbrechts.
Der Tabellenvorletzte versteckte sich nicht. Im Gegenteil. Die Inntaler Viererkette stand schon zehn Meter hinter der Mittellinie, ihre vorderste Front - in Gestalt vom Heimstetter Neuzugang Slaven Jokic - griff selbst FCP-Keeper Tobias Antoni unablässig an. In den ersten zehn Minuten wechselten die Fronten beständig, dann beruhigte sich die Lage und die Hausherren übernahmen die Kontrolle.
Bis zur 35. Minute konstruierten die Strobl-Mannen einige schöne Spielzüge. Die sogar bis in den gegnerischen Strafraum führten. Eisgruber hätte gleich zweimal einnetzen können (20., 28.), Sebastian Fischer prüfte den Rosenheimer Keeper Georg Moller zudem mit einem Freistoß (27.). Die Peltram-Schützlinge hatten in der 21. Minute eine gute Szene, als der erst 18-jährige Knezevic den Pipinsrieder Torhüter Antoni zu einer Faustabwehr zwang - der Nachschuss von Besart Murazi zischte 20 Zentimeter am rechten Tordreieck vorbei.
Dennoch kam die Führung der Gäste überraschend: Nach einem harmlosen Strafraum-Zweikampf zwischen Erkan Atilgan und Jokic lag der Kroate plötzlich am Boden: Referee Michael Kögel pfiff, Christoph Wallner verwandelte sicher (0:1, 36.). Der Treffer wirkte auf die Pipinsrieder wie ein Weckruf, sie erhöhten sofort die Schlagzahl. Strobl stürmte auf halblinks durch die Rosenheimer Hälfte und legte auf Kubica ab, der aus zwölf Metern einschob (1:1, 38.).
Im ICE-Tempo (wenn nicht gerade die GDL streikt) ging es weiter. Manuel Eisgrubers Tor zum 2:1 war zwingend. Übrigens wieder ein Kopfballtreffer (nach Flanke von Berger), der Ex-Sulzemooser konnte es selber nicht glauben (45.). Wer nun dachte, die Pipinsrieder Welt sei nach dem Seitenwechsel in Ordnung und der Sieg in trockenen Tüchern, sah sich getäuscht. Die Gäste aus dem Voralpenland hielten munter dagegen und erarbeiteten sich mehrere dicke Chancen: Die größte durch einen 17-Meter-Freistoß von Markus Einsiedler, den Antoni nur mit Mühe entschärfen konnte (57.). Daher war der Ausgleich durch Jokic nach einem Flankenlauf von Knezevic und einem abgefälschten Helmbrecht-Schuss durchaus gerecht (2:2, 63.).
Prompt wiederholte sich das Geschehen aus der ersten Halbzeit. Wie nach dem 0:1 drückten die Dorfklub-Kicker nun aufs Gas, unterstützt durch einen offensiven Wechsel (Lange für Zischler, 67.). Kubica erzielte das 3:2 in Gerd-Müller-Manier aus dem Gewühl heraus (69.). Mit seinem 4:2, einem blitzsauberen Kunstschuss aus 16 Metern, machte Kubica den Deckel auf das Match.
Kurz vor dem Ende blieb das Pipinsrieder Herz indes noch einmal stehen: Antoni wälzte sich am Boden, weil er einen Schlag aufs Knie erhalten hatte. Doch nach einer Minute Behandlungspause ging es bei ihm weiter. Strobl machte sich dennoch Sorgen: "Über den Sieg freue ich mich erst, wenn mir Tobias am Dienstag Entwarnung gibt."
FC Pipinsried: Antoni - Finkenzeller, Schuster, Atilgan, Götz - Zischler (67. Lange), Strobl - Berger, Fischer, Kubica - Eisgruber (80. Grahammer).
TSV 1860 Rosenheim: Moller - Köhler, Wallner, Lenz, Sebastian . Weber - Obermair, Murtezi (41. Shabani) - Knezevic (77. Caner), Einsiedler, Helmbrecht - Jokic.
Tore: 0:1 Wallner (36./Foulelfmeter), 1:1 Kubica (38.), 2:1 Eisgruber (45.), 2:2 Jokic (63.), 3:2 Kubica (69.), 4:2 Kubica (84.).
Schiedsrichter: Kögel (Schwabsoien).
Zuschauer: 250.
Gelbe Karte: Kubica/Murtezi. FCP-Torhüter Antoni kann nach kurzer Behandlungspause weitermachen

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 10.11.2014 12:00 Uhr