Fußball    

Fischer schießt Frust weg

Wolfratshausen – Eine „Erniedrigung“ sei es für jeden Bayernligafußballer, auf Kunstrasen spielen zu müssen, wenn nebenan ein brauchbares Naturgrasfeld zur Verfügung stehe, moserte FCP-Präsident Konrad Höß am Samstagnachmittag in Wolfratshausen. Der Platz im Isar-Loisach-Stadion war, obwohl für die Jahreszeit in einem einwandfreien Zustand, von der durch den Ballclub Farchet installierten Betreibergesellschaft wieder einmal gesperrt worden. Wer im Abstiegskampf steckt, zieht halt alle Register. Geholfen hat’s den Grün-Weißen nicht, sie unterlagen Pipinsried 0:2 (0:2). „Die haben sich ins eigene Fleisch geschnitten“, freute sich Höß diebisch über die drei Punkte.


<p>Fischer schießt Frust weg </p>

Unter Stoibers Augen imponiert Adrianowytsch mit seinem Kopfballspiel


Normalerweise kämpft und rennt die Mannschaft von Trainer Reiner Leitl auf dem kurzen und engen Plastikgeviert jeden Widersacher nieder. In dieser Saison hatte sie dort bis dato nur gegen den BC Aichach verloren (2:3). Am Samstag hatte der BCF seine Rechnung ohne die reichliche Pipinsrieder Erfahrung auf Gummibelag gemacht. „Die Wolfratshausener haben sich damit keinen Gefallen getan, denn wir haben im Trainingslager im Februar am Gardasee 14 Einheiten auf Kunstrasen absolviert“, stellte FCP-Spielertrainer Tobias Strobl fest und ergänzte: „Von mir aus könnten wir die ganze Saison auf solchen Plätzen spielen.“

Strobl räumte jedoch auch ein, dass sein Team ein paar Minuten brauchte, um sich nach vierwöchiger Abstinenz wieder an diesen Belag zu gewöhnen. Der BCF hätte dies zur Führung nutzen müssen, Werner Schuhmann indes schoss unbedrängt vorbei (7.). Danach bewies der FCP, dass er spielerisch zum Besten gehört, was die Bayernliga Süd zu bieten hat. Höß freilich ist das Kombinationsspiel der Gelb-Blauen ein Dorn im Auge, weil zu riskant. Er bevorzugte die Kunstrasenspielweise der Wolfratshausener, die unentwegt lange Bälle an und in den Strafraum schlagen und auf die sich daraus ergebenden Chancen hoffen. Am Samstag ging dieses Rezept des BCF unter den Augen seines bekanntesten Mitglieds Edmund Stoiber nicht auf. Dies lag nicht zuletzt am herausragenden Kopfballspiel Christian Adriano-wytschs. Der Pipinsrieder Abwehrchef hatte die uneingeschränkte Lufthoheit.

2014 war es für den FCP noch nicht so recht gelaufen mit zwei Unentschieden in Schwabmünchen und gegen Burghausen 2. Überhaupt hatte er in der Rückrunde noch kein Spiel gewonnen (drei Remis, drei Niederlagen). Den Frust über diese missliche Serie packte Sebastian Fischer in der 38. Minute in einen fulminanten Schuss, der aus knapp dreißig Metern halblinke Position unhaltbar für Stefan Schwinghammer unterm Tordach einschlug – ein sensationelles Tor, sein erstes in einem Punktspiel für Pipinsried, zum 0:2. „So kann nur der Basti schießen“, schwärmte Strobl von seinem Neuzugang, der sich von Spiel zu Spiel besser integriert.

Mit dem 0:1 (27.) hatte sich Geburtstagskind Serge Yohoua (wurde am Samstag 25) selbst beschenkt. Wenige Minuten zuvor hatte Höß noch gemeint, Yohoua sei bei aller Umtriebigkeit im Abschluss zu schwach. Der Schwarzafrikaner belehrte den Klubchef eines Besseren. Nachdem Arthur Kubicas 18-m-Schuss zu Yohoua abgefälscht wurde, spielte der erst „mit der Latte Doppelpass“ (Strobl), ehe er den Ball per Hechtköpfler aus der Nahdistanz versenkte.

Der Ballclub Farchet gab sich nicht geschlagen. Ein intensives Spiel, wie es auf seiner Gummiwiese obligatorisch ist, ist schnell gekippt. Leitl schöpfte nach einer Stunde sein komplettes Wechselkontingent aus, setzte auf drei Stürmer. Die Wolfratshausener hatte zwar drei passable Möglichkeiten durch Jona Lehr, der Tobias Antoni umkurvte und aus spitzem Winkel ans Außennetz schoss (66.) sowie durch Lamine Güye und Sebastian Pummer, deren Kopfbälle (74./77.) nach Marco Höferths typischen Effet-Freistößen in den Strafraum drüber oder vorbei flogen. „Wir haben kämpferisch zugelegt und gut gegen den Ball gearbeitet“, wusste Strobl, dessen Mannschaft den Kontrahenten weitgehend im Griff hatte.

Pipinsrieds Chancen waren von anderer Qualität. Etwa die des Feinwerkers Kubica (51./53.) oder jene von Michael Holzhammer, der eine Minute nach seiner Einwechslung nach idealem Fischer-Zuspiel an Schwinghammer scheiterte (68.) und später den Ball nach einer Fischer-Ecke an die Latte köpfelte (79.). In den letzten Minuten erlahmten die Wolfratshausener Bemühungen. Nur Daniel Böck war noch wild entschlossen. Er rempelte Giovanni Goia ins Ballfangnetz an der Seitenlinie, sah die „Ampelkarte“. Der Ex-Pipinsdrieder Sebastian Pummer haderte mit den Fehlern, die seiner Mannschaft regelmäßig unterliefen. Da werde jeder in der Bayernliga „gnadenlos bestraft“.

„Dieses Erfolgserlebnis war wichtig“, bilanzierte Strobl, „wenn wir jetzt noch gegen Bogen gewinnen, hätten wir aus den ersten vier Spielen des Jahres acht Punkte geholt. Das könnte sich sehen lassen.“

BCF Wolfratshausen: Schwinghammer – Arkadas (58. Malinovic), Suljanovic, Böck, Gerg – Güye, Pummer – Hüttl, Höferth – Schuhmann (58. Gobitaka), Amanquah (58. Lehr).

FC Pipinsried: Antoni – Grahammer, Zischler, Adriano-wytsch, Finkenzeller – Strobl (84. Wünsch), Fischer – Goia, Kubica (77. Atilgan), Ibrahim (67. Holzhammer) – Yohoua.

Tore: 0:1 (27.) Yohoua, 0:2 (38.) Fischer. – Schiedsrichter: Hummel (Betzigau). – Zuschauer: 130. – Gelbe Karte: Gerg; Grahammer, Goia, Strobl. – Gelb-rote Karte: Böck (90.+1).

Von Heribert Oberhauser



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Veröffentlicht am 23.03.2014 20:51 Uhr